„KDeutschstunde vor dem Kamin

„Kultureller Lichtblick“ mit Steljanos Eleftherakis und Jan-Olaf Roth

Jan-Olaf Roth. Fotos: mks
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Jan-Olaf Roth.

Bockhorn - Rund 20 Gäste schlitterten am Freitagabend durch die weiße Winterlandschaft zum KunstHof Bockhorn im gleichnamigen Sulinger Ortsteil. Und sie sollten es nicht bereuen. Bertolt Brecht stand im Mittelpunkt des literarisch-musikalischen Abends, zu dem der KunstHof in Kooperation mit Steljanos Eleftherakis von der Bremer Kulturwerkstatt „westend“ geladen hatte. Es war die achte Auflage des Formats „LiteraTourPur“.

Bertolt Brecht (1898 bis 1956) war ein politischer Literat, ein kämpferischer Theoretiker, ein großer Lyriker und einer der weltweit meistgespielten Dramatiker. Der produktive Universalist widmete sich allen literarischen Gattungen, sah sich aber vorrangig als „Stückeschreiber“. Schon als Schüler schrieb er brillante Theaterkritiken, sein erstes Bühnenwerk „Baal“ vollendete er im Jahr 1923. Mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein habe Brecht gegen gesellschaftliche Konventionen rebelliert und sich gern als Prolet inszeniert, sagte Eleftherakis. Mitte der 1920er Jahre fand der rebellische Provokateur seinen politischen Standpunkt - als Kämpfer für die „kleinen Leute“.

Nach der Machtübernahme der Nazis emigrierte Brecht nach Dänemark, später nach Schweden und Finnland. Anfang der 1940er Jahre zog er mit seiner Familie in die USA, 1948 kehrte er nach Deutschland zurück und ließ sich in Ostberlin nieder. Brecht war und blieb Pazifist, kluger Denker und unbequemer Literat. Vor dem Hintergrund der heutigen (welt)politischen Verhältnisse ist sein Werk nach wie vor brandaktuell.

Steljanos Eleftherakis.

Neben Bertolt Brechts Zeit im Exil beleuchtete Eleftherakis insbesondere dessen Verhältnis zu Frauen. Der bekennende Polygamist habe nie ein Geheimnis aus seinen Mehrfach-Liebschaften gemacht, die Frauen aber als Künstlerinnen ernst genommen, unterstrich er: „Er hat sie auch geistig und seelisch befriedigt.“ Eine Konstante in seinem Leben war seine zweite Ehefrau Helene Weigel. Die Schauspielerin sagte von ihm: „Er war treu, leider nur zu vielen.“ Sie organisierte seinen Alltag und hielt ihm den Rücken frei - für seine Arbeit und für seine Geliebten. Eleftherakis: „Ohne sie wäre er nie der große Brecht gewesen, der er war.“

Bertolt Brecht habe ihn Zeit seines Lebens fasziniert, erklärte Steljanos Eleftherakis. Seit den 1990er Jahren gestaltet er Brecht-Programme mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Erstmals machte er mit dem renommierten Jazz-Gitarristen Jan-Olaf Rodt gemeinsame Sache, der den musikalischen Part des Abends mit passenden Gitarren- und Trompeten-Soli bestritt.

Die Deutschstunde vor dem Kaminfeuer im Flett - wie gewohnt servierten Anne Heinz und Bernd Neumann in diesem Rahmen Brot und Wein - kam beim Publikum bestens an. Eine Besucherin dankte den Gastgebern in ihrem Gästebucheintrag für den „kulturellen Lichtblick“, andere gaben ihnen mündlich Rückenwind für die geplanten Folgeveranstaltungen. Am Freitag, 22. Februar, setzt sich die Reihe „LiteraTourPur“ mit einem Abend fort, der dem Lyriker und Essayisten Peter Rühmkorf gewidmet ist.  mks

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