Sulingen Projekt: Aufwändigster Drehtag stellt Hinrichtung im Jahr 1778 nach

„Frau Susewind“ wird gehängt

Die Komparsen in ihren Kostümen sind am Samstag viele Stunden im Einsatz – die Stimmung ist trotzdem gut. Foto: Behling

Sulingen – Zeuge einer Hinrichtung wird man heutzutage in Deutschland glücklicherweise nicht mehr – da ist am Samstagnachmittag die buchstäbliche Regieanweisung von Martin Hermann an die Komparsen, die sich am Galgen versammelt haben, hilfreich: „Wenn sie dann gehängt wird, ist angedacht, dass so ein Raunen durch die Menge geht.“ Das dreht er, während „sie“ in einiger Entfernung entspannt die Kaltblutpferde vor der Kutsche streichelt, die sie zum Richtplatz bringen wird: Meelah Adams, Schauspielerin und Medienproduzentin aus Köln, spielt für das Sulingen Projekt Margarete Elisabeth Schröder, genannt „Frau Susewind“, die im Jahr 1778 wegen mehrerer Diebstähle hingerichtet wurde.

Es ist für der wohl der aufwendigste Drehtag für den Film, der 1 000 Jahre Sulinger Stadtgeschichte anhand von Fotos, 3-D-Animation, Interviews und eben auch Spielszenen illustrieren soll: An die 100 Crew-Mitglieder, kostümierte Komparsen und Helfer stellen auf dem Feld in Feldhausen, das Torben Lüning zur Verfügung gestellt hat, nach, wie „Frau Susewind“ gehängt wird. Die wurde, so ist verzeichnet, 1777 auf dem Sulinger Herbstmarkt festgenommen, dann nach Ehrenburg gebracht und inhaftiert. Bis man sie als Margarete Elisabeth Schröder identifizierte und mehrerer Diebstähle überführte, dauerte es einige Zeit, die Akte wurde zur Urteilsfindung nach Hannover gesandt. „Sie hat ein Jahr im Kerker gesessen, bevor sie zum Tod durch den Strang verurteilt wurde“, weiß Werner Focke von der Sulingen-Projekt-Crew. Keine Geschichte, die in Sulingen jedem Schulkind erzählt wird: „Wir haben nur zwei so gut dokumentierte historische Gerichtsfälle gefunden. Wieso man die Verurteilte ,Frau Susewind‘ genannt hat, ist allerdings nicht überliefert...“

Noch schnell dem Pfarrer das Beffchen zurechtgerückt, dann spricht „Frau Susewind“ (Meelah Adams) ihre letzten Worte. Foto: Behling

Neben der Suche nach den Freiwilligen, die den schaulustigen „Pöbel“ geben – und trotz mehrstündigem Einsatz immer noch guter Stimmung sind, was wohl auch den Pausen in großen Cateringzone zu verdanken ist – galt es noch viele weitere Vorbereitungen zu treffen. Bernd Lange aus Bad Oeynhausen ist mit dem Kaltblüter-, Wolfgang Zell aus Albringhausen mit einem Warmblüter-Gespann vor Ort, damit die Delinquentin, geistlicher Beistand, der Vollstreckungsbeamte von Hugo (Martin Stürzebecher) und Scharfrichter Suhr (Heinz-Joseph Laging) effektvoll zum Richtplatz rollen können. Den haben Mitglieder des THW-Ortsverbandes Sulingen bereits drei Wochen zuvor gebaut, „damit er nicht mehr ganz so neu aussieht“, erklärt Focke. „Wann immer es etwas Handwerkliches zu tun gibt, bekommen wir vom THW tolle Unterstützung.“ Ist der Galgenbau der ungewöhnlichste Einsatz für das Technische Hilfswerk in Sulingen? „Bis jetzt ja“, bestätigt Ortsbeauftragter Volker Schweers grinsend. „Man hilft ja gerne.“ Das THW sorgt auch für das Gurtzeug, das sicherstellt, dass Meelah Adams beim Hängen nichts passiert. Zuvor spricht sie ein Gebet und Worte der Reue in Großaufnahme.

Am Morgen wurde die Marktszene, in der Frau Susewind beim Diebstahl erwischt wird, am Backhaus im Garten des Bürgerhauses gedreht. Und als Kerker dient das Café im Jugendzentrum – „wegen der Backsteinmauer“, erläutert Werner Focke. „Wir legen noch Stroh auf den Boden.“  ab

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