Annette Lüneburg ist seit 100 Tagen Geschäftsführerin der Lebenshilfe

Die Hände der Basis stärken

Zum 1. Januar hatte Annette Lüneburg in der Geschäftsführung der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz Michael Lensing abgelöst – sie ist nach 100 Tagen längst in der Region angekommen.

SULINGEN - Zum 1. Januar hatte Annette Lüneburg in der Geschäftsführung der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz Michael Lensing abgelöst – sie ist nach 100 Tagen längst in der Region angekommen. Dass die 43-jährige Diplomkauffrau, die mit dem Jahreswechsel nicht nur beruflich vom Hamburger Lebenshilfe-Werk in die Tiefen des Südens des Landkreises Diepholz umgesiedelt ist, weiß, wovon sie spricht, wird schnell deutlich: „Ich komme von der Basis“, räumt sie mit Blick auf ihre Vita ein. Insofern liege es ihr fern, dem „Overhead“ Ressourcen zulasten eben dieser Basis zuzuführen. Die Impulse, die sie geben will, sind andere.

Die Geschäftsführerin, die ursprünglich aus dem Landkreis Wolfenbüttel stammt und nach der Schulzeit zunächst eine Ausbildung zur Heilerziehungspflegerin absolvierte, war unter anderem als Leiterin einer Wohngruppe tätig, engagierte sich selbst in der Ausbildung von Heilerziehungspflegern, stieg erst im Alter von 30 Jahren in das Studium der Wirtschaftswissenschaften ein. Während ihrer Vorstellung vor der Mitgliederversammlung des Vereins Lebenshilfe im November 2015 erklärte sie, sich auf das strategische Management im Nonprofit-Sektor fokussieren zu wollen. Dass das keinen leeren Worthülsen waren, dürften die 437 Mitarbeiter schon in den ersten drei Monaten nach Ende der Ära Michael Lensing, der 26 Jahre als Geschäftsführer die Lebenshilfe geführt hat, vernommen haben.

Wenn Annette Lüneburg von „Overhead“ spricht, meint sie den Verwaltungsapparat. Den will sie schlank halten; zugunsten der „Hände an der Basis“. Sie sieht die Lebenshilfe-Vereinigung als das an, als was der Verein auch in Sulingen vor 50 Jahren gegründet worden ist. „Als Vereinigung von Eltern von Kindern mit Beeinträchtigungen, deren primäres Ziel die Selbsthilfe ist.“ Worte, die die Mitbegründerin der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz, Hannelore Krause, die den Verein über 20 Jahre bis 2013 führte und dann den Vorsitz an Claus Wilhelm Vocke abgab, gerne vernehmen dürfte. „Hannelore Krause ist mir schon in den ersten drei Monaten zu einer wichtigen Ratgeberin geworden“, sagt die Geschäftsführerin.

Ist in einer Zeit, in der die Begrifflichkeit Inklusion schon fast Kult-Status einnimmt, eine Elternvereinigung noch zeitgemäß? Geschäftsführerin Lüneburg: „Wenn Inklusion funktionieren würde, wären unsere Einrichtungen überflüssig.“ Inklusion, vereinfacht dargestellt: die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen am gesellschaftlichen Leben, funktioniere nicht. Die 43-Jährige gibt sich bestimmt. „Unsere Aufgabe ist, so lange integrative Angebote zu stricken, bis Inklusion tatsächlich funktioniert.“

Gerne nehme sie die Strategie ihres Vorgängers auf, blickt auf den Neubau der Kindertagesstätte „Am Nordsee“, der mit Eröffnung im August jeweils zwei Heilpädagogischen Kindergartengruppen, Sprachheilgruppen und integrativen Gruppen Platz bieten kann. „Ich wäre doch mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn ich die Strategie, die der Vorstand vor zwei Jahren auf den Weg gebracht hat, nicht aufnehmen würde.“ Sie wolle Impulse setzen, um diese Strategie zu beleben. Erste Ansätze sind erkennbar: Margret Herzog etwa, bis dato Leiterin des Fachbereichs der Sulinger Kindertagesstätten, übernimmt zukünftig die Aufgabe der Pflege von Netzwerken. „Und hat auch den Auftrag, genau hinzugucken, wo man auf die Belange der Menschen mit Behinderungen eingeht –und wo nicht; sei es in der Schule, bei Festivals...“ Die Geschäftsführerin will neue Wohnformen etablieren, sich persönlich auch verstärkt um die Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern bemühen; in Zusammenarbeit mit dem Berufsbildungszentrum Dr. Jürgen Ulderup. „Dass man hier so eine Schmiede an Pflegepersonal hat, das ist Gold wert.“

Mitarbeiter seien ohnehin ein wertvolles Gut, das es gelte in die Entwicklung von Strategien einzubinden. „Die Mitarbeiter sind mit ihren Händen an der Basis – und deren Wissen gilt es sich zunutze zu machen.“

Annette Lüneburg ist längst in der Region angekommen. Erste Impulse hat sie gesetzt; weitere werden folgen. - oti

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