Kabarett-Abend mit Uli Masuth in Sulingen und die großen Menschheitsfragen

Fundiert, unaufgeregt, authentisch

Uli Masuth nimmt die Absurditäten des Lebens mit tiefgründigem Humor auf die Schippe. Foto: mks

Sulingen - Von Martina Kurth-schumacher . Uli Masuth, spätberufener Ossi mit westdeutschem Migrationshintergrund, ist katholisch, Kirchenmusiker, verheirateter Familienvater. „Wer gekommen ist, um Skandälchen aus meinem Privatleben zu hören, ist hier falsch“, offenbarte er den 90 Besuchern, die sich am Freitag zu seinem Kabarett-Abend in der Alten Bürgermeisterei eingefunden hatten.

Sein Programm „Mein Leben als ICH“ ranke sich um die großen Menschheitsfragen: „Um das Leben und den Sinn des Lebens. Und darum, welche Rolle ich darin spiele. Eine Hauptrolle? Eine Nebenrolle? Oder gar keine!“ Masuth kam vom Hölzchen zum Stöckchen: von der kompliziert gewordenen Zweisamkeit – „früher Gebote, heute Optionen“ – über den Verlust der Kindheit, als Spielplätze ohne TÜV-Siegel noch nicht verpönt und Fahrradfahren ohne Helm möglich war, bis zu Beispielen von politischen Abstrusitäten.

„Wir wissen heute weniger denn je, wohin die Reise gehen soll, aber auf jeden Fall sind wir schneller da!“, unkte Masuth. Für die SPD sei eine Doppelspitze die letzte Rettung, sagte er mit dem Hinweis auf Erfolgsgeschichten von „Lennon / McCartney, Marianne und Michael, Dick und Doof, Klaus und Klaus, Tom und Jerry.“ Auch in der CDU rumore es. Den älteren Herren, die ihr Karriereziel noch nicht erreicht haben und aufs Kanzleramt hoffen, gab er eine chinesische Weisheit mit auf den Weg: „Wenn du lange genug am Fluss sitzt, siehst du irgendwann die Leiche deines Feindes vorbeischwimmen!“

Erschreckend sei das rechte Potential in der Mitte der Gesellschaft. „Es handelt sich nicht nur um ein paar Spinner“, betonte Masuth. Immerhin seien die meisten AfD-Wähler „Nicht-Wähler“, die ihr Kreuz aus mangelnder Praxis an der falschen Stelle gemacht haben: „Sie sollten sich auf ihre Kernkompetenz besinnen und zu Haus bleiben!“

Die Jugend hat an der „mainstream“ gewordenen Freiheit das Interesse verloren und möchte „fly statt frei“ sein, Menschen werden trotz tagtäglich neu entdeckter lebensverkürzender Faktoren immer älter, die „Respektrente“ ist ebenso wie die „Lebensleistungsrente“ ein leeres Wort und am Tunnelprojekt Stuttgart 21 wird ungeachtet seiner Unwirtschaftlichkeit festgehalten: Uli Masuth legte den Finger in die Wunden. Er stellte fest: „Immer mehr Menschen fühlen sich zu Aufgaben berufen, von denen sie nichts verstehen.“

Ein Beispiel sei Günther Oettinger, der offenbar in die Politik ging, um seiner Liebe zu geschliffener Rhetorik frönen zu können. Oder soll er als „Versuchsobjekt“ den Beweis antreten, dass Künstliche Intelligenz niemals Schritt halten kann mit der natürlichen Dummheit?!

Uli Masuth ist kein Zyniker, kein Knüppel-aus-dem-Sack-Satiriker, kein Flachwitz-Reißer. Er nimmt die Absurditäten des Lebens mit tiefgründigem Humor auf die Schippe: fundiert, unaufgeregt, authentisch und geschliffen formuliert. Vieles wird nachklingen.

Der Gast aus Weimar wird den Abend in Sulingen ebenfalls in Erinnerung behalten. Sein Dank galt Sulingens Kulturchefin Ariane Hanselmann und insbesondere Techniker Klaus Müller, der ihm zu einer persönlichen Premiere verholfen hatte: Da sein (eigenes) Head-Set streikte, verschaffte ihm dieser mit einem klassischen Mikrofon Gehör.

Uli Masuth nahm nicht nur die großen gesellschaftlichen und politischen Katastrophen mit Humor, sondern auch diese kleine technische Panne: „Das ist halt live!“

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