Aktionstag gegen Glücksspielsucht am 30. September

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: „Die Spielersperren sind ein Witz“

Die Umsätze auf dem Glücksspielmarkt sind unermesslich hoch - und das auf Kosten der Glücksspielsüchtigen. Die Fachstelle Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werks Diepholz-Syke-Hoya macht dafür nun auf den Aktionstag gegen Glücksspielsucht aufmerksam.

  • 46,2 Milliarden Euro Umsatz auf dem legalen Glücksspielmarkt.
  • 45.000 Menschen in Deutschland sind glücksspielsüchtig.
  • Aktionstag gegen Glücksspielsucht am 30. September.

Sulingen/Diepholz – 46,2 Milliarden Euro betrug laut der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen der Umsatz auf dem legalen Glücksspielmarkt im Jahr 2018. Zum Vergleich: Das Bruttoinlandsprodukt des Landes Mecklenburg-Vorpommern im selben Jahr belief sich auf 44,9 Milliarden Euro. Der Löwenanteil am Umsatz entfiel mit 29,6 Milliarden Euro auf Geldspielautomaten mit Gewinnmöglichkeit, und sie sind es, die für Glücksspielsüchtige das Hauptproblem darstellen; in Niedersachsen gelten der Niedersächsischen Landesstelle für Suchtfragen (NLS) zufolge rund 45.000 Menschen als glücksspielsüchtig beziehungsweise suchtgefährdet.

Aktionstag am 30. September

Auf diese Probleme aufmerksam machen wollen Hilfsangebote wie die Fachstelle Sucht und Suchtprävention des Diakonischen Werks Diepholz – Syke-Hoya mit Sitz in Sulingen und Diepholz mit der Teilnahme am Aktionstag gegen Glücksspielsucht am 30. September.

Auf den Aktionstag gegen Glücksspielsucht aufmerksam macht Leonie Rathmann von der Fachstelle Sucht und Suchtprävention.

Aktionstag alle zwei Jahre am letzten Mittwoch im September

Alle zwei Jahre, jeweils am letzten Mittwoch im September, werde der Aktionstag gemeinsam von den 24 Beratungsstellen in Niedersachsen veranstaltet, um über die Sucht und Hilfsangebote aufzuklären, sagt Leonie Rathmann, Sozialarbeiterin der Fachstelle. In diesem Jahr sei eine Präsenzveranstaltung leider nicht möglich, daher biete sie an diesem Tag eine Telefonsprechstunde für Betroffene und Angehörige an (siehe Infokasten). Wer sich mit dem Gespräch nicht wohlfühlt, oder zu dieser Zeit nicht sprechen kann, findet im Internet weitere Möglichkeiten zur – auf Wunsch auch anonymen – Kontaktaufnahme.

Schwerpunkt liegt beim Thema Spielsperren

In diesem Jahr liege der Schwerpunkt beim Thema Spielsperren: Seit dem 1. Juni dieses Jahres sei in Niedersachsen gesetzlich verankert, dass sich Betroffene mit einem formlosen Antrag selbst für Spielhallen sperren können unter Angabe ihres Namens und ihrer Anschrift sowie einer Personalausweis-Kopie; entsprechende Formulare gibt es auch zum Download im Internet.

Die Dauer der Selbstsperre beträgt in der Regel 24 Monate, sie kann aber auch länger gewählt werden und muss schriftlich wieder zurückgenommen werden. Nachdem die Spielhalle das Formular erhalten hat, muss sie den Eingang bestätigen und die süchtige Person künftig bei der Einlasskontrolle – auch gegen ihren Willen – zurückweisen.

In der Praxis deutliche Mängel

In der Praxis gebe es jedoch noch deutliche Mängel, klagt die Expertin, und von ihren Klienten höre sie: „Die Spielsperren sind ein Witz.“ Trotz aller technischen Möglichkeiten müssten Betroffene die Selbstsperre für jede Spielhalle erneut beantragen, und bei der Kontrolle „hapert es in der Umsetzung.“

Entgegen der gesetzlichen Regelungen gebe es immer noch Spielhallen, die von den Betroffenen verlangten, dass der Antrag nur auf einem Formular der Spielhalle gestellt werden könne, den sie auch noch selbst dort abholen müssten, was aber die Gefahr eines Rückfalls berge.

Alkohol ist die häufigste Sucht

In der Arbeit der Fachstelle, die für den südlichen Landkreis Diepholz zuständig ist, folge bei den Beratungen die Glücksspielsucht mit neun Prozent der Gespräche erst auf Platz vier nach Alkohol (56 Prozent), Cannabis (15 Prozent) und Opiaten (zehn Prozent); bei den ambulanten Behandlungen sei sie mit neun Prozent jedoch schon auf Platz zwei nach Alkohol (66 Prozent) und vor Kokain (acht Prozent), so Rathmann. Häufig werde die Glücksspielsucht aber von anderen Süchten begleitet, vor allem von Alkoholmissbrauch.

Das Onlineglücksspiel sei noch illegal, aber die Fälle nähmen immer mehr zu, vor allem bei Jugendlichen – „wir sehen die Legalisierung sehr kritisch“, betont die Beraterin. Eine Sucht könne alle betreffen, weiß sie aus ihrer Arbeit, egal ob Arbeitslose, Alleinerziehende oder Berufstätige: „Status schützt nicht vor Sucht.“

Rubriklistenbild: © Bartels

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