„So nah wie möglich am ersten Arbeitsmarkt“

Gabelstaplerführerschein: Gefühl für Hebel und Schalter

Matthias Orf hat nach vielen Übungen ein sicheres Gefühl, wenn er den Gabelstapler bedient und wie hier im Trainingsparcours einige Paletten auf eine Gitterbox passgenau absetzen muss.
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Matthias Orf hat nach vielen Übungen ein sicheres Gefühl, wenn er den Gabelstapler bedient und wie hier im Trainingsparcours einige Paletten auf eine Gitterbox passgenau absetzen muss.

Sulingen – Ganz eng und vorsichtig am Pylon vorbeifahren, die Paletten mit der Gabel aufnehmen, den Rückwärtsgang einlegen, nach kurzer Fahrt wieder in den Vorwärtsgang schalten, um die Paletten dann passgenau auf eine Gitterbox zu stellen. Dies beschreibt nur eine von vielen Übungen, die die Beschäftigten von Pro-Werk Arbeit & Integration beim praktischen Teil zum Gabelstaplerschein auf dem Betriebsgelände an der Hans-Hermann-Meyer-Straße in Sulingen absolvieren mussten, um am Ende ihre Prüfung zu bestehen.

Rainer Bremer, gelernter Industriemeister in der Lagerwirtschaft und bei der Werkstatt für Menschen mit Behinderungen (WfbM) des Unternehmensbereiches Bethel im Norden verantwortlicher Ausbilder, bringt viele Erfahrung mit, wenn es um den Gabelstaplerschein geht: „Die unterschiedlichen Stapler haben unglaublich viel Kraft und können durchaus beträchtliche Schäden anrichten. Es ist wichtig, dass wir vorsichtig beginnen und es für alle Teilnehmer eine gründliche Einweisung gibt.“

Bevor die Beschäftigten der WfbM aber überhaupt auf dem Gabelstapler selbst sitzen dürfen, müssen sie vorab den theoretischen Teil der Prüfung bestehen.

Für den 63-jährigen Matthias Orf als einer von fünf Teilnehmern gibt es bei diesem Lehrgang einen ganz wichtigen Aspekt: „Schon bei diesem Ausbildungsteil bekommt man ein erstes Gefühl für den Stapler und kann viel Wissen mitnehmen.“

Es werden an drei Tagen Filme gezeigt, grundsätzliche Dinge angesprochen und wichtige Fragen geklärt, sodass die Teilnehmer ebenso gut auf den praktischen Teil vorbereitet werden.

Was sich in der Theorie oft einfach anhört, stellt sich in der Praxis nicht immer so einfach dar. „Eine große Rolle spielt die Koordination und die anschließende Fahrpraxis, die einem immer mehr Sicherheit gibt“, beschreibt Rainer Bremer den Ablauf. Erst wenn die Teilnehmer das notwendige Gefühl für alle Hebel und Schalter entwickelt hätten, stünde die praktische Prüfung an.

Ausbilder Rainer Bremer erklärt Matthias Orf (im Gabelstapler) die nächste Aufgabe.

Und wie erfolgreich dieser überlegte Ablauf ist, zeigt das Ergebnis – alle fünf Teilnehmer haben die theoretische und praktische Prüfung gleich im ersten Anlauf bestanden.

Für Ralf Kleffmann, Leiter der WfbM, ist dies ein tolles Ergebnis und ein ganz wichtiger Aspekt in der täglichen Arbeit vor Ort in den drei Betriebsstätten in Diepholz, Freistatt und Sulingen. „Wir wollen unsere Beschäftigten begleiten und unterstützen, sodass sie nach und nach entsprechende Qualifikationen erhalten, sich wieder an den ersten Arbeitsmarkt herantasten und damit für sich berufliche Perspektiven entwickeln können.“

Diese beruflichen Aussichten ergeben sich durch die Arbeit in der Werkstatt selbst, in der regelmäßig mit dem Gabelstapler Paletten hin und her gefahren und Fahrzeuge beladen werden, oder in externen Betrieben, in denen die Beschäftigten regelmäßig Praktika machen.

Was einigen Teilnehmern jetzt noch fehle, sei der Führerschein Klasse L, damit sie nicht nur auf dem eingezäunten Betriebsgelände, sondern auch auf öffentlichen Straßen mit dem Gabelstapler fahren dürfen. „Diese Prüfung bereiten wir gerade vor und sind uns sicher, dass auch dieser Baustein genauso erfolgreich absolviert werden kann“, ist sich Ralf Kleffmann sicher.   r./sis

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