Stephansstift nutzt tiergestützte Pädagogik

Tierhof in Sulingen: Esel bauen Brücken zu Kindern und Teens

Drei Kinder füttern ein Alpaka mit Möhren.
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Möhrchen? Aber klar! Kinder aus dem Sulinger Generationencafé des Stephansstiftes füttern die Alpakas.

Der Umgang mit Tieren als Teil der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen das ist das Konzept der tiergestützten Pädagogik, die seit einigen Jahren von Claudia Ehlers in Sulingen praktiziert wird.

  • Die Pflege von Tieren ist Teil der pädagogischen Arbeit
  • Kinder und Jugendliche übernehmen Verantwortung für die Tiere
  • Eine Inklusionsprojekt mit Tieren ist angedacht

Sulingen – Den Stall ausmisten als pädagogische Aufgabe? Was nach Strafarbeit aus dunkler Vergangenheit klingt, ist Teil moderner Arbeit mit Kindern und Jugendlichen – und wird von ihnen sogar geschätzt, berichtet Claudia Ehlers, die ehrenamtlich bei der Arbeit für die Stephansstift Evangelische Jugendhilfe Mittelweser in Sulingen und dem Sulinger Wichtelgarten auf tiergestützte Pädagogik setzt.

„Ich bin gerne bei den Eseln, weil ich mich da beruhigen kann und alles um mich herum vergesse“, zitiert die Erzieherin aus einer Nachricht der elfjährigen Nahla, die weiter schreibt: „Es tut gut, mit den Tieren zusammenzusein.“ Das Mädchen gehört zu den drei bis vier Kindern und Jugendlichen im Monat, die sich im Rahmen ihrer Betreuung durch das Stephansstift um die Tiere auf dem Gelände der Sulinger Kinderbetreuungseinrichtung Wichtelgarten kümmern.

Der Aufbau des Tierhofs habe ihr Interesse an Tieren geweckt, erinnert sich Claudia Ehlers, die als Kassenwartin mitwirkt im Vorstand des Wichtelgarten-Trägervereins. Von November 2014 bis Januar 2016 absolvierte sie berufsbegleitend eine Zusatzausbildung zur tiergestützten Pädagogik – „das war eine Herausforderung für mich, weil ich bis dahin wenig mit Tieren zu tun hatte.“ Nicht einmal ein Haustier habe sie gehabt. Den Umgang mit Tieren, inklusive Fütterung, Versorgung und Pflege, habe sie erst von Grund auf unter Anleitung einer erfahrenen Kraft erlernen müssen.

Zusatzausbildung war Herausforderung

Im Mittelpunkt der Arbeit stehen die zwei Eseldamen Pauline und Sophia. Sie seien von Anfang an dabei gewesen, denn Esel seien sehr vielseitige Tiere, die viele Menschen „magisch anziehen“ –selbst wenn diese Angst vor Pferden haben. Gerade diese beiden Stuten seien sofort zutraulich gewesen, da sie von einem familiengeführten Hof stammten, und von dort seien sie bereits an den Umgang mit Kindern gewöhnt gewesen. Zu ihr hätten die Tiere rasch von sich aus Kontakt aufgenommen, berichtet die Erzieherin, und inzwischen sei sie für die Eselinnen eine Bezugsperson geworden.

Zum pädagogischen Einsatz kommen die Tiere – von Anfang an unter der Betreuung durch Tierarzt Willem Vorholt – bei einzelnen Kindern und Jugendlichen in Zusammenarbeit mit der sozialpädagogischen Familienhilfe des Stephansstiftes sowie bei Kleingruppen-Projekten, beispielsweise dem Generationencafé in Sulingen. Das nutzte man besonders in Zeiten von Corona gerne, weil sich draußen die Hygieneregeln gut einhalten ließen.

„Kinder übernehmen Verantwortung“

Die Arbeit mit den Tieren dreht sich vor allem um deren Pflege: Neben dem Ausmisten der Ställe gehören dazu die Versorgung mit Futter und Wasser, je nach den Bedürfnissen der Eseldamen, das Striegeln und Anhalftern, aber auch das Spazierengehen mit ihnen.

Bei den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen hat Claudia Ehlers positive Effekte bemerkt: „Die Kinder sind kontinuierlicher dabei, sie übernehmen Verantwortung und halten sich an die Regeln im Umgang mit den Tieren. Man merkt ihnen auch an, dass sie mit Freude dabei sind.“

Inklusionsprojekt ist vorstellbar

Für die Kinder seien die Esel wie Gefährten: „Sie spenden Trost, geben Sicherheit und hören zu, ohne zu widersprechen – sie sind einfach ein Bezugspunkt.“ So könnten die Kinder Vertrauen zu ihnen aufbauen und auch eine persönliche Beziehung zulassen.

Ganz wichtig sei aber auch, dass sich die Teilnehmer öffnen, weil über die Arbeit mit den Eseln ein Gespräch zustande komme. „Über die Tiere zu kommunizieren, fällt leichter – sie bauen oft eine Brücke.“

Die beiden Esel Pauline und Sophia streicheln Nahla (links) und Claudia Ehlers auf dem Tierhof des Sulinger Wichtelgartens.

Die beiden Stuten seien inzwischen um die 15 Jahre alt, aber vom Ruhestand noch weit entfernt, denn sie könnten bis zu 40 Jahre alt werden. Trotzdem sollen sie Verstärkung bekommen: Seit dem vergangenen Oktober leben im Tierhof des Wichtelgartens die Alpakastute Ramona und ihre Tochter Luna. Sie sollen ebenfalls künftig für kleine Wanderungen genutzt und so in die pädagogische Arbeit eingebunden werden – allerdings, bremst Claudia Ehlers: „Das braucht noch viel Zeit, weil wir sie ganz langsam an den Menschen gewöhnen wollen.“

Dabei soll es aber nicht bleiben: „Ich könnte mir auch gut ein Inklusionsprojekt vorstellen“, verrät Claudia Ehlers. Es solle sich richten an Kinder aus unterschiedlichen Familien, mit und ohne Handicap – „da können wir eine kleine Gruppe wachsen lassen.“

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