Grundschule Sulingen ist niedrsächsische Modellschule

Fach Werte und Normen: Wie gehen wir miteinander um?

Ein Mann übergibt einer Frau ein Zertifikat.
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Ein Zertifikat des Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung für den erfolgreichen Abschluss der Erprobungsphase übergab Heiko Reese an Heike Weiß.

Sulingen – Mit einem Zertifikat des Niedersächsischen Landesinstituts für schulische Qualitätsentwicklung endet nun für Heike Weiß eine besondere Zeit: Vier Jahre lang vertrat sie die Grundschule Sulingen bei der Einführung des Fachs Werte und Normen an niedersächsischen Grundschulen.

Vor vier Jahren habe er von der Landesschulbehörde die Mitteilung erhalten, dass seine Schule an diesem Projekt als Modellschule teilnehmen kann, weil es im Kollegium eine entsprechend ausgebildete Kollegin gibt, erinnert sich Rektor Heiko Reese: Heike Weiß gibt nicht nur seit vielen Jahren Deutsch-, Englisch- und Sachunterricht, sie hat auch Religionswissenschaften studiert.

Die Arbeit begann im Schuljahr 2017 / 2018 mit einer Weiterbildung für Lehrkräfte von nur zehn Schulen in Niedersachsen. Dabei sei es darum gegangen, das eigentlich für weiterbildende Schulen vorgesehene Fach für Grundschulen umzusetzen, erläutert Heike Weiß. Dabei habe es intensive Termine gegeben, beispielsweise mit Sozial- und Religionswissenschaftlern, mit Philosophen, Kommunikationswissenschaftlern und Theaterpädagogen. Parallel dazu habe sie das Fach unterrichtet in den Klassen 2 bis 4. In dieser Zeit sei sie alle drei Monate für mehrere Tage zu Weiterbildungen gewesen – nur möglich dank der „absoluten Unterstützung“ durch das Kollegium und die Schulleitung: „Es geht nicht, wenn man es ganz alleine macht.“

Relevante Themen für die Gesellschaft

Nach zwei Jahren seien dann alle Grundschulen des Landes gefragt worden, ob es Lehrkräfte gibt, die an einer Weiterqualifizierung für das Fach interessiert sind – 40 hätten sich gemeldet. Beteiligt an der Qualifizierung waren auch die Lehrkräfte aus der ersten Phase, darunter Heike Weiß. Über drei Jahre sei das Projekt zudem mittels Fragebögen für Eltern und Kinder evaluiert worden: „Ich habe über 90 Prozent der Fragebögen zurückbekommen und nichts Negatives gehört.“

Für das Fach wird aktuell pro Jahrgang eine Gruppe aus allen Klassen gebildet, die anstelle des Religionsunterrichts zwei Stunden pro Woche von Heike Weiß unterrichtet wird. Während es in diesem Unterricht an weiterführenden Schulen vor allem um den Vergleich zwischen den verschiedenen Religionen gehe, spielten in der Grundschule andere Inhalte eine Rolle: „Die Schüler lernen, ohne zu bewerten, sich in eine andere Perspektive zu versetzen. Ich philosophiere mit ihnen und sie entwickeln, hinterfragen.“ Themen seien gewaltfreie Kommunikation, respektvoller Umgang miteinander, soziales Verhalten, Wertschätzung, Freundschaft, Stärken und Schwächen – „das ist alles sehr gesellschaftsrelevant.“ Die Kinder sollten in der Lage sein, sich eine eigene Meinung zu bilden. Im Mittelpunkt stehe die Frage: „Wie gehen wir miteinander um?“

Keine Konkurrenz zum Religionsunterricht

Es sei ein toller Unterricht: „Die Kinder machen das immer noch gerne, und sie äußern sich ganz anders als in anderen Fächern.“ Wenn sie sich kennengelernt haben, gehen sie – bei klaren Gesprächsregeln – sehr vertrauensvoll miteinander um, hat Heike Weiß festgestellt. „Ich stelle zu Beginn nur eine Frage oder gebe ein Stichwort, und die Kinder beginnen sich zu unterhalten.“ Es komme auch sehr viel hervor, was sonst keine Chance habe im Unterricht besprochen zu werden: „Das gibt unsere Gesellschaft in aller Vielfältigkeit wieder.“

Ganz wichtig aber: „Das ist keine Konkurrenz zum Religionsunterricht.“ Sie könne sich sogar langfristig vorstellen, dass es keine Alternative mehr zum Religionsunterricht sei, sondern ein Fach für jedes Kind.

Weniger als die Hälfte eines Jahrgangs beim Religionsunterricht

„Das Fach ist für unsere Schule ganz wichtig“, sagt Heiko Reese. Nicht einmal die Hälfte eines Jahrgangs nehme teil am evangelischen oder katholischen Religionsunterricht, weil sie einer anderen Religion angehören oder konfessionslos sind. „Werte und Normen hat gefehlt.“ Die Landesschulbehörde sei lange vorsichtig damit gewesen, man habe während der nun abgeschlossenen Erprobung damit nicht an die Öffentlichkeit gehen sollen. „Man hat aber gemerkt, dass das Projekt dem Kultusministerium sehr wichtig war, und es ist sehr professionell angegangen worden.“

Bislang wird der Unterricht noch nicht benotet, sagt Heike Weiß, aber ein Curriculum für das Fach werde gerade erarbeitet, damit es ab 2022 flächendeckend an allen niedersächsischen Grundschulen unterrichtet werden kann. Dafür seien allerdings Lehrkräfte notwendig, die gerade über die Qualifizierungsmaßnahme für Werte und Normen an Grundschulen die nötigen Voraussetzungen erwerben. Sie besuchen nicht nur Weiterbildungen, sondern werden von erfahrenen Kollegen begleitet. Diese Aufgabe übernimmt Heike Weiß aktuell für eine Kollegin an der Grundschule Sulingen. Man plane den Unterricht zusammen, berichtet sie, und tausche sich über die Rolle der Lehrkraft im Unterricht aus. Die sei bei Werte und Normen anders als in den übrigen Fächern, weil nicht nur Wissen weitervermittelt werde.

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