Trio „Flow Job“ füllt Scheune des „KunstHofs Bockhorn“ mit selten gehörten Klängen

Glücksgefühl bei der Arbeit

85 Gäste, teils aus Bremen, Hamburg und Berlin angereist, lauschten dem Konzert in der Scheune des „KunstHofes“. - Fotos: mks

Sulingen - Von Martina Kurth-Schumacher. Klassik? Jazz? Zeitgenössische Musik? Der „Flow Zirkus“ der Gruppe „Flow Job“ will in keine Schublade passen. Das Trio um den Akkordeonisten Florian Oberlechner hat eine ureigenen Ausdrucksform gefunden, die sich keiner Musikrichtung zuordnen lässt. Am Samstag füllte die Band die stilvoll geschmückte und beleuchtete Scheune des „KunstHofs Bockhorn“ mit voluminösen, selten gehörten Klängen.

Bernd Neumann begrüßte an dem „herbstlichen Hochsommerabend“ 85 Gäste, die zum Teil aus Bremen, Hamburg und Berlin zu einem der 42 „besonderen Musikerlebnisse“ des „GartenKultur-Musikfestivals“ angereist waren. Wie in den Vorjahren ist der „KunstHof südlichster Veranstaltungsort der vom Kommunalverbund Niedersachsen/Bremen initiierten Aktion. Mit Akkordeon verbinde man spontan „Heidi und Heimatmusik“, sagte Neumann. Die Gäste konnten sich schon bei dem ersten Stück überzeugen, dass die Musikgruppe davon weit entfernt ist.

Passend zum Wetter bestritt Florian Oberlechner den Auftakt mit dem Stück „Winter“ aus dem Jahreszeiten-Zyklus des argentinischen Komponisten Astor Pantaleón Piazzolla: „Er hat sich von der Volksmusik inspirieren lassen“, sagte Oberlechner. Piazzolla gilt als Begründer des Tango Nuevo. Mit den Kompositionen „Berit Waltz“ und „Blues sur Seine“ des zeitgenössischen französischen Jazzmusikers Richard Galliano stellte sich die Band in ihrer Gesamtheit vor. In der Besetzung Florian Oberlechner (Akkordeon, Gesang), Ole Tholen (Saxophon, Keyboard, Gesang) und Mathias Büsseler (Schlagzeug, Gesang) feierte sie in Bockhorn Bühnenpremiere.

Gerade vor diesem Hintergrund war das harmonische Zusammenspiel beeindruckend. Die Musiker waren in stetem Blickkontakt und stimmten die dynamischen Vorgaben und anspruchsvollen Taktwechsel minutiös ab. Ein Meisterwerk aus der Feder von Florian Oberlechner (geboren 1978 in Innsbruck) war etwa die „Solidarity Hymn“, eine rhythmisch-rockige Vertonung von Liedtexten aus dem Roman „Brave New World“ von Aldous Huxley. Oberlechner, ein gefragter Konzertmusiker und Theaterkomponist, zeigte im Laufe des Programms seine Vielseitigkeit: In seinen Herz-Schmerz-Songs „Übers Meer“, gewidmet einer „holden Dame“, die aus Deutschland ausgewandert ist, schipperte das Publikum mit der Band im Viervierteltakt über den Ozean oder im „Sturm“ wortlos dem Untergang entgegen.

„Flow bezeichnet den Schaffensrausch im Zustand zwischen Über- und Unterforderung, der Job ist eine erfolgsorientierte Tätigkeit“, erklärte Oberlechner die Herkunft des Bandnamens, dessen Doppeldeutigkeit auf der Hand liege, aber eigentlich unerheblich sei. An dem Glücksgefühl, das die Musiker bei der Arbeit verspüren, ließen sie auch das Publikum teilhaben. Die Zuhörer entließen das Trio nicht ohne zwei Zugaben in den Feierabend.

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