Projektwoche im Gymnasium Sulingen

Persönliche Erfahrungen beim ISAF-Einsatz in Afghanistan

Ein Bundeswehrsoldat spricht auf einer Bühne.
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Über seine persönlichen Erfahrungen als Soldat in Afghanistan berichtete Oberstleutnant Richard Stöver.

Sulingen – Das Thema Afghanistan rückte durch den Abzug ausländischer Streitkräfte im Sommer wieder vermehrt ins Bewusstsein. Eindrücke aus eigenem Erleben vermittelte jetzt Oberstleutnant Richard Stöver im Gymnasium Sulingen Schülerinnen und Schülern der 13. Jahrgangsstufe.

Der 49-Jährige, aktuell stationiert beim Joint Support and Enabling Command der Nato in Ulm, war im Laufe seiner Dienstzeit mehrfach in Auslandseinsätze eingebunden. Neben zwei Einsätzen als Teil der KFOR-Truppen 1999 und 2001 nahm er 2006 als unbewaffneter Militärbeobachter Teil an einer Mission der Vereinten Nationen im Sudan. Von Juni 2011 bis Februar 2012 gehörte er schließlich als Offizier für militärisches Nachrichtenwesen dem Bundeswehrkontingent der ISAF in Kunduz an.

Der Auftrag sei gewesen, ein sicheres und stabiles Umfeld zu schaffen durch die Stärkung der Provinzregierung, die Ausbildung der afghanischen Armee und den Aufbau demokratischer Strukturen. Während seines Aufenthalts habe die Bundeswehr die Strategie des „Partnerings“ verfolgt, wobei in sogenannten Ausbildungs- und Schutzbataillonen (ASB) deutsche und afghanische Kräfte zusammen vorgingen – allerdings habe sich die Bundeswehr nur dann militärisch engagiert, wenn sie von der afghanischen Armee angefordert wurde.

Schwierige Zusammenarbeit mit diversen Akteuren

Die Zusammenarbeit sei nicht immer einfach gewesen, berichtete Richard Stöver. Zwar seien die afghanischen Kräfte hoch motiviert gewesen, aber zum damaligen Zeitpunkt hätten sie sich auch schon seit 20 Jahren in Kämpfen im eigenen Land befunden. Die Kommandostruktur sei anders gewesen als bei der Bundeswehr, Ausstattung und Versorgung der einheimischen Soldaten lückenhaft. Teilweise hätten sie ihre Waffen verkauft, weil sie schon seit Monaten keinen Sold mehr erhalten hätten.

Die Vielzahl an „Playern“ im Land habe ebenfalls zu Schwierigkeiten geführt. Auf afghanischer Seite habe es neben der Armee noch verschiedene lokale und überregionale Polizeieinheiten gegeben, dazu den Inlandsgeheimdienst und örtliche Milizen zum Selbstschutz der Ortschaften: „Da waren die Zuständigkeiten nicht immer klar.“ Auch eine Kooperation mit den an die 1 200 NGOs im Land sei nicht reibungslos verlaufen und selbst mit den Verbündeten habe es Abstimmungsschwierigkeiten gegeben, beispielsweise, wenn es in der Nacht einen Einsatz von Spezialkräften in einem Ort gegeben habe und am nächsten Tag Kräfte des ASB unvorbereitet dort eingetroffen seien. „Die Koordination war bis zum Schluss nicht eindeutig geklärt.“

Zustand der afghanischen Armee lange bekannt

Der Zustand der afghanischen Armee sei bereits 2011 bekannt gewesen und habe sich seither nicht wesentlich geändert. Und schon damals sei auch klar gewesen, dass die Bundeswehr nicht alleine im Land bleibt, wenn die US-Armee abzieht.

Im Anschluss beantwortete Stöver die Fragen aus der Schülerschaft – „der härteste Fragensteller vor und nach dem Einsatz ist die eigene Familie“, betonte Richard Stöver. Über die sei auch der Kontakt entstanden, denn ein Sohn Stövers gehört der 13. Jahrgangsstufe des Gymnasiums Sulingen an.

Unterschiedliche Angebote in der Projektwoche

Der Vortrag passe gut in den Unterricht, erklärte Christian Kramer, Fachobmann Politik-Wirtschaft des Gymnasiums, denn das Rahmenthema für das Semester laute „Internationale Sicherheits- und Friedenspolitik“. Aktuell behandele man den Mali-Konflikt und die Zerbrechlichkeit von Staaten: „Aufgrund der Aktualität sind das hoch spannende Fragen.“

Eingebunden war die Veranstaltung in die Projektwoche des Gymnasiums, die noch bis Freitag andauert. „Wir nutzen die Woche, um etwas Neues zu machen und Defizite auszugleichen“, sagte Schulleiterin Dagmar Gerding. Dabei gehe es nicht vordergründig um fachliche Defizite, sondern um Angebote, die infolge der Pandemie zeitweilig nicht möglich waren. So seien mehrere Klassen unterwegs und machten eine Exkursion zum Klimahaus in Bremerhaven, eine Klasse verbringe den Montag im Hallenbad oder es seien Methodentage angesetzt. Weil während der Zeit des Distanzlernens das Sprechen zu kurz gekommen sei, gebe es beispielsweise Konversation oder Debatten in einer Fremdsprache, in Deutsch befasse sich ein Modul mit Ausdruck und Stil, in den Naturwissenschaften werde experimentiert, und in Mathematik gehe es darum, ohne den Taschenrechner auszukommen. Für die Oberstufe gebe es die Berufsberatung, aber auch Angebote zum Stressmanagement. Während die Jahrgangsstufen 5 bis 11 klassenweise in den Projekten arbeiten, sind für die Oberstufe verschiedene Module vorbereitet, aus denen die Schüler jeweils fünf auswählen konnten. „Das ist ein bunter Strauß an Möglichkeiten“, lobte Dagmar Gerding.

Viel Aufwand für die Vorbereitung

Viel Arbeit und Herzblut hätten die Lehrkräfte dort hineingetragen, denn „es ist dem Kollegium ein großes Anliegen, die Schülerinnen und Schüler abzuholen.“ Dafür sei viel Aufwand in der Vorbereitung betrieben worden, um passgenau etwas für jede Klasse anbieten zu können. Vor allem im Miteinander sei in der Pandemie viel verloren gegangen, aber dafür böten sich die Projekte an, weil in Gruppen etwas erarbeitet werde. „Wir glauben, hier können wir die Schülerinnen und Schüler gut unterstützen, und das war den Aufwand wert“, betont die Schulleiterin.

Als Zeitpunkt dafür sei die eigentliche „Wanderwoche“ vor den Herbstferien gewählt worden – die werde voraussichtlich vor den Osterferien nachgeholt, denn die Schüler sollten auch wieder in ihren Klassen unterwegs sein.

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