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Die Rechte der Kinder im Fokus bei der Sulinger Kita „Regenbogen“

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Von: Harald Bartels

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Kinder vor einem Kindergarten.
Gemeinsam zeigen die Kinder das Motto der Projektwoche. © Kindertagesstätte Regenbogen

Sulingen – Eine Malaktion auf dem Bürgersteig vor der evangelisch-lutherischen integrativen Kindertagesstätte „Regenbogen“ in Sulingen krönte am Dienstag eine Projektwoche in der Einrichtung unter dem Motto „Wir Kinder haben ein Recht auf Rechte!“.

Aus den 41 in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen festgelegten Rechten habe man sich vorab die zehn wichtigsten herausgesucht, berichtet Erzieherin Kerstin Behrens-Siedenberg: die Rechte auf Gleichheit, auf Gesundheit, auf Bildung, auf elterliche Fürsorge, auf Privatsphäre und persönliche Ehre, auf Meinungsäußerung, Information und Gehör, auf Schutz im Krieg und auf der Flucht, auf Schutz vor Ausbeutung und Gewalt, auf Spiel, Freizeit und Ruhe sowie auf Betreuung bei Behinderung. „Wir haben zuerst die Kinder gefragt, welche Rechte sie haben, und als Antwort kam ,genug zu essen haben‘ oder ,kein Streit‘, das war interessant“, sagt Behrens-Siedenberg. Für jedes der Rechte sei ein Gegenstand ausgewählt worden, der es symbolisiert, beispielsweise ein Ball für das Recht zu spielen. Zum Abschluss malten die Kinder auf den Bürgersteig vor dem „Regenbogen“ die Symbole mit Farben, die sie selbst angerührt hatten.

Hintergrund der Aktion sei, dass das Landesjugendamt von jeder Kindertagesstätte bis Juli dieses Jahres fordere, ein eigenes Kinderschutzkonzept zu erarbeiten, erläutert sie. Der evangelisch-lutherische Kita-Verband Grafschaft Diepholz habe allen Einrichtungen in seiner Trägerschaft eine gemeinsame Fortbildung in mehreren Modulen zum Thema angeboten, die im Januar des vergangenen Jahres begonnen habe und im Februar abgeschlossen werde. „Es ist super, dass der Träger dass für alle Mitarbeiter ermöglicht.“ Im Zuge der Fortbildung habe der „Regenbogen“ zusammen mit der „Demokratiewerkstatt“ im vergangenen Frühjahr eine eigene Kita-Verfassung erarbeitet. In deren Mittelpunkt stehe, dass Kinder mitbestimmen können und in welchen Bereichen – „das zieht sich durch den ganzen Vormittag.“ Das Ziel dabei sei, dass den Kindern bewusst wird, dass sie Rechte haben und dass sie lernen, für sich selbst Sorge zu tragen: „Habe ich jetzt Hunger und möchte etwas essen? Muss ich eine Jacke anziehen, wenn ich nach draußen gehe?“, nennt Behrens-Siedenberg Beispiele. Allerdings gehe es nicht darum, die Kinder alles alleine entscheiden zu lassen, sondern die Entscheidungen zu begründen und den Kindern verständlich zu machen. „Wichtig ist: Fürsorge geht vor Entscheidungsfreiheit“, betont sie.

Kinder malen mit Kreide auf einem Bürgersteig.
Symbole für Kinderrechte malten die Mädchen und Jungen auf den Bürgersteig. © Bartels

Bei der Umsetzung gebe es altersbedingt große Unterschiede: Die größeren Kinder seien eher in der Lage zu sagen, was sie wollen, und vielfach müssten die Erzieherinnen nachfragen. Der beabsichtigte Lerneffekt sei, dass die Kinder erkennen: „Ich darf sagen, dass ich etwas nicht möchte.“ Auch eine Beschwerdemöglichkeit für die Kinder sei eingerichtet worden: Sie können entweder zusammen mit einer Erzieherin formulieren, was sie stört, oder einfach ihre Beschwerde als Bild für Leiterin Kerstin Adler malen.

Die Umsetzung sei auch Thema gewesen bei einem Elternabend, den man zusammen mit Katja Fäth, der Fachberaterin für Sprachkitas, vorbereitet habe. Es gebe Eltern, die da gerade bei den Themen Essen und Bekleidung zurückhaltend seien, und auch solche, die es völlig ablehnen. Diese Bedenken müsse man ernst nehmen und gemeinsam einen Weg finden. Von einer Mutter sei beim Elternabend ein „Elterncafé“ vorgeschlagen worden als Möglichkeit, miteinander im Austausch zu bleiben.

Auch für sie als Erzieherin mit 30 Jahren Erfahrung sei das ungewohnt: „Ich muss mich da manchmal zurücknehmen und sehen, dass ich nicht in alte Muster verfalle“, räumt Behrens-Siedenberg ein. Die Umsetzung sei ein Prozess, der nicht mit der Projektwoche ende: „Ich bin ganz gespannt, wie es weitergeht und wie in Zukunft damit umgegangen wird.“

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