Dienstag Auftakt zum „Tapetenwechsel“

„Fixen sie ihre Stadt an“

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Philipp Leymann, Vorsitzender der Initiative Sulingen, mit Horst Heinicke, Bettina Remmert, Thorsten Kreikenbaum, Oliver Christen und Sulingens Bürgermeister Dirk Rauschkolb (von links).

Sulingen - Die Vertreter der Initiative Sulingen und die Angehörigen der Arbeitsgruppe „Wohlfühlstadt“ im Bürgerbeteiligungsprozess „Wir sind Sulingen 2.029“ haben Dienstagabend die ersten Bahnen Papier an die Wand gebracht.

Bettina Remmert, Fachgebietsleiterin Wirtschaftsförderung der Stadt Bückeburg, Thorsten Kreikenbaum, Architekt für Stadt-, Landschafts- und Freiraumplanung, und der Diepholzer Lichtplaner Oliver Christen gestalteten die öffentliche Auftaktveranstaltung des Projektes „Tapetenwechsel“. Mit Expertenrat wollen die Projektpartner an zwei Abenden Ideen für eine Aufwertung der „Sulinger Innenstadt“ akquirieren. Der zweite Abend ist für Donnerstag, 18. Mai (18.30 Uhr, Alte Bürgermeisterei), geplant.

50 Teilnehmer - gut aber noch ausbaubar

Während die Bückeburgerin Remmert Enstehungsgeschichte und Entwicklung der „Langen Nacht der Kultur“ in der 20.000 Einwohner zählenden Residenzstadt nachzeichnete, hinterließen der Bremer Thorsten Kreikenbaum und der Diepholzer Oliver Christen Dienstag in der Alten Bürgermeisterei (Gestaltungs-)Ideen. Ideen, die es laut Philipp Leymann im Zuge des Projektes zu katalogisieren, auf Machbarkeit zu prüfen – und zum Teil im Nachgang auch anzugehen gelte. Mit der Zahl der an die 50 Veranstaltungsteilnehmer gab sich Leymann zum Auftakt zufrieden; auch wenn sich die Beteiligung der Anlieger der Langen Straße für die Folgeveranstaltung am 18. Mai noch steigern ließe, wie Leymann auf Nachfrage einräumte.

Die Organisationsfäden des Projektes „Tapetenwechsel“ hatte schon in der Vorbereitung Horst Heinicke, Produktmanager Städtebau der Planungsgesellschaft Sweco, in die Hände genommen. Hardware, Software und Organisation wolle man im Zuge des Projektes auf den Prüfstand stellen – und für deren Weiterentwicklung gemeinsam mit Rat und Verwaltung Ansätze erarbeiten. Mit „Hardware“ bezeichnet der Produktmanager die Gestaltung der Langen Straße an sich; mit „Software“ deren temporäre „Bespielung“ – wohl auch durch Aktionen, wie eine „Lange Nacht der Kultur“ nach Bückeburger Vorbild. Hinter dem Themenfeld „Organisation“ verbergen sich laut Heinicke nicht nur Fragen des Leerstandsmanagements, „sondern auch die Vernetzung der Akteure untereinander“.

„Geben Sie Ihrer Stadt ein modernes Design“

Dass man dieser in Zukunft einen größeren Stellenwert als bisher einräumen müsse, verdeutlichten Architekt Thorsten Kreikenbaum und Lichtplaner Oliver Christen unabhängig voneinander. Beide bescheinigten der Stadt Potenzial. Sie erhöhten mit fortschreitender Dauer ihrer Ausführungen zunehmend den Druck auf die offenen Wunden der Stadtplaner.

Poller, Kübel – „alles sehr kleinteilig“, stellte Kreikenbaum fest. „Man müsste aufräumen. Pflegen sie ihre Pötte – und sorgen sie für Einheitlichkeit.“ Und: „Fixen sie ihre Stadt an. Geben sie ihr ein modernes Design. Einigen sie sich auf einen Formatierungskanon.“ Inseln fehlten; in der Form von Blumenbeeten oder sogar Wasserspielen. „Versuchen sie, Dinge mit Funktionen zu koppeln.“ Exemplarisch nannte der Planer Infrastruktur für freies W-Lan, GPS gestützte Stadtführungen und sprach von E-Bike-Ladestationen.

Der Stadt fehle es an Licht

Ähnlich wie Thorsten Kreikenbaum entführte Oliver Christen auf einen virtuellen Standrundgang. Der Lichtplaner mit Blick auf die aktuellen Bestand innerstädtischer Beleuchtungsanlagen: „Sie haben echte Pfunde. Aber jeder hat sein Ding gemacht. Schaffen sie Sichtachsen.“ Unbeleuchtete und damit schon in der Dämmerung weniger anheimelnde Parkplätze, mit viel Aufwand gestaltete Hausfassaden und Straßenmöbel, die in den Abendstunden im Nichts der Dunkelheit verschwinden: „Bringen sie das Licht da hin, wo es Sinn macht.“ Illuminationen des Kreisels am Kaufhaus Ranck, der Sankt Nicolai-Kirche und auch des Bürgerhauses – die Möglichkeiten seien schier unendlich. Aber: „Schaffen sie Beziehungen.“

Peter Henze.

Eröffnet hatte den Abend der Schauspieler Peter Henze: „Kulturhäppchen gehören zum öffentlichen Straßenraum dazu – weil Kultur das repariert, was Politik und Stadtplaner vergessen haben“, sagte Henze. Er forderte, den Gedanken- und damit den Gestaltungsspielen freien Lauf zu lassen: „Freiheit und Freiraum sind risikobeladen, interaktiv und partizipativ. Menschen wollen nicht bespielt und beschallt werden, sondern gemeinsam etwas gestalten.“ - oti

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