Drei Überfälle im Kreis Diepholz

Polizei schlägt überraschend zu - und nimmt mutmaßlichen Mehrfach-Räuber fest

Der maskierte Täter flüchtete durch den Zugang des Verkaufsraums auf der Seite der Lkw-Parkfläche der Tankstelle, hatte seinen Wagen laut Karl-Heinz Jantzon hinter dort abgestellten Sattelzügen geparkt.
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Der maskierte Täter flüchtete durch den Zugang des Verkaufsraums auf der Seite der Lkw-Parkfläche der Tankstelle, hatte seinen Wagen laut Karl-Heinz Jantzon hinter dort abgestellten Sattelzügen geparkt.

In der vergangenen Woche ist es im Landkreis Diepholz dreimal zu Überfällen auf einen Dorfmarkt und Tankstellen gekommen. Nun vermeldet die Polizei einen Fahndungserfolg.

Update vom 22. Juli: Der Polizei gelang nach Angaben von Polizei-Sprecher Thomas Gissing am Dienstag die Festnahme des mutmaßlichen Tankstellen- Und Dorfladen-Räubers. Am Dienstag, Freitag und Sonntag der vergangenen Woche hatte ein Unbekannter zuerst einen Dorfmarkt in Schwaförden und anschließend zwei Tankstellen in Bruchhausen-Vilsen und Sulingen überfallen. Er erbeutete dabei laut Gissing jeweils unter Vorhalt einer Schusswaffe Bargeld und Zigaretten.

In den zurückliegenden Tagen wertete die Polizei im Kreis Diepholz im Rahmen ihrer Ermittlungen unter anderem Videoaufzeichnungen aus und befragte Zeugen. So sei ein 21-jähriger Mann aus dem Raum Nienburg in den Fokus der Polizei geraten, teilte Thomas Gissing weiter mit. „Kriminalistische Kleinarbeit“ habe dann den Verdacht gegen den Nienburger erhärtet. Die Staatsanwaltschaft Verden erwirkte daraufhin einen Haftbefehl.

Umfangreiche Fahnung im Raum Diepholz, Nienburg und Minden

Eine umfangreiche Fahndung im Kreis Diepholz - mit Unterstützung der Polizei Nienburg und Minden - führten Dienstag auf die Spur des 21-Jährigen. Die Polizei nahm den 21-Jährigen in Minden, in einem Überraschungsmoment, widerstandslos fest. Gegen den Festgenommenen ordnete ein Richter am Amtsgericht Verden am Mittwoch Untersuchungshaft an. Der 21-Jährige wurde anschließend in eine JVA eingeliefert.

Originalartikel vom 19. Juli: Bereits zum dritten Mal innerhalb von sechs Tagen verübte am Sonntagmorgen ein bewaffneter Täter einen Raubüberfall in der Region: Nach dem Dorfmarkt in Schwaförden am Dienstag und einer Tankstelle in Bruchhausen-Vilsen am Freitag war diesmal die Tankstelle an der „Westpoint“-Raststätte an der Friedrich-Tietjen-Straße in Sulingen das Ziel.

Kurz vor 8.30 Uhr betrat ein Mann, der eine Mund-Nasen-Maske trug, den Verkaufsraum der Tankstelle: „Der Unbekannte forderte die Kassiererin, unter Vorhalt einer Schusswaffe, auf, Wechselgeld und Zigaretten in einen mitgebrachten Beutel zu legen“, teilt Thomas Gissing von der Polizeiinspektion Diepholz mit. „Mit der Beute ging er dann zu einem Wagen, vermutlich ein Ford, und flüchtete in Richtung der Bundesstraße 214. Die 28-jährige Kassiererin blieb unverletzt, stand aber unter Schock. Eine sofort eingeleitete Fahndung mit mehreren Streifenwagen bleib erfolglos.“

Der Täter ist laut Beschreibung der Tankstellenmitarbeiterin Mitte bis Ende 20 und schlank. Bekleidet war er mit einer hellen Jeans-Hose, einem schwarzen T-Shirt und weißen Turnschuhen. „Von den Personenbeschreibungen her liegt die Vermutung sehr nahe, dass es sich um denselben Täter handelt wie bei den Fällen in Schwaförden und Bruchhausen-Vilsen“, stellt Thomas Gissing fest. „Wir haben in den vergangenen Tagen schon eine ganze Reihe von Hinweisen bekommen. Es wäre gut, wenn sich Personen, die sich am Sonntag zur Tatzeit in der Nähe der Tankstelle aufgehalten und vielleicht etwas beobachtet haben, das sachdienlich sein könnte, melden würden.“ Hinweise nehmen die Beamten der Polizeiinspektion Diepholz (Tel. 0 54 41 / 97 10) entgegen.

Gissing: „Ich glaube, dass die Kassiererinnen in allen drei Fällen genau das Richtige gemacht haben, indem sie das getan haben, was der Mann wollte. Den Helden zu spielen ist mit Sicherheit falsch – man kann in den Täter nicht reingucken, weiß nicht, ob er ernstmachen würde, wenn man sich querstellt.“ Wünschenswert sei in solchen Fällen, dass das Personal versucht, sich Dinge wie auffällige Gesten des Täters oder einen Akzent zu merken – „aber das sagt sich so leicht.“

„Die Mitarbeiterin war total aufgelöst, hat geweint. Kräfte des DRK waren vor Ort und haben sie betreut“, berichtet Karl-Heinz Jantzon von der Unternehmensgruppe Jantzon & Hocke, Verpächterin der Tankstelle. Man werde ihr auf jeden Fall anbieten und nahelegen, psychologische Betreuung in Anspruch zu nehmen.

Nach den Schilderungen der Mitarbeiterin habe der Täter zunächst Alkoholika in seinen mitgebrachten Beutel gepackt, sei dann zur Kasse gegangen und habe drei Stangen Zigaretten verlangt, die die Mitarbeiterin ihm, wie von ihm gewünscht, in den Beutel steckte, berichtet Jantzon. In dem Moment habe er seine Pistole gezogen, „Überfall“ gesagt und sie gezwungen, den Kasseninhalt ebenfalls in den Beutel zu packen. Danach sei der Täter durch den Zugang des Verkaufsraums auf der Seite der Lkw-Parkfläche der Tankstelle geflüchtet, hatte seinen Wagen laut Karl-Heinz Jantzon hinter dort abgestellten Sattelzügen geparkt – so sei das Nummernschild nicht zu sehen gewesen, als er davonfuhr.

„Früher kamen die abends im Dunkeln, maskiert, heute tragen sie die Corona-Maske und sind Frühaufsteher“, sagt Jantzon sarkastisch. Es gehe nicht um den finanziellen Verlust: „Es hat schon viele Mitarbeiterinnen gegeben, die haben nach so einem Fall gekündigt. Es tut mir unheimlich leid für die Angestellte, die ist freundlich, pünktlich, flexibel...“

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