Freundschaft hilft nicht immer

„Auerhaus“ bietet Zeitreise in die 1980-er Jahre - ohne Happy-End

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Schlussakkord in Moll: Frieder blickt auf seine Freunde, deren gemeinschaftlicher Hilfeversuch ihn nicht retten konnte.

Sulingen – Eine Zeitreise zurück in die 1980-er Jahre bescherte das Ensemble des Euro-Studios Landgraf dem Sulinger Publikum. Die jungen Schauspieler nutzten ihre starke Bühnenpräsenz, hatten die gut 150 Besucher im Sulinger Stadttheater schnell integriert in die Gruppe, die da im „Auerhaus“ (Schauspiel nach dem Spiegel-Besteller von Bov Bjerg) zusammenfindet, um ihren Freund Frieder zu beschützen. Auf dass der sich nicht umbringt.

Ein Buch auf die Bühne zu bringen bedeutet immer die Gefahr, dass elementare Passagen ausgelassen werden müssen, auch, um überhaupt im Zeitplan zu bleiben. Die Bühnenfassung von Kathi Loch, uraufgeführt im April 2017 am theater junge generation in Dresden, entwickelt aber in nicht mal 90 Minuten (ohne Pause) eine mitreißende Dynamik, die den Zuschauer durch wechselnde Gefühlswelten treibt. Es ist die Kraft der Jugend, die schnelle Ideen schnell umsetzt: Sturmfreie Bude ist jeden Tag in der neuen Wohngemeinschaft. Es mutet unreflektiert an, ist es aber nicht, weil zwischendurch Zeit zum Reden bleibt, manchmal auch aneinander vorbei. Die Clique um Frieder zeichnet unterschiedliche Charaktere, wie sie jeder Zuschauer so oder ähnlich aus seinem Freundeskreis kennt. Der unterschiedliche Grad der Ernsthaftigkeit, das fröhlich-dramatische Gemeinschaftsleben: Das Netz der Freundschaft, das Höppner (Florian Rast), Vera (Rebecca Selle), Cäcilia (Charlotte Mednansky), Pauline (Emma Henrici) und Harry (Felix Utting) um ihren Freund weben – es hilft letztlich leider nix. Frieder (Tomás Heise): „Ich wollte mich nicht umbringen. Ich wollte bloß nicht mehr leben. Ich glaube, das ist der Unterschied.“

Ach man. Ist doch alles halb so wild. Das wird wieder. Sätze, die man nicht hört in den Dialogen. Tatsächlich wird Frieders Suizidabsicht nie ausdiskutiert. Bov Bjerg lässt alle Protagonisten ihren Weg gehen: Sie machen Abitur, Harry seine Lehre und Dummheiten. Letzteres mit Folgen, mit denen unterschiedlich umgegangen wird.

Party im Auerhaus feiern (von links) Höppner, Harry, Vera, Frieder, Cäcilia und Pauline.

Es ist ein schwieriges Thema, das Bov Bjerg aufgreift, eines, für das es nur individuelle Hilfen gibt, nichts Allgemeingültiges. Gefragt, ob Frieders Suizidversuch dessen Weg aus Rollenmustern und Erwartungen sei, erklärt Bjerg, dass es für ihn als Autor schwer zu sagen sei, warum sich jemand versuche, das Leben zu nehmen. Dass es genügend Leute gebe, die depressiv seien, aber nicht suizidgefährdet. Das Bühnenbild (nicht nur in seinen intensivsten Szenen reduziert um das Bunte, das mit den 80-er Jahren assoziiert wird, reduziert auf wenige Elemente und ausgefeilte Lichttechnik sowie pointierte Musikauswahl) bildet einen Rahmen für die punktgenauen Dialoge, von denen eben durch diese Stilmittel nicht abgelenkt wird. Nach 85 Minuten ist die Zeitreise beendet, da bleibt Zeit für Reflexion. Das Publikum spendiert zufrieden Beifall.

sis

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