Fachkräftemangel: Initiative Sulingen thematisiert Auswirkungen der demographischen Entwicklung

„Aufpassen, dass wir nicht ausbluten“

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Referent des Dämmerschoppens: Christopher Lalottis.

Sulingen - Der Vorstand der Initiative Sulingen hat am Montagabend die Veranstaltungsreihe der „Dämmerschoppen“ wieder aufleben lassen. Nach „einigen Jahren“ Abstinenz, wie stellvertretender Vorsitzender Philipp Leymann in der Begrüßung formulierte. „Wir haben uns gedacht, dass es einfach zu viele Themen gibt, die wir nicht nur im Kreis des Vorstandes diskutieren wollen.“ Ein Thema, das demnach den Sulinger Gewerbetreibenden unter den sprichwörtlichen Nägeln brennt: Die Auswirkungen des demographischen Wandels, speziell wohl auf den Arbeitskräftemarkt.

Um das vorweg zu nehmen: Komplettlösungen servierten die Referenten des Abends, Kirstin Hinken und Christopher Lalottis, Mitarbeiterin des Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit in Syke und Teamleiter Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit in Diepholz, am Montagabend nicht. Beide mahnten dennoch zur Achtsamkeit und dazu, neben der Gewinnung von Fachkräften auch den Wissenstransfer von ausscheidenden Mitarbeitern auf deren Nachfolger im Blick zu halten.

Lalottis sprach von sinkenden Bevölkerungszahlen bei einem gleichzeitigen Anstieg des Durchschnittsalters der Erwerbstätigen in Unternehmen. „Wir rechnen hier im Landkreis Diepholz bis zum Jahr 2020, also innerhalb der nächsten fünf Jahre, mit einem Rückgang der Schulabsolventen, also von dem, was man ausbilden kann, um 15 Prozent. Das was wir an Fachkräften brauchen, werden wir unter Umständen gar nicht aus diesem Potential rekrutieren können.“

Die Auswirkungen dieser Entwicklung bleiben den Arbeitsanbahnern nicht verborgen: „Wir merken das daran, dass wir im Schnitt immer länger brauchen, bis wir eine freie Stelle neu besetzen können.“ Aktuell liege die Dauer einer Stellenbesetzung, von der Meldung bis zur Besetzung selbst, bei 134 Tagen. „Vor fünf Jahren waren es noch 58 oder 59 Tage.“

Laut Lalottis leiden insbesondere kleinere und mittlere Unternehmen unter dieser Entwicklung. „Große Unternehmen beschäftigen Personalentwickler, die sich nicht nur Gedanken darüber machen, wie sie Personal gewinnen, sondern auch halten können. In kleineren Unternehmen fehlt es oft daran.“

Kirstin Hinken und Christopher Lalottis bieten mittelständischen Unternehmen die Unterstützung bei Demographieanalysen an, um mittelfristig Personalbedarfe zu erkennen. Lalottis stellte unter anderem das Modell der Aufwärtsmobilität vor, sprich die Weiterqualifizierung von vorhandenen Mitarbeitern für neue Aufgaben. „Da gibt es eine Fülle von Möglichkeiten. Das reicht bis zu einer Vollumschulung im Betrieb, die dann von uns mitfinanziert wird.“ Wunsch der Arbeitsanbahner sei, den Arbeitsplatz, der frei wird und für den gegebenenfalls eine geringere Qualifikation erforderlich ist, neu zu besetzen. „Vielleicht haben wir da dann jemanden.“ Seit 2010 habe die Agentur für Arbeit im Landkreis Diepholz an die 1 000 betriebliche Qualifizierungsmaßnahmen begleitet, überwiegend im gewerblich technischen Bereich.

Grundsätzlich seien für die Bekämpfung der Auswirkungen der demographischen Entwicklung eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen erforderlich. Christopher Lalottis jonglierte neben der Mitarbeiterqualifikation auch mit Schlagworten wie betriebliches Gesundheitsmanagement sowie Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Heinrich Thiermann: „Wenn ich in einem leeren Teich fischen soll, dann ist es problematisch, dass jemand anbeißt.“ Der Scharringhäuser forderte, weitergehende Instrumente, wie etwa eine gezielte geförderte Zuwanderung, in den Blick zu nehmen. Grundsätzlich seien die Rahmenbedingungen in der Arbeitswelt zu straffen. Diskutiert wurden am Montagabend auch Standortfaktoren, wie Breitbandversorgung, Ärzteversorgung oder ein auf Zielgruppen ausgerichteter Wohnungsmarkt. Christopher Lalottis: „Wir müssen aufpassen, dass wir im Dreieck der Stadtzentren Osnabrück, Bremen und Hannover nicht ausbluten.“

oti

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