Ihre Familie war 107 Jahre zuständig

Dorothee Löhmann gibt nach mehr als 50 Jahren Friedhofsverwaltung in Sulingen ab

Über 30 Jahre war Dorothee Löhmann Küsterin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Sulingen, über 50 Jahre verwaltete sie den Friedhof.
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Über 30 Jahre war Dorothee Löhmann Küsterin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Sulingen, über 50 Jahre verwaltete sie den Friedhof.

Sulingen – Ganz ohne Arbeit kann sich Dorothee Löhmann ihr Leben nach wie vor nicht vorstellen, auch wenn sie ihren Dienst als Friedhofsverwalterin offiziell zum 1. Februar quittiert. Anlass ist ihr 80. Geburtstag – ein guter Zeitpunkt, sich zurückzuziehen, findet die langjährige kirchliche Mitarbeiterin. Über 30 Jahre war sie Küsterin der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Sulingen, über 50 Jahre verwaltete sie den Friedhof.

Mit ihr endet eine Ära: Exakt 107 Jahre lag diese Aufgabe in den Händen ihrer Familie.

Fritz Siemers, ihr Großvater mütterlicherseits, hatte Kirchendiener Behrens zum 1. Februar 1914 abgelöst. Anfang der 1950er Jahre übernahmen seine Tochter Frieda und ihr Ehemann Otto Hoge Verantwortung. Dorothee Löhmann war seit 1970 im Amt; wie bei ihren Vorfahren war es eine Berufung, die die ganze Familie aktiv unterstützte.

Dorothee, jüngste von vier Töchtern der Eheleute Hoge, wurde am 31. Januar 1941 geboren. Schon als Kind ging sie Opa Siemers bei den Friedhofsarbeiten zur Hand. Auch das Läuten der Glocke und die Vorbereitung und Begleitung von Gottesdiensten und Amtshandlungen waren ihr vertraut. Nach ihrer Konfirmation (1955) war sie in diesen Angelegenheiten eigenverantwortlich im Einsatz.

Anfang der 1970er Jahre: Walter Löhmann, Anni Knüpling (Schwester von Dorothee Löhmann) und Dorothee Löhmann bei Friedhofsarbeiten.

Die Großfamilie, die auf der Hofstelle Ecke Schmelingstraße/Lindenstraße Landwirtschaft betrieb, hielt zusammen: Besonders vor kirchlichen Feiertagen gab sie dem Friedhof gemeinsam „den letzten Schliff“. Eigentlich wollte Dorothee Löhmann Gärtnerin werden. „Mein Opa hat damals gesagt: „Gärtnerin? Wir haben genug Kraut auf dem Friedhof“, erinnert sich die (fast) 80-Jährige. 1970 wurde sie offiziell als Küsterin und Friedhofsverwalterin eingestellt. Ihr 2012 verstorbener Ehemann Walter stand ihr ab 1964 bei ihren beruflichen und ehrenamtlichen Aufgaben bei. Von 1973 bis 1981 war er als Friedhofswärter angestellt.

Viele Geschichten gehen Dorothee Löhmann durch den Kopf: Sie denkt an Opa Fritz, der das Gras vor der Kirche mit der Sense mähte, um es als Heu an die Tiere zu verfüttern. Oder an ihre Einsätze an der Orgel als Bälgetreterin, wenn der Strom ausfiel, was in den 1940er Jahren oft vorkam. Einige Anekdoten wisse sie über die 23 Pastoren zu erzählen, die sie im Laufe der Jahre kommen und gehen sah, sagt sie lachend. Und schweigt. Aus heutiger Sicht unvorstellbar waren die Verhältnisse, als die Leichenhalle noch auf dem Grundstück des Krankenhauses angesiedelt war. In Abständen von 100 Metern stand die Familie aufgereiht und gab sich mit wehenden Taschentüchern Zeichen, wenn der Trauerzug startete und es damit Zeit war, die Kirchenglocke zu läuten.

Opa Fritz Siemers 1934 beim Grasmähen vor der Sankt-Nicolai-Kirche.

2001 gab Dorothee Löhmann ihr Amt als Küsterin aus familiären Gründen ab. Die Friedhofsverwaltung, die jetzt über das Gemeindebüro organisiert wird, blieb in ihren Händen. Bis zum letzten Arbeitstag übernahm sie darüber hinaus ehrenamtlich unzählige Aufgaben, unter anderem unterstützte sie Friedhofswärter Carsten Meyer.

Die Feier zu ihrem 80. Geburtstag fällt coronabedingt aus. Anlässlich ihrer Verabschiedung aus dem aktiven Dienst in der Kirchengemeinde und als Dank für ihr Engagement wird ein Festgottesdienst stattfinden, in dessen Rahmen Pastorin Juliane Worbs Dorothee Löhmann von ihren Aufgaben entpflichtet. Zur Freude der Jubilarin werden neben Tochter Hilka, die mit ihr unter einem Dach lebt, auch Sohn Jens, Schwiegertochter Sandra und ihre Enkelkinder Ben (12) und Lia (9) aus Elze (Kreis Hildesheim) dabei sein.

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