Flüchtlingshilfe: Stadt und Ehrenamt bündeln ihre Kräfte / Rauschkolb: „Wollen integrieren“

„Eine schöne Aufgabe, aber anstrengend“

Suchen Mitstreiter: Karin Wutzke und Thekla Löchel (v.l.).
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Suchen Mitstreiter: Karin Wutzke und Thekla Löchel (v.l.).

Sulingen - Das gemeinsam von Mitarbeitern der Stadt Sulingen und Privatleuten initiierte Projekt „Flüchtlingshilfe“ scheint das Laufen zu lernen. Hatte Hans-Rudolf Kalus, Leiter des Fachbereiches Bürgerservice und Soziales der Stadtverwaltung, noch kurz vor den Informationsveranstaltung am Montagabend mit zehn Teilnehmern gerechnet, waren es tatsächlich 40. Ziel des Abends in der Alten Bürgermeisterei: Die Aufforderung zu ehrenamtlichem Engagement und die Gründung einer Art Lenkungsgruppe, die die Arbeit der Ehrenamtlichen mit der der Stadt Sulingen koordiniert. Laut Bürgermeister Dirk Rauschkolb wird sich die Gruppe am 14. Januar, 19.30 Uhr, im Sulinger Rathaus konstituieren.

Initiiert hatten die Veranstaltung neben den Mitarbeitern der Stadt Sulingen Karin Wutzke und Thekla Löchel, zwei Sulinger Frauen, die sich bereits um die Asylbewerber kümmern (wir berichteten). Wutzke: „Eine schöne Aufgabe. Es ist anstrengend, aber um so mehr Helfer wir haben, desto mehr Aufgaben können wir verteilen.“

Die beiden Frauen beschrieben in bunten Farben ihren Wirkungskreis, angefangen beim Empfang der Gäste in Sulingen über Orientierungshilfen und Begleitung bei Arzt- und Behördengängen bis hin zum Engagement, das in der Beschaffung von Bekleidung und zum Teil auch Mobiliar mündet. Thekla Löchel: „Es kommen noch viel mehr Flüchtlinge. Da wollen wir vorbereitet sein.“

Hans-Rudolf Kalus spricht von 67 Asylbewerbern, die aktuell in der Stadt Sulingen leben. Nach der derzeit gültigen Quote müsste das Mittelzentrum 76 Personen aufnehmen. Tendenz steigend: „Diese Quote wird sich im Dezember nach unseren Informationen deutlich nach oben bewegen.“ Zurzeit scheine der Druck nicht ganz so stark zu sein. „Das bedeutet, wir haben noch Zeit, uns vorzubereiten.“

Ziel der Stadt Sulingen sei, die Asylbewerber, überwiegend Menschen aus Krisengebieten in Afrika, aber auch aus Südosteuropa, dezentral unterzubringen. Kalus: „Wir wollen kein Ghetto schaffen.“ Drei Wohnungen seien bereits von Mitbürgern zur Verfügung gestellt worden, „wir haben ein Mehrfamilienhaus angemietet.“

Die Grundversorgung übernehme die öffentliche Hand: „Aber auch nur das Notwendigste“, erklärte der Fachbereichsleiter. „Erstausstattung, kein Luxus.“

Kalus sprach von monatlichen Zuwendungen, die die Gäste erhielten: „In einer Familie jeder Ehepartner 326 Euro, Kinder im Alter von 15 bis 17 Jahren 280 Euro, Kinder im Alter von sieben bis 14 Jahren 247 Euro, Kinder im Alter bis zu sechs Jahren 215 Euro. Mit diesen Zahlungen ist alles abgegolten. Es gibt keine zusätzlichen Einmalzahlungen. Deshalb ist wichtig, dass wir Spenden bekommen.” Arbeiten dürften die Asylbewerber nicht; ausgenommen ehrenamtliche Tätigkeiten, die mit 1,05 Euro pro Stunde abgegolten werden.

Wie die Akquise von Sachspenden tatsächlich erfolgen soll, blieb am Montagabend im Detail offen. Gisela Lühmann-Landau, Vorsitzende des DRK-Ortsvereins Sulingen, stellte mit Blick auf den „DRK-Shop Kaufen und Helfen“ infrage, inwieweit das Einrichten einer Bekleidungskammer Sinn mache. „Wir haben Jahre dafür gekämpft, dass die Menschen in Würde einkaufen können. Warum nutzen wir nicht die Ressourcen, die wir haben? Warum wollen sie eine neue Baustelle aufmachen?“

Zum Teil kritisch wird von den Teilnehmern der Informationsveranstaltung auch der Ansatz gesehen, öffentlich um Möbelspenden zu bitten. Hans-Rudolf Kalus: „Wir würden natürlich jedes Teil vorher sichten. Was Schrott ist, bleibt stehen.“ Der Ansatz von Marlies Beich (Bethel im Norden), nicht im Grundsatz Spenden einzufordern, sondern erst bei tatsächlichem Bedarf, blieb unbeantwortet im Raum.

Sulingens Bürgermeister Dirk Rauschkolb: „Wir setzen darauf zu integrieren, schön wäre es auch, wenn sich Dolmetscher bereit erklären, zu unterstützen.“

Koordiniert wird das Engagement über Verwaltungsmitarbeiterin Astrid Ellmers. „Ich glaube schon, dass man sieht, dass wir einen Plan haben. Wichtig ist, dass Menschen dem Projekt jetzt auch ihre Zeit schenken.“

oti

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