Horst Wiesch würdigt Robert Enders

Kunstwerke markieren Eckpunkte der Entwicklung Sulingens

Der Brunnen „Der Zeitungsleser“.
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Den Brunnen „Der Zeitungsleser“ an der Lindenstraße schuf Robert Enders im Jahr 1993.

Sulingen – Das Sulinger Stadtbild prägen die Werke von Robert Enders nachhaltig – in der Innenstadt ebenso wie in den Ortschaften hat er mit seinen Arbeiten Spuren hinterlassen. Für manche Passanten mögen sie bloße Dekoration sein, für andere Betrachter haben sie eine tiefere Bedeutung. Zu ihnen zählt Horst Wiesch, ein früherer Weggefährte des Künstlers.

Die Stadt Sulingen zählte zu den größten Auftraggebern von Robert Enders (wir berichteten), und als Mitarbeiter der Stadtverwaltung hatte Horst Wiesch häufig mit ihm zu tun. Von 1977 an war er in Sulingen tätig, zunächst als Inspektor, dann Leiter des Ordnungsamts, Dezernent für Bauordnung und Personalorganisation und zuletzt als stellvertretender Stadtdirektor, bevor er 2000 zum Samtgemeindebürgermeister von Bruchhausen-Vilsen gewählt wurde.

Drei von Robert Enders’ Arbeiten habe er im Entstehen begleitet, erinnert sich Horst Wiesch: die Bronzeplastik „Der Sensenschmied“ aus dem Jahr 1991, vier Jahre später die Neugestaltung des bereits 1973 geschaffenen Froschbrunnens im Zuge der Stadtkernsanierung sowie die 2000 fertiggestellte Bronzeplastik „Europa und die neun Musen“. „Ich habe quasi die Verbindung gehalten zwischen der Stadt und dem Künstler.“ So sei er etwa zusammen mit Robert Enders zu den Gießereien gefahren, welche die einzelnen Teile der „Europa“ fertigten, und habe dort mit ihm gemeinsam die Ergebnisse begutachtet.

„Der Sensenschmied“ erinnert an die Geschichte der Schmiedestraße in Sulingen.

Begegnet sei er Robert Enders und seiner Arbeit aber schon weit früher: Er könne sich noch daran erinnern, wie er als Kind verfolgt habe, dass der Künstler über Jahre hinweg aus einem riesigen Steinquader die „Mahnenden Hände“ herausarbeitete. Sie erinnern seit 1964 als Mahnmal im Sulinger Mühlenhofpark an die Schrecken von Krieg und Gewalt und sind alljährlich der Schauplatz für die zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag.

„Robert Enders war ein Sohn dieser Stadt, und er hat mit seinen Skulpturen Punkte gesetzt in der Stadt“, betont Horst Wiesch. Vielen Menschen sei heute gar nicht mehr bewusst, dass es sich dabei um Enders-Werke handele, ob Skulpturen oder andere Arbeiten. Beispiele dafür sind das großformatige Wandmosaik im Sulinger Hallenbad von 1977, der „Ortschaftsbrunnen“ aus dem Jahr 1989 auf der Grünfläche vor dem Sulinger Rathaus oder die beiden Wandreliefs aus Leichtmetall namens „Alt- und Neu-Sulingen“, die seit 1962 den Sitzungssaal im Rathaus zieren.

Das Werk „Mahnende Hände“ fordert im Mühlenhofpark auf, die Schrecken des Krieges nicht zu vergessen.

All diese Werke seien jedoch nicht nur Kunstwerke: Sie zeigten auch die Entwicklung Sulingens, erklärt Horst Wiesch. So stehe der „Sensenschmied“ für die Bedeutung des Handwerks in der Schmiedestraße, die Reliefs im Sitzungssaal bildeten die Geschichte der Stadt ab und der Froschbrunnen erinnere humorvoll an die Konflikte zwischen dem Schützenverein von 1848, den „Ützen“, und der Schützengesellschaft von 1896, den „Piedelpoggen“.

Dieses Wissen um die Hintergründe gelte es zu bewahren, mahnt er, und dabei könne der künstlerische Nachlass des im Jahr 2003 Verstorbenen eine wichtige Rolle spielen. Zugleich ließen sich an seinen Werken und den begleitenden Dokumenten auch die verschiedenen Phasen seines Schaffens ableiten. Das könne beispielsweise für den Kunstunterricht am Gymnasium Sulingen von Interesse sein, wo Robert Enders selbst auch viele Jahre als Kunsterzieher wirkte, nennt Horst Wiesch ein Beispiel.

„Europa und die neun Musen“ am Eingang zum Sulinger Stadttheater.

„Ich weiß, wie intensiv Robert Enders an seinen Skulpturen gearbeitet hat“, bekräftigt Wiesch, die „Europa“ habe er beispielsweise schon als „von Krankheit gezeichneter Mann“ vollendet. „Deswegen ist es eine ganz wichtige Aufgabe, die Erinnerung an diesen Künstler aufrechtzuerhalten.“

Inzwischen habe sich ein Unterstützerkreis gebildet aus Personen, die ein großes Interesse daran haben, den künstlerischen Nachlass von Robert Enders in der Stadt Sulingen und für die Öffentlichkeit zugänglich zu erhalten. In welcher Form und wann das geschehen kann, sei aber noch zu klären.

Ich weiß, wie intensiv Robert Enders an seinen Skulpturen gearbeitet hat, deswegen ist es eine ganz wichtige Aufgabe, die Erinnerung an diesen Künstler aufrechtzuerhalten.

Horst Wiesch

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