Personalmangel großes Problem

Gastronomie weiterhin stark unter Druck: „Das sind alles Kämpfer“

Christian Detert steht mit seiner Frau Nicole Urban vor einer Backsteinwand mit dem Schriftzug „Hausgemacht“.
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Hausgemacht-Chef Christian Detert mit seiner Frau Nicole Urban.

Landkreis Diepholz – Seit einigen Wochen haben im Landkreis Diepholz die Restaurants, Cafés und Bistros wieder geöffnet. Doch manche Türen blieben zu – einige für immer, manche nur bis auf Weiteres. „Geschäftsaufgabe“ ist an den Türen zu lesen, oder aber: „Geschlossen wegen Personalmangel“. Auch dem Restaurant Hausgemacht in Sulingen sind während der Pandemie Mitarbeiter abgesprungen. Der Chef sagt aber: „Da habe ich vollstes Verständnis für.“

Wer ein Jahr in Kurzarbeit ist, der schaue sich natürlich nach einer Stelle mit sichererem Gehalt um, ist Christian Detert überzeugt. Er leitet neben dem Sulinger Hausgemacht auch das Restaurant Witten Deel in Wehrbleck und die Alte Feuerwache in Achim. Alle drei Läden hatten zuletzt mit Personalmangel zu kämpfen.

Von Mai bis Oktober konnte Detert seinen Mitarbeitern noch volles Gehalt zahlen. Als dann im November jedoch der erneute Lockdown kam, sei die Kurzarbeit unvermeidbar gewesen.

Dass er bis vor Kurzem noch einen neuen Restaurantleiter beziehungsweise einen Küchenchef suchen musste, liege laut Detert grundsätzlich nicht an einer schlechten Bezahlung. „Wir bezahlen an jeder Stelle übertariflich“, betont er. Seine Küchenchefs würden in normalen Jahren sehr gut verdienen, die Azubis das Gehalt eines Sparkassen-Lehrlings erhalten.

Gegen Corona geholfen hat das jedoch nicht. Detert ärgert sich inzwischen über die Politik der vergangenen Monate und das Image, das seiner Branche verpasst worden sei: Wer in ein Restaurant gehe, der falle gleich tot um. Das sei schwer wieder zu korrigieren. Die Politik, so Detert, sollte nun eigentlich Kampagnen starten, die aufmuntern: „Geht wieder raus!“ Stattdessen passiere jedoch wenig. Der Sulinger Gastronom sagt: „Man hat uns nicht nur ein Messer in den Rücken gerammt, sondern gleich drei oder vier.“

Ein paar Meter neben dem Hausgemacht ist das Hotel zur Börse. Dort sei man derweil relativ glimpflich durch die Krise gekommen, so Mitinhaberin Claudia Kenneweg. Alle Mitarbeiter, bis auf eine Reinigungskraft, seien an Bord geblieben. Das habe auch daran gelegen, dass das Hotel gleich zu Beginn das Wohlergehen der Mitarbeiter in den Vordergrund gestellt habe, so Kenneweg. „Wir haben uns direkt hinter die Mitarbeiter gestellt“, erklärt sie.

Mittlerweile laufe der Betrieb wieder richtig gut. Da seien sie aber eher die Ausnahme. „Die anderen haben echt Probleme“, so Kenneweg. „Die suchen, suchen und suchen nach Mitarbeitern.“

Dieses Bild bestätigt auch Andree Meyer vom Dehoga-Kreisverband Grafschaft Hoya. „Personaltechnisch haben wir schon Probleme“, erklärt er. Viele Mitarbeiter seien abgesprungen, Studentische Hilfskräfte seien mit dem Studium durch, die Gastro-Ausbildung sei durch Corona ins Stocken geraten. „Die Restaurantgastronomie befindet sich noch nicht wieder auf dem Normalniveau“, konstatiert er. Eine Entspannung der Lage? „Das wird noch länger dauern.“

Auch Wilhelm Nordloh vom Dehoga-Kreisverband Diepholz-Sulingen hat festgestellt: „Die Innengastronomie wird noch nicht so richtig angenommen.“ Zwar gebe es vereinzelt schon wieder Buchungen für kleine Familienfeiern, aber das müsse sich noch einpendeln.

Klar ist indes: Wer als Gastronomiebetrieb seine Türen wieder aufmachen kann, der darf sich glücklich schätzen. „Das sind alles Kämpfer“, betont Christian Detert. Ob Sternerestaurant oder Currywurstbude: Die Gastronomie habe Unvorstellbares durchgemacht. Jede andere Branche hätte nach der Hälfte der Zeit kapituliert, ist er sich sicher. Im Grunde habe jeder Gastronom ein Bundesverdienstkreuz verdient, so sehr hätten er und seine Berufskollegen zuletzt zurückstecken müssen. Doch jetzt stehen alle Zeichen wieder auf Öffnung und es gibt eine kleine Perspektive. Deterts Hausgemacht will am 1. September mit neuem kulinarischen Konzept wieder öffnen. „Eine Wiedereröffnung braucht Zeit und Anlauf.“

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