Immobilie steht zum Verkauf

Landhaus Nordloh: Gastro-Historie endet in vierter Generation

Landhaus Nordloh
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Das Landhaus Nordloh in Sulingen ist seit September geschlossen.

Sulingen – Das Landhaus Nordloh an der Bassumer Straße in Sulingen ist seit September geschlossen – und mittlerweile steht fest, dass Ursel und Wilhelm Nordloh, die Inhaber des Betriebs, das Restaurant auch nicht wieder öffnen werden.

„Wir hatten schon seit Jahren vor, einen Schlussstrich zu ziehen“, sagt Wilhelm Nordloh. Beim ersten Lockdown im November 2020 habe man noch abgewartet, wie es sich weiter entwickelt. Im im Verlauf des vergangenen Jahres sei der Entschluss gereift, das Restaurant aus Altersgründen nicht länger zu betreiben.

Damit endet eine mehr als 145 Jahre währende Unternehmensgeschichte: Das an der Bundesstraße 61 gelegene Gebäude errichtete Friedrich Nordloh im Jahr 1875, und für sein Haus erhielt er die Erlaubnis, darin eine Gast- und Schankwirtschaft zu betreiben – allerdings: Das Ausschenken von Branntwein war ihm untersagt, da von den Behörden dafür in diesem Gebiet kein Bedarf gesehen wurde, wie Wilhelm Nordloh aus der Chronik berichtet.

Historische Ansicht des Gebäudes.

Später folgte diese Erlaubnis doch noch, und so entwickelte sich ein reger Betrieb. In den vierziger und fünfziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts seien die Tanzsonntage ein Treffpunkt für viele Sulinger gewesen, erinnert sich Wilhelm Nordloh, und dabei habe sein Vater Klavier gespielt. Nach dessen frühem Tod 1961 hätten seine Mutter und seine Tante die Gastwirtschaft neben der Landwirtschaft weitergeführt.

Im Jahr 1978 habe er, zusammen mit Ehefrau Ursel, den Betrieb in vierter Generation übernommen. Daran schlossen sich umfangreiche Umbauten an, inklusive der Erweiterung um einen Biergarten.

Wilhelm und Ursel Nordloh.

Das Landhaus Nordloh ist für viele Vereine Stammlokal gewesen. Bis 1967 habe es auf dem heute vom Kutscher Klub genutzten Gelände gegenüber ein Reitturnier gegeben, dem sich ein Reiterball in der Gastwirtschaft anschloss, aber auch die Feuerwehr- und Tennisbälle seien sehr beliebt gewesen – „und die Silvesterbälle waren legendär“, sagt Ursel Nordloh. Großen Anteil am Geschäft hätten auch immer die Familienfeiern gehabt, für die das Landhaus Nordloh über Jahrzehnte eine gute Adresse gewesen sei. Das habe aber, gerade unter Corona, stark nachgelassen: „Die Gastronomie wird immer als Erstes geschlossen“, moniert Ursel Nordloh, „die Gäste sind verunsichert, und es wird nicht mehr gefeiert.“

Vermissen würden beide nun vor allem die Gäste: „Das war immer nett“, betont Ursel Nordloh, „im Laufe der Zeit entstanden durch die vielen Stammgäste wahre Freundschaften.“ Unter den Gästen seien auch prominentere Namen gewesen, erinnert sich Wilhelm Nordloh, darunter beispielsweise Rudi Carrell, Profifußballer von Werder Bremen oder das Popduo „Ich + Ich“.

Keine Nachfolge in Sicht

Es habe viel Arbeit gegeben und kein Feiertag sei frei gewesen. Aber: „Der Spaß kam auch nicht zu kurz“, versichert Ursel Nordloh. „Zu schaffen war das alles nur, weil ein gutes Mitarbeiterteam am Start war.“ Dem gelte ebenso Dank wie den Gästen für ihre Treue.

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Eine Nachfolge sei nicht in Sicht, weil sich Tochter Sandra beruflich anders orientiert habe. Weil sie mit ihrer Familie in Sulingen lebt, komme keine Langeweile auf: „Der kleine Enkel hält uns beide auf Trab.“ Ansonsten plant das Paar zu reisen, „sobald das wieder einfacher wird.“

Immobilie soll verkauft werden

Was künftig aus dem Landhaus Nordloh wird, ist noch offen: „Wir planen, das Objekt zu verkaufen.“ Der Weiterbetrieb als Restaurant sei möglich, aber vorstellen könnten sich beide auch eine Nutzung mit Pferden für das ehemals landwirtschaftliche Anwesen.

Auf ihre Zeit in der Gastronomie blicken beide nun ohne Wehmut zurück: „Wir sagen Danke für die schöne Zeit.“

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