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Mehr als 25 Jahre Schützenpräsident: Als Vereinsbote fing alles an

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Von: Sylvia Wendt

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Für Manfred und Vera Koch gehört der Schützenverein Holzhausen zum Leben einfach dazu.
Für Manfred und Vera Koch gehört der Schützenverein Holzhausen zum Leben einfach dazu. © privat

Als Steppke wurde er gewissermaßen infiziert. Manfred Koch fuhr für den Schützenverein die Vereinspost aus - und fortan ließ ihn das Schützenwesen nicht mehr los. „Ich fand das interessant“, sagt der Mann, der mittlerweile mehr als 25 Jahre der Präsident seines Vereins ist. Dabei war seine Frau von der Idee, Vorsitzender zu werden, zunächst gar nicht begeistert.

Holzhausen – Nachrichten mit schnellem Klick per Handy verschicken? Der Schützenverein Holzhausen winkt dankend ab: Hier gibt es heute noch den Posten des Vereinsboten. Aktuell verdient sich die zwölfjährige Clara damit ein Taschengeld, dass sie Nachrichten per beschriftetem Zettel aus Papier in die Postkästen der Mitglieder wirft. Einst hat auch Manfred Koch mit jenem Posten den Weg in den Verein gefunden. Koch, heute 58 Jahre alt, ist mittlerweile seit mehr als 25 Jahren Präsident des Vereins. Was macht den Posten für ihn so attraktiv?

Für Manfred Koch gehört der Schützenverein einfach dazu. Andere Vereine und Verbände, etwa Feuerwehr, Heimatverein und Gemeinderat ebenso, aber der Schützenverein steht, gäbe es eine Rangliste, an erster Stelle der Freizeitaktivitäten. Auch sein Vater engagierte sich in grünem Rock, war Schriftwart. „Ich fand das interessant“, erinnert sich Koch, der seit 1977 Mitglied ist und sich nach der Konfirmation gleich mal (1978) den Kinderkönigsthron sicherte.

Als Vereinsbote war er mit dem Rad immer wieder unterwegs, Einladungen an die Mitglieder gehen schriftlich raus, Koch radelte damals fast jeden Haushalt in Holzhausen an. Schon früh absolviert er den notwendigen Lehrgang, gehört mit 18 Jahren als stellvertretender Schießwart schon zum Vorstand, wird Vizepräsident unter Erhard Plate und löst diesen schließlich an der Spitze des Vereins ab.

Damals zählte der Verein im Ortsteil Holzhausen der Gemeinde Bahrenborstel gut 200 Mitglieder, aktuell ist das Schützenreich auf 290 Mitglieder angewachsen.

Für Manfred Koch steht im Vordergrund sicherlich auf der einen Seite die Tradition, die der Schützenverein, gegründet 1908, aufweist. Doch die Freude über die positive Entwicklung der Mitgliederzahl gründet auch auf Veränderungen, dass sich mit neuen Angeboten neue Mitglieder eingefunden haben.

Beispiel: „Wenn es den Kindern gefallen hat beim Schützenfest, kommen sie gerne wieder“, lautet etwa die Erklärung dafür, warum die Kinderbelustigung unbedingt dazugehöre. In guter Erinnerung bleiben auch Sketche oder Tanzvorführungen – oder einfach nur der gut bestückte Süßigkeitenstand der Familie Rohlfing. Man habe manches versucht, nicht alles habe funktioniert, sagt Manfred Koch heute.

Viele Vereine finden für Vorstandsposten keinen neuen Bewerber, viele winken ab „zu viel Arbeit“. Vera Koch sei ein bisschen sprachlos gewesen, erinnert sie sich zurück an den Moment, als der Ehemann, damals Vater von drei kleinen Kindern den Chefposten übernimmt – ohne sie vorher gefragt zu haben. Sie hatte Bedenken, er nicht: „Man wächst ja mit den Aufgaben.“ Familie, Verein – beruflich sattelt Koch damals noch den Meisterlehrgang drauf und wie er das so erzählt im Rückblick, muss er selbst innehalten: „Man war ja so aktiv.“

Rund um das Holzhauser Schützenfest

Das Schützenfest in Holzhausen hätte eigentlich am 7. und 8. Mai stattfinden sollen, wenn man den tradierten Termin beibehalten hätte. In diesem Jahr wurde es um eine Woche verschoben, gefeiert wird am 14. und 15. Mai. Die Holzhauser müssen sich an Neues gewöhnen: Das Festzelt wird nicht mehr am Schießstand neben dem ehemaligen Gasthaus „Zum Hirtenhorn“ aufgebaut, sondern am Dorfhaus. Wie wird der Ablauf koordiniert? Wie kommt der neue Standort an? Wie wird das Königsschießen durchgeführt? Die Holzhauser schießen am Schützenfest-Termin, nicht schon vorher. Der Titel der Majestät ist beliebt. Neben Manfred Koch hat auch Vera Koch (2014/2015) ein Jahr lang regiert – im ersten, in dem auch Frauen „auf den König“ schießen konnten. Seit 2015 gibt es die „Fünf-Euro-Regel“: Alle, die noch nicht Majestät waren, zahlen fünf Euro. Wer auf den Titel schießt, erhält seine fünf Euro zurück, den Rest kriegt die neue Majestät, außerdem gibt es rund 1000 Euro Königsgeld. „Wir sind da ganz problemlos und: Bei uns muss man nicht zu jeder Veranstaltung.“

Doch zurück zum Fest-Standort: Wird es womöglich einen gemeinsamen Schießstand(-Neubau) geben für die Schützenvereine Bahrenborstel und Holzhausen? Beide Vereine hatten ihren Schießstand an zwischenzeitlich abgerissenen (Bahrenborstel) oder aufgegebenen (Holzhausen) Gastwirtschaften und haben beide damit kein Schützenheim mehr.

Jene Aktivität ist es, die ihm heute Sorgen macht. Nach zwei Coronajahren müssen die Menschen erst wieder vom Sofa geholt werden. Im Sommer 2021 gab es statt eines Schützenfestes eine Zusammenkunft unter freiem Himmel, es wurde gegrillt, gelacht, gesprochen.

Die Aufgaben des Schützenchefs sind verteilt auf mehrere Schultern. Koch rechnet mit fünf bis zehn Stunden monatlich, ohne Termine, die besucht werden. Manche bedeuten einen großen Mehraufwand: 2013 waren die Holzhauser Gastgeber des Kreiskönigstreffens, „da habe ich eine Woche Urlaub genommen“. Nein, Koch ist nicht amtsmüde, würde sich über neue Gesichter im Vorstand freuen, gerne jüngere ans Ruder lassen, mit neuen Ideen. Wer traut sich? Gerade wurde Koch für eine weitere Amtszeit als Präsident bestätigt. Und die Einladungen für das nahende Schützenfest bringt Clara demnächst rum.

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