Eine Erfolgsgeschichte ist der internationale Frauentreff in Sulingen

Geschützter Raum für Gespräche

Das Treffen bietet einen geschützten Raum für die Frauen und ihre Kinder. Foto: S. Wendt

Sulingen – Von außen betrachtet ist es ein Frühstückstreffen für Frauen. Wer am Tisch sitzt, denkt das aber auch. Kinder, Küche, Alltag? Mitnichten. Denn der Alltag ist für die Frauen ohne Routine. Er ist gefüllt mit Sorgen, Nöten, Problemen, Angst. Das Treffen bietet einen geschützten Rahmen, um ganz intime Probleme mit einer Hebamme zu besprechen. Oder Rezepte. Oder den Weg durch den bürokratischen Hindernisparcours.

Mitte Februar startete der internationale Frauentreff im Taff in Sulingen, zwischenzeitlich ist er umgezogen in das Jugendzentrum an der Galtener Straße. Ann-Christin Leymann (Diakonisches Werk Diepholz-Syke-Hoya), Yvonne Freitag (Flüchtlingsberatung Taff / Bethel im Norden), Yvonne Rademacher (Flüchtlingskoordinatorin der Samtgemeinde Schwaförden) und Hebamme Jutta Müßener bilden das Team, das sich mit den zwischen zehn und 30 Teilnehmerinnen zusammensetzt, in Gruppen- und Einzelgesprächen Probleme, Sorgen und Nöte der Teilnehmerinnen erörtert. Manche Themen seien nicht für ein Gruppengespräch geeignet, aber in Einzelgesprächen würden sich die Frauen öffnen. Unterstützt werden die Organisatorinnen derzeit durch Praktikantin Doreen Hodde. Nuhad Jaber leiste unschätzbare Arbeit: Ihre Familie stamme gebürtig aus dem Libanon, ist seit Jahrzehnten bereits in Deutschland integriert – und ihre Sprachkenntnisse des Arabischen bedeuten eine wertvolle Übersetzungshilfe. Außerdem kümmert sich Nuhad Jaber um die Kinder. Das gibt den Müttern Zeit für wichtige persönliche Gespräche, ohne gleichzeitig auf die Kinder aufpassen zu müssen. „Der geschützte Rahmen bedeutet für die Frauen eine Sicherheit, sich öffnen zu können. Die Frauen kommen nur, wenn sie sich wahrgenommen fühlen“, erklärt Rademacher. Sie kämen ohne Ansprüche und Forderungen, einfach zum Austausch. Ohne Druck. Nach einem Jahr nun das Fazit des Organisationsteams: „Wir haben Vertrauen schaffen können, wir haben Vorbehalte abgebaut.“ Es wurde ein Netzwerk an Kontakten aufgebaut, der Treff versteht sich als Ergänzung zu anderen Einrichtungen und Anbietern.

Die Frauen kommen aus der Stadt Sulingen sowie den Samtgemeinden Schwaförden, Siedenburg und Kirchdorf. Die Landeskirche zahlte die Anschubfinanzierung, um die Kosten (im Wesentlichen die Fahrkarten) aufzufangen. Die Finanzierung läuft nun aus. Die Stunden, mit denen Rademacher freigestellt ist für das Treffen, entfallen künftig, Leymann stehen ebenfalls weniger Stunden zur Verfügung.

Ann-Christin Leymann versucht derzeit, neue Mittel einzuwerben, damit das Erfolgsprojekt weiter bestehen kann. Warum es so erfolgreich ist, erklärt Yvonne Rademacher, seit vier Jahren in der Flüchtlingsarbeit aktiv: „Dies ist das erste Projekt, das so niederschwellig ist.“ Das mache es erfolgreich und daher wertvoll. Die Teilnehmerinnen vertrauen sich, grüßen sich, wenn sie sich auf der Straße treffen – angesichts der politischen Verstrickungen ihrer Herkunftsländer und Religionen keine Selbstverständlichkeit. Über das Treffen hinaus gibt es zusätzliche Infos für die Frauen, etwa über Deutschkurse.

Durch den Wechsel in der Leitungsgruppe werden neue Helferinnen gesucht, die sich einbringen möchten in dem wöchentlichen Treffen. Es wird auf finanzielle Unterstützung gehofft durch die Landeskirche (und damit die örtlichen Kirchengemeinden). Wunsch ist, das gelungene Integrationsprojekt langfristig zu sichern.

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