Firma Vermilion informiert

Erdgassuche ohne Fracking in der Gemeinde Bahrenborstel

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Vermilion-Kommunikationschefin Sandra Finger, Geophysiker Frank Görisch, Moderator Arne Spieker, Projektleiter Andreas Boy und Dr. Jürgen Rückheim, Vertreter der Geschäftsführung (v.l.), beim Nachbarschafstfoum in Bahrenborstel.

Bahrenborstel - Von Sylvia Wendt. „Löchern Sie die Kollegen gerne“, fordert Moderator Arne Spieker die Bürger beim „Nachbarschaftsforum“ am Montagabend in Bahrenborstel auf.

Dr. Jürgen Rückheim (Vertreter der Geschäftsführung), Geophysiker Frank Görisch und Projektleiter Andreas Boy stehen rund um detaillierte Fragen zur Probebohrung „Burgmoor Z5“ zur Verfügung. Die Vertreter der Firma Vermilion planen diese Teilfeldsuchbohrung auf dem Gebiet der Gemeinde Bahrenborstel. Sie hoffen darauf, in 3 200 Metern Tiefe „wirtschaftlich nutzbares Erdgas“ zu finden. Ohne Fracking.

Das betonen alle mehrfach, Boy erklärt, dass die geologischen Fakten schlicht kein Fracken zuließen. Die Firma möchte die Energiewende in Deutschland begleiten, erklärt Rückheim, der seit 30 Jahren weltweit Erdgas- und Erdölbohrungen begleitet. Erdgas sei dabei das „Mittel der Wahl“ – bis jene Energiewende erreicht sei.

Vermilion wolle dabei lieber Betriebsführer sein, als „nur“ beteiligt an Förderungen. Sogenannte Aufsuchungsbohrungen, wie jene in Bahrenborstel, plane die Firma in Deutschland ausschließlich in Niedersachsen. Warum? „Niedersachsen spielt bei der Deckung des Gasbedarfs in Deutschland eine zentrale Rolle: Über 95 Prozent des bundesweit produzierten Erdgases stammen aus Niedersachsen“, heißt es seitens des Unternehmens. Görisch erklärt, dass zahlreiche Unterlagen ausgewertet worden seien. Die Geologie der Region sei sehr umfassend dokumentiert, deshalb glaube man, dass hier Potenzial bestehe. Die Lagerstätte werde in einer Tiefe von 3200 Metern vermutet, im Zechstein (einer Art Kalkstein). Vermilion hat die Kosten für diese sogenannte Teilfeldbohrung auf etwa 15 Millionen Euro beziffert.

Hauptbetriebsplan noch nicht eingereicht

Laut Projektleiter Andreas Boy ist der Hauptbetriebsplan noch nicht eingereicht (aber bald), man warte noch auf Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange. Eine Umweltverträglichkeitsprüfung sei nicht notwendig. Denn: Laut Angaben von Vermilion haben unabhängige Gutachter im Jahr 2015 eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) durchgeführt, ob und wie das Projekt Anwohner, Boden, Wasser und Umwelt beeinflusse. Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) habe bei seiner Prüfung der Unterlagen im Jahr 2016 festgestellt, dass keine UVP-Pflicht bestehe.

Das Genehmigungsverfahren für diese Bohrung beginne dann mit dem Einreichen der Pläne für den etwa 100 mal 70 Meter großen Bohrplatzbau und die Bohrung. Bis zu 60 Meter hoch werde der Bohrturm sein. Die Bohrung könnte ab September erfolgen. Der Bohrplatz liegt laut Angaben von Andreas Boy an der Straße „An der Landriede“ und werde über die Landesstraße 349 und den Jägerweg von allen Fahrzeugen (während der Auf- und Abbauphase werden etwa zwölf Lkw pro Tag erwartet) angefahren. Die Firma plane den Ausbau der Zuwegung entsprechend, unter anderem durch die Sicherung eines Grabens, der überquert werden müsse. 

„Wir schützen das Grundwasser“

„Wir schützen das Grundwasser“, sagt Boy. Auf dem Bohrplatz werde ein Areal versiegelt. Die Handhabung wassergefährdender Stoffe werde hier durchgeführt. Laut Dr. Jürgen Rückheim werde auch die Lärmemission überwacht – da die Anlage an allen Wochen-, Sonn- und Feiertagen durchgängig betrieben werde. Büro-, Umkleide- und Werkstattcontainer bieten den etwa 25 Beschäftigten Arbeitsplätze. Für den Aufbau der Bohranlage seien zwei Wochen eingeplant, die Bohrung selbst werde etwa drei Monate andauern. Anschließend erfolge ein Produktionstest dazu, welche Qualität das Erdgas habe und welche Fördermenge zu erwarten sei. Für weitere Schritte, etwa den Bau einer Gastrocknungsanlage, müssen jeweils Sonderbetriebspläne eingereicht werden – und würden in eigenen Genehmigungsverfahren geprüft.

www.vermilion-im-dialog.de

Nachgefragt: Krebsfällen im Umfeld von Erdgas-Förderstätten?

Ob ein ähnliches Schreckenszenario wie 1966 mit einem Austritt von hochguftigem Sauergas bei der Bohrstelle Siedenburg Z 20 denkbar sein? Boy: „Wir sprechen hier von Süßgas und einem Sauergasanteil von zwischen 0 und maximal zwei Prozent , basierend auf anderen Bohrungen in deren Werten.“ 

Ob durch die Bohrungen Häuser absacken können? Rückheim schließt das aus: Das Gestein, aus dem gefördert werde, sei bereits so kompaktiert, dass man es an der Oberfläche nicht merke, wenn sich 3200 Meter tiefer eine Absackung von einem Millimeter ereigne. Das werde überwacht.

Den ortsansässigen Bürgern, darunter etliche, die selbst beruflich in der Erdöl- und Erdgasförderung involviert sind oder waren, fielen am Montagabend scheinbar nicht-ortsansässige Teilnehmer unangenehm auf, die Äußerungen der Vermilion-Vertreter rundheraus anzweifelten.

Kommentar zum Thema:

Vom Umgang miteinander 

Von Sylvia Wendt

Was mir gefällt: Interessierte Bürger, die kritisch nachfragen, die sich nicht scheuen, ihre Bedenken zu äußern und damit auch mal für eine längere Diskussion sorgen. Was mir nicht gefällt: Menschen, die sich selbst überschätzen und Fachleuten (die sie als Person nicht kennen und deren Expertise sie nicht beurteilen können) von vornherein mit unverhüllter Respektlosigkeit begegnen. 

In einer Zeit, in der im Internet alles und jeder gegen alles und jeden pöbeln kann (und das auch, leider, tut), ist es umso wichtiger, dass Grundregeln im Miteinander beachtet werden. Im Nachbarschaftsforum haben sich Vertreter der Firma Vermilion für Fragen zur Verfügung gestellt, versprachen am Montag (und künftig) Transparenz und Offenheit. Das ist sehr löblich, in dieser Bandbreite selten – und bleibt hoffentlich so.

Grundlage für die anvisierte Probebohrung sind Vorgaben, die einzuhalten sind. Es gibt Behörden, die das kontrollieren. Jeder darf alle Beteiligten dennoch im Auge behalten, dass sie ihrer jeweiligen Aufgabe gerecht werden. Ihnen allen aber Fehlinformationen, Fehlverhalten und Ignoranz vorzuwerfen, bereits ohne das überhaupt etwas passiert ist, hat nichts mit kritischem Hinterfragen zu tun. Das ist bockig, trotzig – einfach verbohrt.

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