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Ein Gabelstapler für Litauen im Gepäck

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Von: Harald Bartels

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Zwei Männer stehen hinter einem Lkw-Auflieger.
Einen Lkw-Auflieger voller Hilfsgüter und mehr bringen John Henrik Landwehr (links) und Friedhelm Hartkamp mit zwei Mitstreitern nach Litauen. © Bartels

Der 28. Hilfstransport aus Sulingen nach Litauen startet am Sonntag.

Sulingen – Knapp zwei Wochen dauert das Aufladen, bevor es am Sonntag losgeht: Bereits zum 28. Mal machen sich der Groß Lessener Friedhelm Hartkamp und Mitstreiter mit einem Hilfstransport auf den Weg nach Litauen.

Begleitet wird er von John Henrik Landwehr von der Sulinger Unternehmensgruppe „Gerdes + Landwehr“, die erneut eine Zugmaschine samt Auflieger zur Verfügung stellt. Ebenfalls dabei ist bereits zum fünften Mal Gerd Röttger, ein Studienfreund Landwehrs und Geschäftsführer der „inTime Express Logistik GmbH“ aus Hannover, und Andreas Körner, Geschäftsführer der Sulinger „casa Baubetreuung GmbH“.

Erstmals ein Gabelstapler mit dabei

Der Auflieger enthält eine „bunte Sammlung“: gebrauchte Bekleidung aus dem Sulinger DRK-Shop und dem Diakonissen-Mutterhaus Lemförde sowie Neuware aus dem Kaufhaus Ranck, zwei Paletten Schuhe von „Lloyd Shoes“, sechs Paletten Fliesen von Leymann Baustoffe, zehn Fahrräder, Büro- und sonstige Möbel, etwa 30 Rollatoren, Rollstühle und weiterer medizinische Hilfsmittel, 15 Öfen aus dem Ofenhaus Colnrade, Süßigkeiten von der Fischer Süßwaren GmbH aus Sulingen sowie diverse Privatspenden.

Ein besonderer Artikel ist ein gebrauchter Gabelstapler, gestiftet von „inTime“: 2021 Jahr habe man erstmals Öfen transportiert, erläutert Landwehr – die seien sehr schwer und nur mühsam alleine mit Muskelkraft vom Auflieger zu bekommen, und so habe Röttger entschieden, das Fahrzeug zu spenden.

Güter für bekannte Projekte

Gedacht sind die Artikel erneut für Projekte, die Pastor Mindaugas Kairys betreut: die Rehabilitationseinrichtung des Gabrielius-Projektes für Drogenabhängige in Silute, eine Seniorenwohnanlage in Smalininkai und das Kinderheim in Sakiai. Geplant ist, am ersten Tag gut 1 000 Kilometer zurückzulegen und, nach einer Übernachtung in Masuren, am Dienstag das Kinderheim anzusteuern, bevor es am Mittwoch zur Diakoniestation in Klaipeda geht. Die Rückkehr ist für den 18. Juni geplant.

Bedenken hat Hartkamp nicht, obwohl die Ziele in einer Region liegen, die direkt an die russische Exklave Kaliningrad, das frühere Königsberg, grenzt. Er habe in den vergangenen Wochen häufig mit seinen litauischen Kontakten telefoniert: Der Grenzverkehr verlaufe normal. „Ich hatte ein wesentlich schlechteres Gefühl, als wir vor Jahren nach Kaliningrad gefahren sind.“ Der Warenverkehr laufe normal, weiß auch Landwehr: „inTime“ versorge die Bundeswehr in Litauen, und es seien aktuell keine Gefahren bekannt. Allerdings: „Solange man hier in Sulingen sitzt, wird einem das nicht so richtig bewusst, das kommt erst, wenn man in der Nacht Berlin passiert.“ Andererseits sei auch sehr spannend, von den Menschen vor Ort zu erfahren, wie sich die Situation entwickelt und auf ihr Leben dort auswirkt.

Freude der Menschen als Motivation

Die Motivation liege darin, vor Ort neue Eindrücke zu sammeln, die ehrliche Freude der Menschen zu erleben und zu sehen, was aus den Spenden wird, betont Hartkamp. Etwa habe man 2018 Möbel aus 20 Zimmern eines Hotels auf Norderney nach Litauen gebracht, mit denen die Einrichtung in Smalininkai ausgestattet wurde. „Das ist sehr cool“, ergänzt Landwehr: Das ganze Objekt sei alleine aus Fliesenspenden gestaltet worden, bei denen es von jeder Sorte nur kleine Mengen gegeben habe. „Da muss jemand sich über Tage Gedanken gemacht und gepuzzelt haben, das ist sehr schön geworden.“ Überhaupt: „Man weiß, man macht das für Menschen, die es wirklich brauchen und es wertschätzen – da ist die nächste Woche Hilfstransport schon gebongt.“

Angesichts der Leiden der Menschen in der Ukraine aufgrund des russischen Angriffs auf ihr Land habe er bereits Mitte März auch über einen Hilfstransport für die Kriegsopfer nachgedacht, berichtet Hartkamp, aber das, was damals benötigt wurde, habe er nicht leisten können. Inzwischen habe Litauen aber – bei einer Einwohnerzahl von gut 2,75 Millionen – schon mehr als 50 000 Geflüchtete aus der Ukraine aufgenommen. Unter anderem von Geflüchteten werde auch die Kleiderkammer der Diakonie Klaipeda in Anspruch genommen, für die die gespendete Kleidung bestimmt sei: „So schließt sich der Kreis.“

Wie lange Hartkamp noch Hilfstransporte wie den jetzt 28. nach Litauen organisieren wird, steht noch nicht fest: Zu der einwöchigen Tour gehöre ja noch mehr, beispielsweise lege er pro Jahr einige Tausend Kilometer in ganz Deutschland zurück, um Spenden einzusammeln. Er habe auch viele Mitstreiter, die ihn beim Spendensammeln und Verladen unterstützen, lobt der 68-Jährige. Und lacht: „Die 30 vollzumachen, habe ich mir vorgenommen.“

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