Gesetzliche Sperrfrist endet morgen

Gülle-Saison liegt vorerst auf Eis

Sulingen - Von Anke SeidelRechtlich gesehen darf Gülle ab morgen wieder auf die Felder. Aber der Start der Saison liegt auf Eis, bis der Boden frostfrei ist.

Landwirte sprechen ungern von Saison – nicht zuletzt, weil auf Antrag Ausnahmegenehmigungen von der Sperrfrist möglich sind. Unabhängig davon haben Kreispolitiker die Gülle kritisch im Blick, weil aus dem Westen, sprich aus Holland und aus den Kreisen Cloppenburg und Vechta, eine Güllewelle droht (wir berichteten). Ist sie womöglich längst in den Landkreis Diep holz geschwappt?

Nein, sagen Fachleute aus der Landwirtschaft. Henrich Meyer zu Vilsendorf (Leiter der Landwirtschaftskammer-Bezirksstelle Nienburg) verweist auf die Meldepflicht für Gülletransporte und auf den Nährstoffbericht der Landwirtschaftskammer Niedersachsen.

Auszüge daraus sind im aktuellen Heft „Landwirtschaft in der Region Diep holz/Nienburg“ nachzulesen, das Interessierte auf Papier oder als pdf-Datei (Tel. 04271/945 200, E-Mail: Jutta.Harms@LWK-Niedersachsen.de) erhalten können. Daraus geht hervor, dass in Niedersachsen 10 388 „Abgeber“ Wirtschaftsdünger über 112 000 Einzelmeldungen an 17 878 Betriebe abgegeben haben – Gärreste inklusive, denn längst entsteht aus Gülle in Biogas-Anlagen Energie.

Auf den Landkreis Diep holz bezogene Zahlen liegen dazu nicht vor – wohl aber zur Nährstoffbilanz: Die aufgebrachte Gülle liefert mit 78 Kilogramm Stickstoff pro Hektar „etwas mehr als die Hälfte“ des benötigten Stickstoffs, so Meyer zu Vilsendorf. Von Überdüngung könne also nicht die Rede sein. Beim Phosphor sei das Verhältnis mit 66 Kilo pro Hektar in etwa ausgeglichen. „Wir halten die Waage“, erklärt Kreislandwirt Wilken Hartje.

Das sind die offiziellen Zahlen – aber ist illegale Gülle auf den Feldern wirklich auszuschließen? „Es gibt leider immer mal schwarze Schafe“, antwortet Meyer zu Vilsendorf – und ermutigt Bürger, begründete Verdachtsmomente durchaus zu melden: „Im Interesse ordentlich wirtschaftender Betriebe.“

Denn alle müssen ihre Gülle-Bilanz sorgfältig dokumentieren. Wie Gert Lüschow zum Beispiel, Landwirt und Vorsitzender der Landberatung. Die Daten muss er gleich dreimal erheben – einmal für seinen Betrieb, zum zweiten für die Landwirtschaftskammer und zum dritten für den Landkreis. „Ich würde mir wünschen, dass ich das Ganze nur noch zu einer Stelle schicken müsste“, sagt er. Auf Landesebene werde an der Zusammenführung der Daten gearbeitet, so Meyer zu Vilsendorf.

Unabhängig davon warten die Landwirte auf Tauwetter, um ihren Wirtschaftsdünger ausbringen zu können. Wenn noch vier Wochen Frost herrsche, „könnte es für einige Betriebe eng werden“, blickt Wilken Hartje auf Lagerkapazitäten. Die meisten Landwirte hätten Raum für sechs Monate, weiß Rudolf Fuchs, Leiter der Landwirtschaftskammer-Außenstelle Sulingen. „Aber wenn jemand in Not kommt, gibt es andere Landwirte, die helfen.“

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