Gymnasiasten berichten von Erfahrungen in ihrem Sozialpraktikum

„Sind offener geworden“

Einen Koffer voller Erinnerungen hat Annina Baumgärtner aus dem „Altrewa Gutshof“, der neuen Einrichtung für demente Menschen in Affinghausen, mitgebracht.
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Einen Koffer voller Erinnerungen hat Annina Baumgärtner aus dem „Altrewa Gutshof“, der neuen Einrichtung für demente Menschen in Affinghausen, mitgebracht.

Sulingen - Rotkäppchen-Sekt, Kölnisch Wasser, ein Geweih – nicht Präsente, sondern Erinnerungen finden sich in dem Koffer, den Annina Baumgärtner am Montag zum Präsentationstag im Gymnasium Sulingen mitgebracht hat:

Die rund 120 Schülerinnen und Schüler der 9. Klassen berichten von den Erfahrungen, die sie im zweiwöchigen Sozialpraktikum gemacht haben – etwa in Seniorenheimen, Kindertagesstätten, Werkstätten für Behinderte, im Krankenhaus. Annina absolvierte ihres im „Altrewa Gutshof“, der neuen Einrichtung für demente Menschen in Affinghausen, wo Souvenirs eine besondere Rolle spielen.

„Das Team bemüht sich darum, bei den Bewohnern Erinnerungen zu wecken“, berichtet die 15-jährige Sulingerin. Gerüche, Lieder, Farben, Speisen – mit Angehörigen und Betreuern wird im Vorfeld ermittelt, was sie mögen. „Und für das Zimmer eines Bewohners, der passionierter Jäger war, wurde dann zum Beispiel ein Hirschgeweih beschafft.“ Hilfen im Alltag zählten zu Anninas Aufgaben, „ich habe unter anderem eine Seniorin gefüttert, die nicht mehr sehen kann. Die Demenzkranken vergessen zwar jedes Mal, wer du bist – mit denen, um die ich mich gekümmert habe, habe ich aber mit der Zeit eine Beziehung aufgebaut.“ Die 15-Jährige spricht von „ganz tollen Erfahrungen. Ich gehe jetzt mit weniger Vorurteilen auf Menschen zu.“

In der integrativen Gruppe des Kindergartens „Löwenzahn“ in ihrem Heimat-ort Schwaförden haben Ina Hibbeler und Annika Wachendorf ihr Sozialpraktikum absolviert. „Am Anfang war es anstrengend, aber je mehr wir uns daran gewöhnt hatten, desto mehr Spaß hat es gemacht“, bilanziert Ina. Die Mädchen sollten sich auch selbst Aktionen überlegen, bastelten zum Beispiel mit den Kindern Sockenpuppen, schminkten sie als Tiger, Vampire, als Batman – „sie kamen dann fast jeden Tag an und wollten das nochmal machen“, freut sich Annika, dass sie den Geschmack der Kleinen getroffen haben. „Wir haben uns im Laufe der Zeit mehr getraut, sind zum Beispiel dazwischen gegangen, wenn es Streit gab. Ich denke, wir sind offener geworden.“

An psychisch erkrankte Menschen und ehemalige Suchtkranke richten sich die Angebote des Vereins „Blau Wahl“ in Sulingen – darüber wollte Yuvina Kostrzewa mehr erfahren. „Ich hatte anfangs Angst, abgewiesen zu werden, weil manche vielleicht gar nicht über ihre Situation sprechen wollen. Aber die Betreuer haben mich sehr gut ins Boot geholt“, berichtet die 15-jährige Affinghäuserin. „Stück für Stück kann man Kontakt aufbauen, wenn man wirklich interessiert ist. So hat mir jemand seine Lebensgeschichte erzählt, und nachdem das Eis gebrochen war, haben wir Schach gespielt.“ Das Sozialpraktikum „hat mir menschlich viel gebracht“, stellt Yuvina fest. „Etwa, dass ich mir nicht so schnell Vorurteile bilde, das passiert ja leicht. Manchmal ist etwas ganz anders, als es von außen aussieht. Und ich habe gelernt, es nicht persönlich zu nehmen, wenn jemand mal einen Tag hat, an dem er nicht gut drauf ist.“ Yuvina kann sich gut vorstellen, später beruflich mit psychisch kranken Menschen zu arbeiten – „das oder ein Fremdsprachenstudium. Es wäre schön, wenn ich bei einem Freiwilligen Sozialen Jahr, vielleicht in Amerika, beides verbinden könnte.“

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