Flüchtlingsinitiative und Stadtverwaltung helfen weiter

Geflüchtete in Sulingen zeigen hohe Impfbereitschaft

Zwei Menschen sprechen in einem Büro miteinander.
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Regelmäßig tauschen sich Dr. Ernst Funck und Astrid Ellmers über die betreuten Menschen aus.

Sulingen – Breiten Raum in der Wahrnehmung nehmen aktuell Menschen ein, die sich – aus mehr oder minder nachvollziehbaren Gründen – bislang nicht gegen Corona haben impfen lassen. Tatsächlich sind sie jedoch in der Minderheit, denn laut Robert-Koch-Institut sind, Stand 22. Dezember 2021, bereits 70,5 Prozent der Menschen in Deutschland vollständig geimpft. Zur impfwilligen Mehrheit zählen auch die in Sulingen lebenden Geflüchteten – sehr zur Freude von Flüchtlingsinitiative Sulingen und der Stadtverwaltung.

Anfangs habe es bei vielen tatsächlich eine große Impfskepsis gegeben, berichtet Astrid Ellmers, aber Dr. Ernst Funck als Mediziner und stellvertretender Sprecher der Flüchtlingsinitiative habe viel Aufklärungsbedarf geleistet. „Jetzt haben wir eine hohe Impfbereitschaft, das ist sehr positiv.“

Insgesamt habe sich die Art der Unterstützung gewandelt im Vergleich zu den Anfängen. Geblieben sei aber der Bedarf an Unterstützung bei behördlichen Vorgängen: „Die deutsche Bürokratie überfordert manche“, räumt Astrid Ellmers ein, „das bleibt auch nach fünf, sechs Jahren noch eine Daueraufgabe.“ Bereits 2015 habe ihr ein syrischer Flüchtling gesagt: „Jeder Flüchtling braucht einen Deutschen an seiner Seite, anders geht es nicht.“

Ehemalige Flüchtlinge helfen mit in Flüchtlingsinitiative

Diese Aufgabe übernähmen jetzt allerdings teilweise auch schon Menschen, die zuvor selbst von der Flüchtlingsinitiative unterstützt wurden, etwa beim Übersetzen von Dokumenten oder beim Kontakt zu Behörden, berichtet sie: „Jetzt ist es so, dass Flüchtlinge Flüchtlingen helfen, das ist sehr positiv.“

Unterstützt würden auf diese Weise vor allem die 20 Menschen aus dem Irak, aus Syrien und von der Elfenbeinküste, die seit September der Stadt Sulingen zugewiesen worden seien. Diesmal seien es weniger Einzelpersonen, sondern vor allem Familien mit Kindern: „Das ist eine Herausforderung für Schulen und Kindergärten.“ Bei den übrigen Zuweisungen handele es sich teils um Familienzusammenführungen, bei denen beispielsweise auf der Flucht getrennte Geschwister wieder zusammen kämen, oder um sogenannte Umverteilungen, bei denen Menschen, die zunächst einer anderen Kommune zugewiesen worden seien, aufgrund von persönlichen Verbindungen nach Sulingen wollten. Nach dem derzeitigen Stand müsse die Stadt noch weitere 13 Menschen aufnehmen, aber es sei noch nicht klar, ob sie noch im Dezember oder erst im Januar kämen, das werde nur kurzfristig mitgeteilt.

Weitere Helfer werden gesucht

Wegen der Familien mit zusammen sieben Kindern gebe es nun auch einen Bedarf an Fahrrädern für Kinder und Jugendliche, so Astrid Ellmers. Wer ein Fahrrad abzugeben habe, könne sich bei Christa Schlüterbusch, der Betreuerin des Möbellagers, melden (Tel. 0 42 71 / 17 34). Außerdem fehle der Initiative auch noch ein ehrenamtlicher Helfer, der die Räder vor der Ausgabe einmal durchsehe, ergänzt Ernst Funck.

Benötigt werden darüber hinaus noch weitere Hilfsbereite, vor allem Menschen, die bereit sind, ewta am Wochenende Nachhilfe zu geben – sowohl für Kinder als auch für junge Menschen in der Berufsausbildung. Lehrkräfte im Ruhestand wären schön, so der stellvertretende Sprecher, aber auch Menschen aus der Fachpraxis. Vielfach hätten die jungen Menschen keine Schwierigkeiten mit dem praktischen Anteil der Ausbildung, aber mit der Theorie. „Eine drohende Abschiebung hängt wie ein Damoklesschwert über ihnen“, weiß Ernst Funck, „und die Menschen stecken oft in der Zwickmühle, weil sie Dokumente wie Geburtsurkunden aus ihrer Heimat benötigen, die sie aber kaum beschaffen können.“ Da falle es schwer, sich auf den Stoff zu konzentrieren. Von den gut 20 Unternehmen im Sulinger Land, bei denen Flüchtlinge beschäftigt sind, sei dagegen oft zu hören, dass sie die Menschen auch übernehmen, wenn sie die Prüfung nicht bestehen.

Breites Netzwerk hilft den Menschen

Weiterhin erwünscht: handwerklich geschickte Helfer für das Möbellager sowie Ehrenamtliche, die Fahrten zu Fachärzten unternehmen. Die Fahrtkosten dafür könne die Initiative aus den Spenden bestreiten, erläutert Astrid Ellmers. „Wir haben ganz treue Unterstützer“, freut sie sich. Manche würden regelmäßig Geld spenden, andere stellte ihre Zeit zur Verfügung oder strickten Socken.

Die Initiative freue sich auch, dass die Tagesstätte „Taff“ von Bethel im Norden mit Silke Müller und Frank Wenker als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, und auch mit der Ausländerbehörde und Rahmi Tuncer von Pro Asyl gebe es eine gute Zusammenarbeit. „Wir sind froh über unser Netzwerk“, betont Astrid Ellmers, „denn Integration braucht Jahre, und für ein friedliches Zusammenleben ist jeder gefordert.“

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