Flurbereinigungsverfahren dient Wiedervernässung des Sulinger Moores

Erste Arbeiten sollen schon im Winter beginnen

Ehrenamtliche Helfer des Nabu kümmern sich bereits um das Beseitigen der Birken im Sulinger Moor.
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Ehrenamtliche Helfer des Nabu kümmern sich bereits um das Beseitigen der Birken im Sulinger Moor.

Sulingen – Besen- und Glockenheide, Wollgräser, Moosbeere und Sonnentau – sie sollen künftig dort eine Heimat finden, wo aktuell noch Birken das Bild prägen im Sulinger Moor. Damit es so weit kommen kann, wurde im Oktober 2018 das vereinfachte Flurbereinigungsverfahren Sulinger Moor eingeleitet, für das nun die Plangenehmigung mit den dazugehörigen Unterlagen zur Einsichtnahme ausliegt in der Geschäftsstelle Sulingen des Amtes für regionale Landesentwicklung Leine-Weser (ArL). Thomas Baalmann, dort Projektleiter für dieses Verfahren, richtet den Blick bereits weiter: Die ersten Arbeiten vor Ort sollen bereits im Winter beginnen – „es ist ungewöhnlich für eine Flurbereinigung, dass wir so schnell erste Maßnahmen umsetzen.“

Das Hauptziel des Verfahrens sei die Wiedervernässung des Sulinger Moores. Der Bereich sei bereits vor Jahren schon einmal Teil einer Flurbereinigung gewesen, und nun umfasse das Verfahrensgebiet eine Fläche von 917 Hektar, angrenzend an die Ortschaften Lindern, Coldewey und Brünhausen. Der Kernbereich sei das eigentliche Moor mit einer Fläche von 381 Hektar, und der liege in einem Landschaftsschutzgebiet. Im Mittelpunkt der Maßnahmen stehe dabei eine Fläche von 82 Hektar südlich des Schafdamms, wo möglichst schnell mit den Arbeiten begonnen werden solle, damit das Regenwasser nicht länger über die alten Entwässerungsgräben für den Torfabbau abfließt.

Durch die Trockenheit nach der Entwässerung sei dort in den vergangenen 30, 40 Jahren ein Birkenwäldchen entstanden, erläutert Thomas Baalmann. Die Bäume verstärken durch die Verdunstung über die Blätter die Austrocknung, wodurch der Torf mit Sauerstoff in Berührung kommt. Dadurch zersetze er sich und gebe Kohlendioxid frei. Dieser Prozess soll mit der Wiedervernässung aufgehalten werden, zudem böte sie neuen Lebensraum für Torfmoose, die weiter Kohlendioxid speichern.

Flächen werden von Birken befreit

In einem ersten Schritt sollen daher die betreffenden Flächen vor allem von Birken befreit werden. Zusätzlich will man die alten Kanten des Torfabbaus wieder abflachen, auf rund 30 Hektar Fläche. Die Ausschreibung laufe bereits, sodass zwischen November und Februar die Bäume beseitigt werden können, avisiert Baalmann. Anschließend sollen im zweiten Schritt die alten Gräbern verfüllt werden, und mittels Wällen werde ein Kammersystem mit Wasserständen unterschiedlicher Höhe angelegt. Dabei müsse Rücksicht genommen werden auf die heimische Schlingnatter, weswegen diese Arbeiten erst im August oder September des kommenden Jahres ausgeführt werden können. „Das muss aber bald passieren, damit keine neuen Birken hochkommen.“

Im Laufe des Verfahrens, voraussichtlich im kommenden Frühjahr oder Sommer, sollen zudem in den drei Ortschaften Straßen auf rund sechs Kilometern Länge in bituminöser Bauweise ausgebaut werden; weitere vier Kilometer im Sulinger Moor werden, laut Plan, 2022 als Schotterwege hergestellt.

Die Schafe sollen Pfeifengras und Gehölze kurz halten, um die Pflege zu erleichtern.

Die Kosten des Verfahrens inklusive Vermessung belaufen sich auf rund 1,2 Millionen Euro. Gut 50 Prozent davon werden aus EU-Mitteln finanziert, weitere 25 Prozent stammen aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe Agrarstruktur und Küstenschutz und die restlichen Kosten, die ansonsten von den Eigentümern getragen werden müssten, übernimmt die Stadt Sulingen als Beitrag für den Klimaschutz. Die Maßnahmen zur Wiedervernässung selbst mit Kosten von rund 300 000 Euro trägt dagegen der Nabu.

Die Kommune zählt auch, ebenso wie der Nabu, zu den fast 260 Teilnehmern im Verfahrensgebiet; im Kernbereich seien es noch 75 Eigentümer, so Baalmann. Maßnahmen seien nur möglich, wenn sie von den Eigentümern gestattet werden, wenn die betroffenen Flächen verkauft werden oder wenn im Zuge der Flurbereinigung die Eigentümer eine Ersatzfläche erhalten. Gut 70 Hektar im Wert von rund 150 000 Euro habe man im Vorfeld bereits „herauskaufen“ können, berichtet der Projektleiter, und die Stadt, die Nabu-Ortsgruppe und die Jagdgenossenschaft Sulingen II brächten sich mit ihren Flächen ein.

Bereits vor zehn Jahren habe der Nabu mit den Überlegungen zur Wiedervernässung begonnen, erinnert sich Bernhard Köstermenke von der Ortsgruppe Sulingen, aber der Moorschutz sei vorher schon immer wieder mal Thema gewesen.

Nabu engagiert sich bereits im Moor

Etwas südlich des Kernbereichs habe die Ortsgruppe Flächen kaufen und bearbeiten können – „das entwickelt sich toll.“ Viele moortypische Pflanzen, die andernorts nur noch kleinräumig vorhanden seien, hätten sich wieder angesiedelt, aber auch Tierarten wie Waldei2dechse, Nachtschwalbe, Waldschnepfe oder Moorfrosch.

Im Laufe des Verfahrens spreche man mit weiteren Eigentümern im Verfahrensgebiet, um eventuell den Bereich der Wiedervernässung weiter ausdehnen zu können: „Im Idealfall bekommen wir noch 80 Hektar zusätzlich.“

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