Mit „Capo Caccia“ beginnt es

Dominik Cyrkel will Sulinger „Ratskeller“ von Grund auf sanieren

Die gerade erst gebaute Terrasse für die Außengastronomie wird im Herbst wieder entfernt, wenn das Dach neu gedeckt wird. In den Obergeschossen sollen in den nächsten Jahren Wohnungen entstehen.
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Die gerade erst gebaute Terrasse für die Außengastronomie wird im Herbst wieder entfernt, wenn das Dach neu gedeckt wird. In den Obergeschossen sollen in den nächsten Jahren Wohnungen entstehen.

Sulingen – „Man muss Lust auf so etwas haben“, antwortet Dominik Cyrkel auf die Frage, was ihn antreibt, sich des Großprojektes „Ratskeller“ in Sulingen anzunehmen: „Ich habe Interesse an der Historie. Es ist faszinierend zu sehen, wie früher gebaut wurde. Und dann die Geschichten, die sich um dieses Haus ranken...“

Mitte Juni hat der 40-Jährige das sanierungsbedürftige Gebäude an der Kirchenkreuzung erworben, das seit 2004 das Restaurant „Capocaccia“ beherbergt. Irgendwie habe alles zusammengepasst, sagt Cyrkel: „Der Eigentümer hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt, zu verkaufen, und ich habe eine Herausforderung gesucht.“ Er habe sich zur Aufgabe gemacht, den „Ratskeller“ von Grund auf zu renovieren und das Gebäude für das Sulinger Stadtbild zu erhalten.

Neuer Inhaber ist Dominik Cyrkel, die Pläne für die Sanierung hat sein Vater Wolfgang Cyrkel (links) erstellt.

„Das historische Gesamtbild soll originalgetreu nachgebildet werden – vorne muss ich, hinten möchte ich“, erklärt der aus Maasen stammende Kaufmann: „Der vordere Teil steht unter Denkmalschutz.“ Er stehe in engem Kontakt mit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises. Und mit der Stadt Sulingen. Cyrkel: „Die Beratung ist gut, die Unterstützung im Genehmigungsverfahren auch. Ich habe das Gefühl, man ist froh, dass hier etwas passiert.“

Rund 1,5 Millionen Euro an Investitionen

Als Zeitfenster für die Sanierung nennt Cyrkel „drei bis vier Jahre“, an Investitionskosten kalkuliert er rund 1,5 Millionen Euro. Gefördert wird die energetische Sanierung über die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Vorrang habe die Renovierung des Restaurants, erklärt der 40-Jährige: Es soll im August wieder öffnen. Der bisherige Pächter, Fabrizio Soro, wird sich als Küchenchef auf das kulinarische Angebot konzentrieren. Die Speisekarte soll nach der Neueröffnung als „Capo Caccia“ – so heißt die Landzunge nahe Soros Heimat Alghero – um vegane und vegetarische Gerichte, sardische Spezialitäten und Getränke erweitert werden.

„Wir werden nicht alles ändern, aber neue Akzente setzen und frischen Wind in das Restaurant bringen“, kündigte Cyrkel an. Ende Juni hat er sich, zusammen mit Fabrizio Soro, in Sardinien in puncto Ausstattung und Kulinaria Anregungen geholt. Das Mobiliar wird teilweise aufgearbeitet, teilweise ausgetauscht. Neu wird etwa ein Bereich mit Stehtischen mit Bar-Charakter eingerichtet, an denen Getränke und kleine Gerichte serviert werden. Vom 15. März bis zum 15. Mai hatte und seit dem 1. November 2020 hatte das Restaurant coronabedingt geschlossen. Bis zur Neueröffnung bietet Soro jetzt von 17 bis 21 Uhr Außer-Haus-Gerichte an.

Die Terrasse für die Außengastronomie ist bereits fertiggestellt. Provisorisch. „Wir werden sie im Herbst abbauen, wenn das Dach des Gebäudes neu gedeckt wird“, sagt Dominik Cyrkel. Danach wird die Terrasse, die nach dem neuen Konzept ausschließlich über das Restaurant erreichbar ist, festes Element – geschützt von einem gläsernen Dach. Diplom-Bauingenieur Wolfgang Cyrkel, Vater des neuen Inhabers, hat die Pläne für die geplante Sanierung erstellt.

Die Front zur Langen Straße hin verändert sich kaum, eine dauerhafte Veranda wird angebaut.

In einem nächsten Bauabschnitt sollen im zweiten und dritten Stock sechs Wohnungen entstehen. Den ehemaligen Fremdenzimmern, seit rund 40 Jahren nicht mehr genutzt, drohte der Verfall. Erhalten werden „Schätze“ wie die historischen Türen, die Holzsprossenfenster der Wintergärten oder die gusseisernen Heizkörper, erneuert wird die gesamte Haustechnik. In einem der Wintergärten hat Dominik Cyrkel sporadisch sein Baubüro eingerichtet: ein toller Blick auf den historischen Ortskern und auf fast die gesamte Länge der Langen Straße.

Noch keine Nutzungsidee hat Dominik Cyrkel für den „Goldenen Saal“. Der ehemalige Glanz lässt sich trotz der Vernachlässigung in den letzten Jahrzehnten erahnen. Vater und Sohn Cyrkel, beide begeistert von der „Bauweise mit Hand und Fuß und der Liebe zum Detail“, sind sich sicher: „Irgendwas wird uns einfallen.“

Aus der Geschichte des Ratskeller-Gebäudes

Der Ratskeller, dessen älteste Gebäudeteile aus dem Jahr 1738 stammen, war jahrhundertelang ein traditionsreiches Hotel und Mittelpunkt des kulturellen und gesellschaftlichen Lebens. Hier fanden Theateraufführungen, Musikveranstaltungen, Ausstellungen und Vorträge statt, aber auch rauschende Bälle. 1819/20 wurde das Gebäude in Hand- und Spanndiensten der Sulinger Bürger um- und ausgebaut. Bis 1852 war es im Eigentum des Fleckens Sulingen. 1911 wurde der Ratskeller erneut vergrößert, unter anderem baute man eine Veranda an. Seit 1933 hat der „Goldene Saal“, in dem bis zu 700 Personen Platz finden, seine heutige Größe. Bis Mitte der 1960er Jahre war er zentraler Bestandteil der Sulinger Vereins- und Gesellschaftsgeschichte. 1967 richtete der Verbrauchermarkt „Discount“ hier den ersten Selbstbedienungsladen Sulingens ein, von 1991 bis 1998 wurde er sporadisch wieder als Tanzsaal genutzt.

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