Einblick in Arbeit der DRK-Rettungswache Sulingen

Alltag im Rettungsdienst: „Patient ist Patient“

In der DRK-Rettungswache in Sulingen: Leiter Dirk Fullriede (rechts) und Notfallsanitäter Klaus Hische vor dem Notarzteinsatzwagen.
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In der DRK-Rettungswache in Sulingen: Leiter Dirk Fullriede (rechts) und Notfallsanitäter Klaus Hische vor dem Notarzteinsatzwagen.

Sulingen – An erster Stelle stehen Beleidigungen und Beschimpfungen: Der Bundesverband des Deutschen Roten Kreuzes hat Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu „Erfahrungen zur Gewalt gegen Rettungskräfte“ befragt, die Studie im Februar veröffentlicht. Nachgefragt bei Dirk Fullriede, Leiter der DRK-Rettungswache in Sulingen: Hier können die Einsatzkräfte ungehindert ihrer Arbeit nachgehen, stellt er fest.

Fullriede erklärt das unter anderem damit, dass die Rettungskräfte angefordert würden: „Der Patient möchte ja etwas von uns.“ Die Helfer, die man selber gerufen habe, werde wohl kaum jemand mit Beleidigungen oder Beschimpfungen empfangen. Dass den Rettungsteams nicht negativ begegnet werde, liege ebenso an der ländlichen Struktur. Im Bericht aus der DRK-Zentrale werden innerstädtische Bereiche und „soziale Brennpunkte“ als Hauptorte genannt, in denen – zumeist verbale – Übergriffe gegen Rettungskräfte zu verzeichnen sind. Die Dankbarkeit, dass Hilfe in Form der Rettungskräfte vor Ort ist, überwiegt im ländlichen Bereich. In dem zumeist nicht ausgewählt werden kann, in welche Klinik es gehen soll, es geht darum, es rechtzeitig in helfende Hände zu schaffen.

Und die Teams der Rettungswachen im Landkreis Diepholz würden sich zudem aus Menschen zusammensetzen, die man auch privat kennt, gibt Dirk Fullriede zu bedenken. Die Einsatzkräfte seien damit Menschen „wie du und ich“ und nicht fremde Individuen, deren Beleidigung so vielen so leicht zu fallen scheint.

Darüber hinaus kann Dirk Fullriede feststellen, dass es „Nachwuchs“ an Fachkräften gibt: „Wir haben keine Sorge, unsere Ausbildungsplätze zu besetzen.“ Es liegen dafür also genügend Bewerbungen vor? „Ja.“ Und die über drei Jahre ausgebildeten Fachkräfte wiederum finden einen gesicherten Arbeitsplatz in den DRK-Strukturen im Landkreis, sagt er. Die Zahl der Bewerbungen habe nicht abgenommen während der Pandemie. Die habe die Bewerber nicht abgeschreckt, im Gegenteil: „Viele haben gesehen, wie verletzlich eine Gesellschaft ist und wollen helfen, sie zu stützen.“

Und wie hat sich Corona auf den Alltag innerhalb der Rettungswache ausgewirkt? Auch da bleibt Dirk Fullriede entspannt: „Am Anfang der Pandemie waren die Patienten eher verunsichert. Sie wussten nicht, welchen Quellen sie vertrauen konnten, wer sie sicher informierte. Wir haben dann Aufklärungsarbeit vor Ort geleistet. Also, was in unserer Macht stand.“ Die Informationslage habe sich ja ständig geändert, laufend seien neue Erkenntnisse geteilt worden. Innerhalb des DRK habe es einen konstanten Fluss an Informationen gegeben, sodass alle Mitarbeitenden stets auf dem neuesten Stand gewesen seine. Handschuhe, Hygienemaßnahmen – Alltag für die Mitarbeiter im Rettungsdienst, auch ohne Pandemie. Neu hinzu kam die Maske. Nicht nur für die Rettungskräfte, auch die Patienten. Exemplare lägen heute bereit, wenn sie der Patient (und auch die Angehörigen drumherum) nicht schon tragen würden.

Die anfängliche Unsicherheit habe über einen Zeitraum von etwa vier Wochen zu einem Rückgang der Einsätze geführt. Aber dann sei schnell wieder der übliche Alltag eingekehrt – allerdings ohne die Großveranstaltungen und Sportunfälle wie sonst, ergänzt Notfallsanitäter Klaus Hische.

Zu Beginn der Pandemie hätten viele Patienten auch deshalb eher nicht den Rettungsdienst gerufen, weil sie befürchteten, sich in der Klinik anzustecken. „Da waren die Übertragungswege des Virus’ vielen nicht bekannt, die Menschen hatten Angst, sich in der Klinik zu infizieren. Die Hygienevorschriften in den Krankenhäusern aber bestanden ja schon vor der Pandemie, speziell auch bei Infektionskrankheiten.“

Auch der Einsatz der Masken sei ja anfangs kontrovers diskutiert worden: Wer soll sie tragen? „Da hat ein Umdenken stattgefunden“, erklärt Dirk Fullriede. Aufseiten des DRK im Landkreis Diepholz habe zu keiner Zeit ein Mangel an Ausrüstung geherrscht. Jederzeit habe allen Rettungskräften genügend Schutzkleidung zur Verfügung gestanden. Die ist aber nur ein Teil im Kampf gegen die Pandemie. Sind eigentlich alle Rettungskräfte geimpft? „Ja, das sind sie“, bestätigt Dirk Fullriede. Und auch, dass die Impfung ein sicheres Gefühl bedeute für die Rettungskräfte. „Wir sind zwar nicht so lange am Patienten wie etwa Pflegekräfte bei den vulnerablen Menschen, aber vom jeweiligen Einsatzort bis zur Übergabe in einer Klinik vergeht doch ein gewisser Zeitraum.“ Nicht ein Mitarbeiter sei übrigens an Corona erkrankt.

Dass die Rettungskräfte geimpft wurden, sei überraschend gekommen: Noch bis Mitte Dezember seien sie in der Priorisierungsstufe drei eingeordnet gewesen. „Die Priorisierung haben ja nicht wir veranlasst, das ist eine Sache, die in Berlin entschieden wird. Da haben wir keinen Einfluss drauf. Was ich nicht ändern kann, muss ich akzeptieren“, sagt Fullriede. Quasi „über Nacht“ sei dann aber ein Umdenken in der Regierung erfolgt, weshalb auch Rettungskräfte in die Priorisierungsgruppe eins aufgenommen wurden. Alle Rettungskräfte des DRK hätten das Impfangebot angenommen. Fullriede betont erneut, dass die Schutzausrüstung jederzeit zur Verfügung stehe, aber dennoch: Die Impfung sei eine „Kopfsache“ gewesen, mit ihr sei das Sicherheitsgefühl gestiegen.

Apropos Kopfsache: Was ist mit den Eindrücken, mit Ängsten? Das System umfasse regelmäßige Supervision, interne Strukturen, um belastende Einsätze oder Situationen aufzugreifen.

Und was ist mit sogenannten Querdenkern? „Wir ergreifen keine Partei. Patient ist Patient.“

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