Rund 8 500 Jungfische ausgesetzt

Die Bachforelle ist dank Angelsportverein Sulingen zurück in der Sule

Ein Mann hält einen Plastiksack mit Jungfischen in einen Fluss.
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Den Sack mit Brütlingen hält Michael Kluge in die Sule, damit sich die Fische an die Temperatur gewöhnen.

Sulingen – Reichlich neue Bewohner hat die Sule nun erhalten: Mitglieder des Angelsportvereins Sulingen setzten rund 8 500 Brütlinge der Bachforelle im Fluss aus.

Der Fisch sei in der Sule bis zu dessen Begradigung heimisch gewesen, erläutert Michael Kluge, Gewässerwart des Vereins und einer der Initiatoren des Projekts. Vor etwa 20 Jahren habe der Verein schon einmal junge Bachforellen hier ausgesetzt, doch die Sule sei dafür nicht geeignet gewesen: „Es gibt hier viel Sandeintrag, das ist für kein Lebewesen gut, aber es fehlt auch an Kies im Bett.“ Der sei für die Fische als Laichgrund notwendig, diene aber auch vielen Insekten als Lebensraum. Weil die Bachforellen nach der damaligen Aktion nicht genügend Laichplätze vorgefunden hätten, sei eine Fortpflanzung nicht möglich gewesen und die Fische seien irgendwann aus gestorben.

In den vergangenen Jahren sei aber durch verschiedene Maßnahmen der ökologischen Aufwertung vermehrt Kies eingebracht worden, und der Gesamtzustand der Sule habe sich verbessert. Daher sei der Verein nach verschiedenen Wasseruntersuchungen zu dem Schluss gekommen, dass ein Wiederansiedlungsprojekt erfolgreich sein könne.

In solchen Säcken kamen die Bachforellen-Brütlinge vom Züchter.

Nach einiger Recherche sei es gelungen einen Züchter zu finden, der einen Stamm aus dem Wesereinzugsgebiet erbrüte. „Fische sind sehr anpassungsfähig, und ihr Genom verändert sich schnell“, so Kluge, daher sei es ausgeschlossen, Fische beispielsweise aus dem Rhein hier anzusiedeln. Stattdessen sei so sichergestellt, dass die Fische gut an die Region angepasst seien. Auf keinen Fall habe der Verein Zuchtforellen, die ausschließlich zur Lebensmittelproduktion erbrütet werden, in das Gewässer einbringen wollen.

Die Brütlinge genannten Jungfische, zwischen drei und fünf Zentimeter groß, kamen in Säcken zum Verein. Coronakonform aufgeteilt in vier Zweierteams, setzten die Mitglieder in mehrstündiger Arbeit die Fische in einem etwa zehn Kilometer langen Abschnitt der Sule zwischen dem Nördlichen Suletal und dem Sulinger Bruch aus.

Mit einer Gießkanne setzt Roman Krenz die Brütlinge in der Sule aus.

„Wir hoffen, dass wir damit jetzt einen sich selbst reproduzierenden Stamm aufbauen“, sagt Kluge. Wenn von den nun eingesetzten Jungfischen etwa 800 durchkämen, könne man sehr zufrieden sein – „in der Natur schafft es nur etwa ein Prozent der Tiere.“ Grund dafür seien vor allem die Fressfeinde: Hechte und Barsche zählen dazu, von denen es in der Sule jedoch nur vereinzelte Exemplare gebe, aber auch Vögel wie Fischreiher und Kormorane. Von denen lebe am Stadtsee eine Population, aber wenn der See im Winter zufriere, würden sie auf Bäche und Flüsse in der Umgebung ausweichen. „In einem kleinen Gewässer wie der Sule können sie einen Riesenschaden anrichten“, weiß der Gewässerwart.

In etwa vier Jahren seien die Fische laichreif und so groß, dass sich auch beangelt werden könnten, aber das geschehe nur in den unteren sechs Kilometern des Einsatzbereichs, der obere Bereich solle der Fischentwicklung vorbehalten bleiben. Bis dahin wolle der Verein jedes Jahr weitere Brütlinge einsetzen.

Wiederansiedlung von Aalen auch denkbar

Der Verein wolle sich aber nicht nur um Bachforellen kümmern: Derzeit gebe es hier nichts, was anglerisch interessant sei, aber „früher konnte man in der Sule auch gut Aale fangen.“ Die seien allerdings irgendwann abgewandert, denn zum Laichen würden die Tiere ins Salzwasser zurückkehren, und die jungen Aale kehrten dann irgendwann in die Süßgewässer zurück. Bauten wie Wasserwehre hätten das aber den Aalen immer schwerer gemacht, sodass sie verschwunden seien. Mit öffentlicher Förderung würden nun aber die jungen Glasaale wieder in Flüssen ausgesetzt, und das sei künftig auch für die Sule denkbar.

Eventuell könnten später auch kleine Biotopfische wieder eingesetzt werden: „Praktisch jede kieslaichende Fischart steht auf der Roten Liste“, so Kluge, das Wiederansiedeln koste aber viel Geld, und diese Fische könnten nicht beangelt werden. „Ich hätte große Lust dazu, aber unseren Mitgliedern muss ja auch vermittelt werden, dass das von ihren Beiträgen passiert.“ Zumindest die Wiederansiedlung der Bachforelle sei schon ein schönes Projekt, das großen Spaß gemacht habe, und die Angler hofften, dass die Sulinger nun die Chance hätten, im Stadtgebiet in der Sule wilde Bachforellen zu beobachten.

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