Nur drei Worte

„Feindbild Mann“: Kirsten Annika Lange zieht Sulinger Publikum mühelos in ihren Bann

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Als Platzhalter für Traummann George Clooney dient Dagmar (Kirsten Annika Lange) ein Besen. 

Sulingen – Von Gerhard Kropf. „Ich bringe ihn um!“ Mit diesen vier Worten stampft eine heulende Braut am Freitagabend auf die Bühne in der Alten Bürgermeisterei in Sulingen, verkörpert von Kirsten Annika Lange. Was ist geschehen?

Am Tage ihrer Hochzeit kommt Dagmar, fertig gestylt, aus dem Badezimmer und findet einen Zettel mit drei Worten ihres Auserwählten: „Ich kann nicht.“ Nur drei Worte! Kein Wunder, dass sie verletzt und wütend reagiert und sich, statt zum Standesamt zu fahren, in ihr Baumhaus zurückzieht, das ihr Vater für sie vor vielen Jahren gebaut hat, und das ihr Zufluchtsort diente. Das Baumhaus ist recht geräumig, und viele Gegenstände aus ihrer Kindheit sind noch da, auch ein Kleid, das sie gegen das Brautkleid tauscht und das ihr immer noch passt („Kleidergröße 36, der Kerl weiß gar nicht, was ihm entgeht!“).

Die in Köln wohnende und in Essen aufgewachsene Schauspielerin Kirsten Annika Lange spielt das Stück „Verliebt, verlobt, verschwunden“ des österreichischen Theaterautors und Kabarettisten Stefan Vögel. Sie tut sich selber leid, lästert, faucht, schimpft auf Johnny, der sie verlassen hat, und spottet auf die Männer im Allgemeinen.

Aber die verschmähte Braut findet auch, dass die Frauen nicht ganz unschuldig sind, denn: „Aus reiner Mutterliebe züchten sie das Elend der nächsten Generation.“ So entwickle sich der Mann zu dem Wesen, dass dem VW Käfer so sehr ähnelt: Säuft viel, hat wenig Extras, aber er erfüllt seinen Zweck, nämlich den der Fortpflanzung. Daher auch der Begriff „Ehegatte“. Der komme von Begattung – ein Liebhaber sei etwas ganz anderes.

Dagmar blickt zurück auf ihre erste Ehe mit Hubert, den sie parodiert und der dabei nicht gut wegkommt, mit dem sie aber zwei Söhne hat – Wunschkinder. Es ist alles nicht so einfach.

Johnny hat schließlich alle sieben Männerausschlusskriterien überstanden, die sie mit ihrer Erfahrung entwickelt hat und dem Publikum erläutert. In dem die Männer knapp die Hälfte ausmachen, sie gewinnen dabei neue Erkenntnisse, auch in der Frage, wie man einen richtigen Heiratsantrag macht. Männer und ihre Unfähigkeit, mit der Frau zu kommunizieren ist ein Thema, auch die Schwiegermutter, die einer Puppentheatereinlage abgehandelt wird – und den Traummann George Clooney symbolisiert ein Besen in einer Tanzeinlage.

Kirsten Annika Lange verkörpert in dem Ein-Personen-Stück mühelos die emotionalen Zwischentöne: Der Schmerz des Verlassenwerdens, den Trotz, die (vermeintliche?) Überlegenheit der Frau und das Hinterfragen der eigenen Person. Die Schauspielerin, Tänzerin und Sängerin zieht das Publikum in ihren Bann und sorgt für einen unterhaltsamen Abend mit viel Witz und bissiger Ironie. Dafür gibt es viel Beifall.

Der Kulturverein Sulingen hatte ein überraschendes Ende angekündigt. Hier ist es: Johnny ist genau so verletzt wie Dagmar, der Zettel ein großes Missverständnis. Hätte man das durch Kommunikation nicht vermeiden können?

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