Flächentausch im Bereich Nechtelsen soll schon 2021 vollendet werden

Flurbereinigung schützt Trinkwasser

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  • Harald Bartels
    vonHarald Bartels
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Sulingen – „Das ist in doppelter Hinsicht ein Schnellläufer“, sagt Olaf Stührmann, Leiter des Dezernats Flurbereinigung und Landmanagement der Geschäftsstelle Sulingen des Amtes für regionale Landentwicklung Leine-Weser (ArL): Gemeint ist ein Flurbereinigungsverfahren, das in Kürze im Sulinger Land beginnen soll.

Konkret geht es dabei um ein Gebiet westlich des Sitzes des Zweckverbandes Wasserversorgung Sulinger Land in Nechtelsen. Hier solle die Trinkwasserschutzzone II um drei Trinkwasserbrunnen ausgeweitet werden, so Stührmann. Zum Teil falle diese Zone in Waldbestand, zum Teil betreffe sie aber auch landwirtschaftliche Flächen, die dann nur noch eingeschränkt agrarisch genutzt werden könnten. Daher habe die Wasserversorgung Land erworben für den Flächentausch mit den Betroffenen.

Vorbereitung in Wochen statt in Jahren

Erst Ende 2019 sei das Verfahren initiiert worden – „normalerweise vergehen Jahre f��r die Vorbereitung, diesmal nur wenige Wochen“, stellt Stührmann fest. Die betroffenen landwirtschaftlichen Betriebe und die überwiegende Mehrheit der Eigentümer würden das Verfahren unterstützen. Die Bereitschaft sei bei allen rund 20 Beteiligten da, und „wir wollen ein Einvernehmen erzielen, denn Naturschutz und Trinkwasserschutz gehen nur mit den Leuten, nicht gegen sie.“ Angesichts der erhöhten Bereitschaft der Betroffenen und weil der Trinkwasserschutz hohe Priorität habe, sei das Verfahren noch kurzfristig in das Flurbereinigungsprogramm 2020 bis 2024 aufgenommen worden.

In diesem Programm sind insgesamt 21 neue Verfahren mit einer Gesamtfläche von rund 26 000 Hektar erfasst. „Die freigegebenen Verfahren sollen einen Beitrag zur Agrarstrukturverbesserung durch die Neuordnung des ländlichen Grundbesitzes leisten und dabei auch die Belange des Naturschutzes und der Landschaftspflege berücksichtigen. Hierfür stehen für ganz Niedersachsen Fördermittel in Höhe von insgesamt rund 17,2 Millionen Euro bereit, die überwiegend für den Ausbau nachhaltiger ländlicher Wege eingesetzt werden,“ erklärt dazu der Landtagsabgeordnete Marcel Scharrelmann in einer Pressemitteilung. „Ich bin sehr zufrieden, dass Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast die Verfahren nun durch die Verkündung eingeleitet und das Verfahren im Sulinger Land Berücksichtigung gefunden hat. Bereits in diesem Jahr kann so die Eröffnung des Verfahrens in den Blick genommen werden.“

Ebenso zügig, wie das Verfahren eingeleitet wird, soll es auch abgeschlossen sein: Aktuell hole das ArL bereits die Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange ein und voraussichtlich im Oktober wähle die Teilnehmerversammlung ihren Vorstand, nennt Stührmann den Fahrplan. Nach der Ernte im kommenden Jahr würden die Flächen vermessen, und noch im Herbst könne getauscht werden, damit die Landwirte dann noch ihre neuen Flächen bestellen können. Weitere Baumaßnahmen, etwa Wegebau, seien nicht geplant, da der Bereich bereits Teil des Flurbereinigungsverfahrens für die nördliche Entlastungsstraße gewesen ist. Insgesamt erstrecke sich das Verfahren über 85 Hektar, wovon sechs Hektar aus der landwirtschaftlichen Nutzung fielen. Die Kosten des Verfahrens teilen sich die Wasserversorgung Sulinger Land und das Land Niedersachsen.

Reaktion auf veränderten Niederschlag

„Das Verfahren ist ein weiterer Beitrag für den Schutz der Trinkwasserressourcen im Gewinnungsgebiet Schwaförden und ergänzt die hervorragende Zusammenarbeit mit den Landwirten der Kooperation“, unterstreicht Verbandsgeschäftsführer Andreas Geyer. Die Gründe für das Projekt lägen im Wandel des Klimas: „Durch die Veränderung im Niederschlag – vermehrt auftretender Starkregen und lang anhaltende Trockenphasen – kommt es zu einer zunehmenden Trinkwasserentnahme bei gleichzeitiger Reduktion der Grundwasserneubildung. Somit gewinnt die Reinheit des Grundwassers immer mehr an Bedeutung“, erläutert Geyer. Dies könne langfristig dazu führen, dass Wassergewinnungsgebiete zu Wasserschutzgebieten erklärt werden müssen. Innerhalb des Wasserschutzgebietes sei die Zone II nur mit entsprechend starken Einschränkungen nutzbar; die damit verbundenen Einnahmeeinbußen seien den Nutzern der Flächen auszugleichen. „Diese Kosten finden wir dann in der Wassergebühr wieder. Dies kann nur vermieden werden, wenn der Wasserversorger Eigentümer der Flächen der Schutzzone I und II ist – oder aber zum Beispiel eine Waldnutzung in der Zone II stattfindet.“

Mit dem Flächentausch im Rahmen der Flurbereinigung solle das nachhaltige Wirtschaften für die Wassergewinnung wie auch für die Landwirtschaft gewährleistet werden. Andreas Geyer: „Wir können den Schutz des Grundwassers insgesamt und insbesondere des Grundwassers für die Trinkwassergewinnung nur gemeinschaftlich zwischen Wasserversorger und Landwirtschaft sicherstellen. Dies gelingt uns schon sehr gut durch die freiwillige Kooperation mit den Landwirten und wird nun durch diese Flurbereinigung langfristig als zusätzliche Maßnahme flankiert.“

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