Welthospiztag: Palliativstützpunkt und „Zugvogel“ in Sulingen brauchen Unterstützer

„Die Solidarität hört mit dem Tod nicht auf“

Für die Palliativarbeit werben Petra Brackmann (links) und Bianca Sengün.
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Für die Palliativarbeit werben Petra Brackmann (links) und Bianca Sengün.

Sulingen – „Solidarität bis zuletzt.“ So lautet das Motto des diesjährigen Welthospiztages, der am 10. Oktober begangen wird. Auch das stationäre Hospiz „Zugvogel“ in Sulingen, der Palliativstützpunkt im Landkreis Diepholz und der Förderverein Palliativ- und Hospizarbeit hatten dazu einen Beitrag geplant, der jedoch aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie entfallen muss.

„Das Motto ist so schön, das hat mich gleich abgeholt“, bekennt Hospiz-Leiterin Petra Brackmann. Der solidarische Gedanke sei tief verankert, etwa in der Kranken- oder der Rentenkasse, aber „die Solidarität hört mit dem Tod nicht auf, das geht uns alle etwas an.“

„Wir wollten präsent sein mit einem Stand auf dem Neuen Markt, um auf die Palliativarbeit aufmerksam zu machen“, sagt Bianca Sengün, leitende Koordinatorin des Palliativstützpunktes. Das Thema verschwinde ja nicht – der Stützpunkt versorge immer um die 50 Patienten in ihrer Häuslichkeit, und die acht Plätze des Hospizes seien voll belegt. Durch Corona sei allerdings das Ehrenamt „weggebrochen“ – einerseits durch die Auflagen infolge der Pandemie, andererseits aber auch durch verständliche Ängste bei den Ehrenamtlichen. „Genau darüber wollten wir am Stand ins Gespräch kommen, daher bedaure ich, dass diese gemeinsame Aktion nicht stattfinden kann.“ Ziel wäre gewesen, das Nicht-Wissen über die Palliativarbeit zu verringern und Scheu abzubauen – „wir wollen vermitteln, dass die Palliativversorgung den Menschen Lebensqualität schafft.“ Ihr persönlicher Antrieb sei, eine Versorgung zu schaffen, die sie selbst gerne in Anspruch nehmen würde.

Im Hospiz sei es auch oft so, dass nicht der Patient, sondern die Angehörigen Unterstützung benötigen von den Helfern und Mitarbeitern, ergänzt Petra Brackmann. Sie selbst habe festgestellt, dass die Arbeit im Hospiz ihr die Angst vor dem eigenen Tod genommen habe: „Das kann einem Mut machen, sich damit zu beschäftigen – angefangen bei Themen wie Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht.“

Im Palliativstützpunkt werde das Ehrenamt abgedeckt durch die elf ambulanten Hospizdienste im Landkreis, erläutert Sengün – der Förderverein habe ja nach der Gründung noch gar nicht die Chance gehabt, sich aufzustellen. Interessierte könnten gerne schon Mitglied werden, den Kontakt stelle der Stützpunkt oder das Hospiz her.

Im „Zugvogel“ wirken laut Brackmann aktuell 20 Ehrenamtliche mit in unterschiedlicher Häufigkeit: Manche kämen wöchentlich, um mit den Gästen spazieren zu gehen, ihnen vorzulesen oder auch einfach nur ihre Hand zu halten, andere backten einen Kuchen für Veranstaltungen. Weitere Helfer seien herzlich willkommen, und „wir suchen jemanden, der auf unserem neuen Klavier in der Küche spielt.“

Neben der Unterstützung durch Ehrenamtliche bereitet sowohl dem Hospiz als auch dem Palliativstützpunkt die nachlassende Spendenbereitschaft in der Pandemie Sorge. Pro Jahr müssen fünf Prozent der Hospizbetriebskosten durch Spenden gedeckt werden, erinnert die Leiterin, aber „das Spendenaufkommen gibt das derzeit nicht her.“ Daher müsse man sich verstärkt um Unterstützer bemühen.

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