100 Jahre Bauverein Sulingen eG

Eisenbahner legen Grundstein – ein Blick auf die Entwicklung

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Vor der Geschäftsstelle am Vogelsang: Ingrid Lühs und Detlef Detlefsen.

Sulingen – Detlef Detlefsen ist erst seit Anfang Juni hauptamtlicher Geschäftsführer des Bauvereins Sulingen eG und erst seit drei Wochen Einwohner des Mittelzentrums – aber „ich habe mich mit der Geschichte der Genossenschaft beschäftigt. Es ist schon kurios, dass Eisenbahner deren Gründung in Gang gebracht haben, dabei haben wir hier nicht mal mehr einen Bahnhof.“ Gemeinsam mit Ingrid Lühs, bis 2009 selbst hauptamtlich und jetzt, ebenso wie Markus Winter, nebenamtlich im Vorstand tätig, spricht er über die Entwicklung des vor hundert Jahren gegründeten Bauvereins Sulingen.

Direkt nach dem Ersten Weltkrieg, in einer Zeit wirtschaftlicher Depression, wurde der Bau der Bahnline Nienburg-Diepholz fortgesetzt, wodurch Sulingen ein neuer Eisenbahnkreuzungspunkt wurde. Viele Bahnbedienstete wurden hierher versetzt, für die es keine Wohnungen gab. So zählten viele Eisenbahner am 19. Juli 1919 zu den Gründungsvätern des Bauvereins. Von Beginn an ging es darum, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Bei der ersten Generalversammlung, 1920, hatte der Bauverein bereits 83 Mitglieder – „und die haben mit Schwung gebaut, bereits 1921 waren die ersten sechs Wohnungen fertig, an der Nienburger Straße und der Oberen Straße, 1922 vier weitere“, weiß Detlefsen. Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Wohnungsnot größer als je zuvor, da viele Vertriebene nach Sulingen kamen. „In den Fünfzigern wurden die Neubauten im Bereich Schwafördener Weg, ,Am Wolfsbaum‘ und Vogelsang errichtet“, berichtet Ingrid Lühs. „In den Sechzigern hat die Genossenschaft, etwa bis 1980, mengenweise Betreuungsbauten realisiert – das heißt, wir haben für Bauherren mit öffentlichen Fördermitteln  Objekte gebaut und dann verkauft, etwa im Feldgärten-Bereich. Um das Jahr 2000 haben wir das noch einmal aufgegriffen, da gab es ja eine gute öffentliche Förderung.“

Aktuell hat der Bauverein 605 Mitglieder, vermietet 416 Wohnungen, zwei gewerbliche Einheiten an der Bassumer Straße – in denen ist das Familiengesundheitszentrum Sulinger Land ansässig – und verwaltet 15 Wohnungen im Eigentümerauftrag. „Mieter“ gibt es in dem Sinne nicht: Die Bewohner sind Mitglieder der Genossenschaft, schließen einen Nutzungsvertrag ab – was einige Vorteile hat, beispielsweise lebenslanges Wohnrecht.

Soziale Leistungen kamen zum Leistungsspektrum des Bauvereins hinzu, „der demografische Wandel macht vor uns ja auch nicht halt“, stellt Detlefsen fest. „Es geht darum, den älteren Mietern selbstbestimmtes Wohnen zu ermöglichen, so lange es geht.“ Die ersten Überlegungen dazu gab es vor 25 Jahren, erinnert Ingrid Lühs. „Mittlerweile bieten wir unseren Mitgliedern im Monat etwa 25 Veranstaltungen, vom Mieterkochen bis zum Klön-Frühstück, wir besuchen unsere Mieter auch.“ Hinzu kommt Hilfe bei Behördengängen, beim Einkaufen. Darauf können auch die Bewohner der Service-Wohnanlagen „Mittendrin I und II“ zurückgreifen, an deren Planung der Bauverein beteiligt war und in denen die Räumlichkeiten für die Veranstaltungen bereitstehen.

„Der Löwenanteil unserer Wohnungen ist Bestand aus den Fünfzigern. Der Gebäudegenerationswechsel ist teilweise nur mit Vollmodernisierung zu lösen – und das ist für uns natürlich die ganz große Herausforderung“, bekundet Detlef Detlefsen. „Denn wir streben auch weiterhin sehr moderate Mieten an, trotz der Kostensteigerungen für Handwerks- und Dienstleistungen.“

Zur offiziellen Feier anlässlich des Jubiläums bittet die Genossenschaft geladene Gäste aus Handwerksbetrieben, von der Stadt, Bauherren und „Kollegen“ aus der Arbeitsgemeinschaft der Wohnungsbaugenossenschaften in Nordwest-Niedersachsen für Freitag, 19. Juli, in die Wohn- und Serviceanlage „Mittendrin I“ an der Langen Straße. Für Samstag, 17. August, ist ein „Mieterfest“ für die Mieter und Mitglieder auf dem Außengelände der Geschäftsstelle (Am Vogelsang 13) in Planung.

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