Expertenjury besichtigt neuen Lauf für Wettbewerb „Bach im Fluss 2020“

Die Sule ist nun gut 100 Meter länger

Den neuen Lauf der Sule bei Stehlen erkundete die Wettbewerbsjury ausgiebig am Mittwoch im Rahmen einer Bereisung.
+
Den neuen Lauf der Sule bei Stehlen erkundete die Wettbewerbsjury ausgiebig am Mittwoch im Rahmen einer Bereisung.

Stehlen – Die Geduld des Frosches hatte enge Grenzen: Nach wenigen Momenten verlor er die Lust daran, von mehreren Menschen in Gummistiefeln betrachtet zu werden, und er brachte sich mit einem beherzten Satz aus dem neuen Flusslauf der Sule im Sulinger Ortsteil Stehlen in Sicherheit.

Diesem Flusslauf galt auch das eigentliche Interesse der Beobachter, denn bei ihnen handelte es sich um die Jury des niedersächsisches Gewässerwettbewerbs „Bach im Fluss 2020“. Im Rahmen dieses Wettbewerbs, getragen vom Niedersächsischen Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz, dem Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund, dem Niedersächsischen Landkreistag und dem Niedersächsischen Städtetag, besuchte die siebenköpfige Kommission am Mittwoch ein Projekt zur ökologischen Aufwertung der Sule in Stehlen.

Der neue Flusslauf entstand als Ausgleichsmaßnahme für den Bau von vier Windkraftanlagen durch die Casa Projekt GmbH. Es sei die einzige Ausgleichsmaßnahme dieser Art für Windkraft, betonte Jörg Spicker, der in Absprache mit dem Landkreis Diepholz das Konzept erstellt hatte. Ziel sei es gewesen, neben der Kompensation des Flächenverbrauchs durch den Anlagenbau, die ökologischen Verhältnisse in diesem Teil der Sule, den Hochwasserschutz und das Landschaftsbild zu verbessern. Anfangs sei für zunächst zwei Windräder eine Ersatzaue an der Kleinen Aue geplant gewesen, so der Planer, aber durch den Bau zweier weiterer Anlagen sei ein größeres Volumen möglich gewesen. Die nötige Fläche sei vom Unterhaltungs- und Pflegeverband (ULV) Große Aue vermittelt worden, nachdem deren Eigentümer, Jürgen Meyer, zuvor schon die Bereitschaft für ein solches Projekt signalisiert habe.

Nach der Neugestaltung mäandert die Sule entlang ihres alten Verlaufs.

Er stellte rund 5 000 Quadratmeter Grünland entlang der in den 1930er Jahren begradigten Sule zur Verfügung, und weitere 1 500 Quadratmeter Uferstreifen ließ der ULV in das Projekt einfließen. Dort schuf die Firma Schiltmeier (Uchte) einen neuen, mäandernden Lauf mit unterschiedlichen Krümmungen und Breiten sowie Steil- und Flachufern. Im neuen Lauf verändern zudem Wurzelstubben und Totholz die Fließgeschwindigkeit, neben sechs etwa zehn Meter langen Kiesbänken, die zugleich für einen Höhenausgleich sorgen. Dieser neue Lauf von rund 340 Metern Länge wurde bereits zwischen August und Oktober 2019 angelegt. Das alte, etwa 240 Meter lange Flussbett wurde zu einem Altarm umgestaltet, der nur noch bei Hochwasser durchflossen wird und der nach und nach verlanden soll; der Durchstich zum neuen Lauf erfolgte Ende Mai dieses Jahres.

Der neue Lauf und der Alt-arm seien so konzipiert, dass keine Unterhaltung durch den ULV nötig ist. Dennoch werde der Verband das Gewässer weiter regelmäßig kontrollieren, sagte dessen Gewässerkoordinatorin Vanessa Held.

Rund 50 000 Euro habe die Maßnahme gekostet, so Dr. Dietrich Beverborg, Geschäftsführer der Casa Projekt GmbH. Es sei relativ wenig Material benötigt worden, der größte Posten sei die Arbeitszeit gewesen. „Alles hat optimal geklappt, und es war eine wunderbare Zusammenarbeit.“

Die begradigte Sule vor der Neugestaltung. Der alte Lauf bleibt als Altarm erhalten.

Ob die Jury das Projekt ähnlich positiv beurteilt, entscheidet sich in Kürze. Elf Wettbewerbsbeiträge besuchten die Mitglieder in den vergangenen Tagen – Projekte, bei denen Fließgewässer naturnah gestaltet und entwickelt wurden. Die Experten aus Umweltministerium, Kommunen, Behörden und vom BUND bewerteten unter anderem, wie ökologisch wirksam die Maßnahmen sind, wie sie sich auf das Landschaftsbild auswirken, wie sie dem Hochwasserschutz dienen. Aber auch, inwieweit sie das öffentliche Bewusstsein für den Lebensraum Aue fördern. Die besten Beiträge in den Kategorien Hauptamt und Ehrenamt werden mit der „Niedersächsischen Bachperle 2020“ ausgezeichnet. Die Bingo-Umweltstiftung lobt einen Sonderpreis aus für das Projekt, das in einem der Bewertungskriterien besondere Leistungen zeigt und somit ein Alleinstellungsmerkmal aufweist. Einen zweiten Sonderpreis hat der Verein Fließgewässer im urbanen Raum gestiftet für innovative Maßnahmen der Gewässerentwicklung in Siedlungsgebieten und urbanen Räumen. Die Bekanntgabe der Preisträger ist für den 23. September vorgesehen, die eingereichten Projekte sollen zudem in einer Broschüre veröffentlicht werden.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

FC Augsburg nach Sieg gegen BVB Erster

FC Augsburg nach Sieg gegen BVB Erster

Bayern danken ihrem "Mr. Supercup" - Neuer: Schön vor Fans

Bayern danken ihrem "Mr. Supercup" - Neuer: Schön vor Fans

Bayern gewinnt den UEFA-Supercup: Martínez sticht als Joker

Bayern gewinnt den UEFA-Supercup: Martínez sticht als Joker

Was Autofahrer über Winterreifen wissen sollten

Was Autofahrer über Winterreifen wissen sollten

Meistgelesene Artikel

Enttäuschende Corona-Test-Situation: „Vom Gesundheitsamt alleingelassen“

Enttäuschende Corona-Test-Situation: „Vom Gesundheitsamt alleingelassen“

Enttäuschende Corona-Test-Situation: „Vom Gesundheitsamt alleingelassen“
Edeka in Barrien: Vorbereitende Arbeiten starten spätestens in vier Wochen

Edeka in Barrien: Vorbereitende Arbeiten starten spätestens in vier Wochen

Edeka in Barrien: Vorbereitende Arbeiten starten spätestens in vier Wochen
Vorzeigediscounter in Kirchweyhe: Größter Aldi-Markt der Region eröffnet am Freitag

Vorzeigediscounter in Kirchweyhe: Größter Aldi-Markt der Region eröffnet am Freitag

Vorzeigediscounter in Kirchweyhe: Größter Aldi-Markt der Region eröffnet am Freitag
Peggy Schierenbeck will für den Wahlkreis Diepholz/Nienburg I in den Bundestag

Peggy Schierenbeck will für den Wahlkreis Diepholz/Nienburg I in den Bundestag

Peggy Schierenbeck will für den Wahlkreis Diepholz/Nienburg I in den Bundestag

Kommentare