Gymnasium verbindet Wettbewerb „Jugend debattiert“ erstmals mit Projektwoche

„Heiße Höschen“ verbieten?

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Trafen in der Finaldebatte im Stadttheater aufeinander: Falk Thannhäuser (9d), Jona Krause (9e), Alexander Päßler (9b) und Joleen Meyer (9c; von links).

Sulingen - Bewaffnet mit Headsets, Kugelschreibern und Mineralwasser besetzen die Kontrahenten das Podium im Stadttheater. Ihre Mitschüler aus den neunten und achten Klassen des Gymnasiums Sulingen verfolgen am Freitagvormittag gespannt die Diskussion um die Frage: „Soll das Tragen von Hotpants und Jogginghosen außerhalb des Sportunterrichts an unserer Schule verboten werden?“ Es ist das Finale des Schulentscheids im bundesweiten Wettbewerb „Jugend debattiert“, den das Gymnasium erstmals mit einer Projektwoche der 141 Schüler der Jahrgangsstufe 9 verbunden hat.

Falk Thannhäuser (9d), Jona Krause (9e), Alexander Päßler (9b) und Joleen Meyer (9c) haben es in die Finaldebatte geschafft und demonstrieren gepflegte „Streitkultur“. Sie sind auf das Thema vorbereitet, argumentieren in freier Rede – vom Blatt dozieren ist tabu. Zeitlimits verhindern, dass die Debatte ausufert: Jeder hat zwei Minuten für sein Eingangsstatement, in der zwölfminütigen freien Aussprache sind die vier reihum dran, dann hat jeder eine Minute für sein „Schlussplädoyer“. Die Argumente der Gegenseite notieren sich die Debattanten, um sie nach Möglichkeit zu entkräften.

„Ein Verbot würde einen Eingriff in das Persönlichkeitsreicht bedeuten“, stellt Joleen fest. Das Hausrecht der Schule sei dem Persönlichkeitsrecht übergeordnet, hält Falk dagegen. Alexander will die von der Pro-Fraktion genannte „aufreizende Wirkung“ von Hotpants so nicht stehen lassen, „sind Leggins da nicht viel schlimmer?“ Im Gegenteil, findet Jona – nicht umsonst bedeute Hotpants im Deutschen „heiße Höschen“, „das ist für Mitschüler und Lehrer eine große Ablenkung.“ Schule bereite auf das Leben vor, „bei einem Bewerbungsgespräch in Jogginghose hat man keine Chance.“ Falk bringt die Religion ins Spiel, gerade jetzt, wo viele Flüchtlinge muslimischen Glaubens ins Land kommen, gelte es, sich anzupassen, Rücksicht zu nehmen. „Wenn die ein freizügig gekleidetes Mädchen als frei verfügbar ansehen, muss man ihnen begreiflich machen, dass es nicht so ist“, kontert Joleen.

„Eine sehr gute Debatte auf hohem Niveau“, lobt Politiklehrer Christian Kramer, der die Projektwoche leitet. Er verkündet die Entscheidung der Jury, der er und seine Kolleginnen Dagmar Gerding und Sylke Wolken sowie Schülerin Sophie Brodt (9a) angehören: Als Sieger wird Jona Krause gekürt, er und die Zweitplatzierte Joleen Meyer treten kommende Woche beim Regionalentscheid in Bruchhausen-Vilsen an, Alexander Päßler (dritter Platz) und Falk Thannhäuser sind dann als Jury-Mitglieder dabei. Die Elftklässler ermittelten am Dienstag und Mittwoch ihre Regionalentscheidsteilnehmer: 1. Yuvina Kostrzewa, 2. Jannina Baumgärtner, 3. Josephine Glander, 4. Klaas Hendrik Schweneker.

Politische und sprachliche Bildung, auch die Persönlichkeits- und Meinungsbildung sollen durch den Wettbewerb unter Schirmherrschaft von Bundespräsident Joachim Gauck gefördert werden – denn Demokratie braucht Bürger, die kritische Fragen stellen, ihre Meinung äußern und sich mit der Meinung anderer fair auseinandersetzen können. In der Projektwoche debattierten die Schüler (erst in Partner-, dann in Gruppenarbeit und schließlich klassenweit) über Themen wie den Flüchtlingszustrom, Autofahren ab 16 oder ob Schüler ihre Lehrer bewerten sollen. „Es hat mich überrascht, wieviel Lust sie auf politische Kontroversen und tagesaktuelle Themen haben“, zieht Christian Kramer ein positives Fazit, „die Schüler haben es durchweg hervorragend gemacht.“

ab

www.jugend-debattiert.de

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