Projekt für den Einzelhandel ist geplatzt

Geschäfte haben kein Interesse an Lieferdienst „Sulingen bringt’s“

Wolfgang Schirmer präsentiert das Logo des Projektes „Sulingen bringt’s“.
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Das Logo des Projektes „Sulingen bringt’s“ hat Initiator Wolfgang Schirmer schon parat.

Die Idee war vielversprechend: Ein Lieferdienst, der der die Kunden mit den Waren versorgt, die sie aufgrund der aktuellen Corona-Beschränkungen nicht selbst vor Ort einkaufen können. Dazu kommt es allerdings nicht, weil es an Interesse aus dem Einzelhandel mangelt.

Sulingen – Den örtlichen Einzelhandel und die Kunden auch in Lockdown-Zeiten miteinander verbinden sollte das Projekt „Sulingen bringt’s“, doch daraus wird nichts, wie Ideengeber Wolfgang Schirmer auf Nachfrage bestätigt.

Auf die Berichterstattung in unserer Zeitung hin hätten sich bereits vier mögliche Fahrer gemeldet, so der Unternehmer, und auch die Reaktionen von Kundenseite seien sehr positiv gewesen. Vonseiten der Einzelhändler habe das jedoch anders ausgesehen: „Das Interesse der Sulinger Unternehmen daran geht gegen Null.“ Viele Geschäfte hätten bereits eigene Lösungen gefunden, um Artikel auf Bestellung zur Abholung bereitzuhalten oder zu liefern. Daran wollten sie festhalten, und bei so wenig Resonanz werde er das Projekt nicht weiterverfolgen. „Ich finde es schade, dass die Kräfte nicht gebündelt werden, denn wir erleben an anderer Stelle, wie durch etwas gelebte Solidarität das effektiver gestaltet werden kann“, sagt Wolfgang Schirmer.

Zum Originalartikel vom 19. Dezember:

Sulingen – Lebensmittel oder Toilettenpapier lassen sich aktuell problemlos besorgen, aber mit dem Einkauf der letzten Weihnachtsgeschenke wird es schwierig, angesichts der Corona-Vorgaben. Möglicherweise gibt es bald Abhilfe – durch das Projekt „Sulingen bringt’s“.

Das Konzept sieht vor, für den Einzelhandel in der Stadt einen Lieferdienst einzurichten. Zentrale Anlaufstelle für die Kunden soll eine Internetseite sein; die Domain www.sulingen-bringts.de ist bereits eingerichtet.

Den Einfall hatte Wolfgang Schirmer, Geschäftsführer von „Schirmer TK“ in Sulingen. „Unser Laden ist zu, aber wir sind telefonisch und per E-Mail erreichbar“, erklärt der Unternehmer. Bei Fragen zu Verträgen sei das kein Problem, aber: „Wenn ein Kunde ein neues Telefon oder Handy braucht, muss das ja irgendwie zu ihm kommen.“ Bringdienste seien in den geltenden Corona-Verordnungen ja erlaubt, so sei die Idee zu „Sulingen bringt’s“ entstanden. Darüber habe er mit seinem Sohn Nils gesprochen und der habe angeboten, sich um die Umsetzung zu kümmern. Über die nötige Erfahrung mit derartigen Vorhaben verfügt er, als Geschäftsführer der 2004 in Berlin gegründeten Kommunikationsagentur „Tapas & Twain“. Etwas Ähnliches habe man Anfang des Jahres für das Viertel in Bremen umgesetzt, berichtet Nils Schirmer. Wichtig sei ein gemeinsamer Auftritt der beteiligten Einzelhändler. Kein Onlineshop, denn der sei zweischneidig: „Ohne ein professionelles Shopsystem, das nur die wenigsten Einzelhändler haben, wird es schwierig.“

Virtuelles Schaufenster für die Geschäfte

Die Projektseite funktioniere als Schaufenster, das nur einen Ausschnitt des gesamten Sortiments zeigt und die Ansprechpartner für die Kunden nennt. Die könnten auf der Internetseite die Kontaktdaten der teilnehmenden Geschäfte erfahren, dort ihre Bestellung für Non-Food-Artikel aufgeben und über „Sulingen bringt’s“ erhielten sie die Bestellung nach Hause geliefert.

Vorrangig sei man nun einerseits auf der Suche nach Gewerbetreibenden, die sich beteiligen wollen und andererseits nach Menschen, die Lust haben, gegen eine kleine Entschädigung die Artikel auszuliefern – nach Möglichkeit per Fahrrad innerhalb Sulingens und per Auto im Sulinger Land, erklärt Wolfgang Schirmer.

Sympathie für das Projekt

Vielleicht gebe es in Sulingen auch Händler, die bereit sind, ein entsprechendes Fahrzeug zur Verfügung zu stellen, oder Betriebe, die ein Firmenfahrzeug haben, das zeitweise nicht benötigt wird. Für die Kontaktaufnahme stehe bereits die E-Mail-Adresse mitmachen@sulingen-bringts.de bereit.

Sympathie für diese Idee signalisiert Sulingens Bürgermeister Dirk Rauschkolb. „Das ist unterstützenswert, weil es einen Mehrwert für Sulingen hat.“ Seitens des Rathauses gehe es zunächst einmal um eine ideelle, nicht um eine personelle Unterstützung durch die Verwaltung, aber „es ist wichtig, dass es in Gang kommt. Gut, dass jemand die Initiative ergriffen hat!“

Politik sichert Anschubfinanzierung zu

Ob das Projekt aber tatsächlich verwirklicht werden kann, ist aktuell noch unklar: Als „grob geschätztes Mindest-Budget“ nennt Nils Schirmer eine Summe von 7 500 Euro, unter anderem für die Pflege der Internetseite, Werbemittel und die Fahrer – „die müssen angestellt werden, um versichert zu sein.“ Der Verwaltungsausschuss, dem der Bürgermeister das Projekt am Donnerstag vorstellte, sei bereit, es mit einer Anschubfinanzierung zu unterstützen; im Raum stünden hier 5 000 Euro, teilte Dirk Rauschkolb aus der nicht öffentlichen Sitzung mit. Bleibt also eine Lücke, die es zu schließen gilt, um „Sulingen bringt’s“ an den Start bringen zu können. Möglicherweise gebe es dafür Unterstützung aus der Sulinger Wirtschaft, hofft Nils Schirmer. Ansonsten könne die Idee nicht in der geplanten Form weiterverfolgt werden.

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