Junge Polinnen absolvieren Freiwilligendienst bei der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz

Ein „Glücksfall hoch drei“

Margarete Windhorst, Leitung der Paul-Moor-Schule der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz in Sulingen, spricht von einem „Glücksfall“: Alexandra Lazny (24), Ewelina Grabowska (25) und Katarzyna Zabraniak (24) absolvieren noch bis Ende Juli in Sulingen ihren Freiwilligendienst.

Sulingen - Margarete Windhorst, Leitung der Paul-Moor-Schule der Lebenshilfe Grafschaft Diepholz in Sulingen, spricht von einem „Glücksfall“. Angelika Meyer, Leiterin der Kindertagesstätte „Am Nordsee“, nickt. Alexandra Lazny (24), Ewelina Grabowska (25) und Katarzyna Zabraniak (24) absolvieren seit dem 1. September vergangenen Jahres und noch bis zum 31. Juli ihren Freiwilligendienst bei der Lebenshilfe in Sulingen; in der Paul-Moor-Schule und in den Kindertagesstätten „Am Nordsee“ beziehungweise „Lindenblüte“. Die Besonderheit: Alle drei kommen aus Polen.

Alexandra Lazny stammt aus Warschau, Ewelina Grabowska aus Radom, einer kreisfreien Großstadt 100 Kilometer südlich der polnischen Landeshauptstadt, und Katarzyna Zabraniak aus Belachtow, einer 60 000-Seelen-Gemeinde in der Region Lodz. Kennengelernt haben sich die drei jungen Frauen während des Germanistik-Studiums in Warschau. Auf der Suche nach einer Tätigkeit in Deutschland, um ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, waren sie auf die Lebenshilfe Grafschaft Diepholz aufmerksam geworden. „Über Facebook“, erklärt Alexandra Lazny in fließendem Deutsch. Vermittelt worden waren sie über den Internationalen Jugendgemeinschaftsdienst (IJGD) in Hildesheim, einem Partner des „Paritätischen“, dem auch die Lebenshilfe Grafschaft Diepholz angehört.

Im April vergangenen Jahres hospitierten die drei angehenden Lehrerinnen in Sulingen – und waren sich auch schnell einig, das Angebot des Freiwillgendienstes anzunehmen.

Alexandra Lazny: „Am Anfang war der Umgang mit den Menschen mit Behinderungen schon ungewohnt – und auch schwierig.“ Katarzyna Zabraniak hatte zunächst in der Paul-Moor-Schule hospitiert – und war dann auf eigenen Wunsch in die Kindertagesstätte „Am Nordsee“ gewechselt. „Da habe ich schnell entschieden: Das ist mein Platz. Heute läuft alles perfekt.“ Ewelina Grabowska: „Inzwischen klappt das gut.“ Und weiter: „Wichtig war uns, dass wir etwas mit Kindern machen können und dass wir zusammenbleiben.“ Dass die örtliche Lebenshilfe Absolventen des Freiwilligendienstes bei Bedarf auch Wohnraum zur Verfügung stellt, habe die Entscheidung vereinfacht.

Der Lebenshilfe vergleichbare Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen in Polen seien den drei Absolventinnen des FSJ (Freiwilliges Soziales Jahr) nicht bekannt. „Man geht bei uns nicht so offen mit Menschen mit Behinderungen um, wie hier“, erklärt Katarzyna Zabraniak.

"Hier nehmen Behinderte am Leben teil"

Für die drei jungen Polinnen ist Deutschland in puncto Inklusion ihrem Heimatland viele Schritte voraus: „Hier trifft man Menschen mit Behinderungen in der Stadt, treibt zusammen mit ihnen Sport. Das gibt es bei uns nicht“, sagt Alexandra Lazny. Ewelina Grabowska: „Bei uns sind die Menschen eher in Zentren – und da unter sich untergebracht. Hier nehmen Behinderte am Leben teil.“ Katarzyna Zabraniak: „Etwa beim Handball, das ist total krass.“ Katarzyna Zabraniak und Alexandra Lazny sind Stammgäste der Inklusionsgruppe der Abteilung Handball des TuS Sulingen.

Margarete Windhorst und Angelika Meyer bedauern, dass die Polinnen Sulingen Ende Juli verlassen werden; nicht zuletzt wegen des Fachkräftemangels, der auch vor sozialen Einrichtungen nicht halt macht. „Wir wollen in Polen leben“, sagen die drei Frauen unisono; auch wenn es aktuell schwer sei, in ihrem Heimatland eine Anstellung als Deutschlehrer zu finden. Alexandra Lazny: „Wir haben erst überlegt, in Deutschland zu bleiben.“ Ewelina Grabowska: „Wenn überhaupt, dann aber in einer größeren Stadt.“

Soziale Kontakte haben Alexandra Lazny, Ewelina Grabowska und Katarzyna Zabraniak in den vergangenen neun Monaten außerhalb der Lebenshilfe weniger geknüpft. Angelika Meyer: „Das sollte man für zukünftige Vorhaben im Blick behalten; vielleicht den Freiwilligen auch Paten zur Verfügung stellen.“ Optimierungsbedarf sehen die drei jungen Frauen im Öffentlichen Personennahverkehr: „Wenn man kein Auto hat und irgendwo hinreisen möchte, ist das hier in Sulingen nicht einfach.“

Alles in allem hätten sie in Deutschland Erfahrungen gesammelt, die sich nicht missen wollen. Katarzyna Zabraniak: „Wir haben viel gelernt, sind auch viel selbstständiger geworden. Wir werden versuchen, mit der Lebenshilfe in Kontakt zu bleiben.“ 

oti

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