Kronjuwelenhochzeit in Sulingen

„Er war sparsam“: Zweiten Kuss gab’s erst zum Antrag – und bislang 75 Ehejahre

Ein Ehepaar sieht sich an.
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Ihre Kronjuwelenhochzeit feiern Ruth und Helmut Henke in der Senioreneinrichtung „Haus am Suletal“ in Sulingen.

Sulingen – Ein außergewöhnliches Jubiläum feiern Ruth und Helmut Henke aus Sulingen am 7. September: Sie begehen ihre Kronjuwelenhochzeit – ihren 75. Hochzeitstag.

Dass es dazu kam, verdankt das Paar beider Hartnäckigkeit. Infolge des Zweiten Weltkriegs war Ruth Henke 1944 für einige Monate in Sulingen, weil die Familie, bei der sie als Kindermädchen angestellt war, das heimische Witten im Ruhrgebiet nach einem Bombenangriff hatte verlassen müssen und an der Sule Unterkunft fand. Bei den täglichen Spaziergängen im Bürgerpark begegnete ihr eines Tages Helmut Henke: „Er hat mich immer verfolgt“, lacht die 96-Jährige, „er kam jeden Tag in den Park, immer zur selben Zeit.“

Nach wenigen Wochen verloren sich beide jedoch wieder aus den Augen, denn Ruth Henke kehrte mit der Familie zurück ins Ruhrgebiet, während Helmut Henke als Soldat zurück zu seiner Einheit musste. Dort geriet er in amerikanische Kriegsgefangenschaft, die er in Großbritannien verbrachte. Sie habe in dieser Zeit sogar Helmuts Eltern angeschrieben, doch die hätten auch keine Nachricht von ihrem Sohn gehabt.

Gleich nach der Gefangenschaft einen Brief geschrieben

Gleich nach seiner Freilassung habe er Ruth einen Brief geschrieben, um zu fragen, ob er sie besuchen kommen dürfe, berichtet Helmut Henke. Er durfte – und wollte sie gleich wieder mit nach Sulingen nehmen, denn „ich bin ein alter Sulinger.“ Ganz so schnell sei es aber nicht gegangen, weil Ruth Henke ihre Stellung kündigen und die dreimonatige Kündigungsfrist abwarten musste. „Ich habe nicht damit gerechnet, dass es so ausgehen würde“, bekennt sie.

In Sulingen sei es dann schließlich der Vater des heute 97-Jährigen gewesen, der sich erkundigte, ob die beiden nicht heiraten wollten. Also machte Helmut Henke seiner Ruth einen Antrag, und dazu habe sie den erst zweiten Kuss von ihm erhalten – „er war sparsam“, schmunzelt die gebürtige Dortmunderin.

Zwei Söhne, fünf Enkel und sieben Urenkel

Im Jahr 1946 heiratete das Paar, und 1948 wurde der erste Sohn geboren. Der zweite folgte 1955, „da wollte ich nicht mehr“, sagt Ruth Henke, denn ihr Mann habe nur sieben Brüder gehabt. Das verleitete sie sogar zu einer Wette: Als schließlich die erste Enkeltochter zur Welt kam, machte Ruth Henke ihr Versprechen wahr und spendierte „eine Kiste Sekt für das erste Mädchen in der Familie nach 90 Jahren.“ Inzwischen freut sich das Paar über fünf Enkel- und sieben Urenkelkinder – „und alle haben etwas gelernt“, betont die Jubilarin.

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Während Ruth Henke sich um das Haus der Familie an der Nienburger Straße mit seinem großen Garten kümmerte, arbeitete ihr Mann nur kurze Zeit in seinem erlernten Beruf als Hufbeschlagschmied, bevor er als Elektriker zur Hastra wechselte. Selbst in der Freizeit habe er selten den Hammer zur Seite gelegt, blickt Ruth Henke zurück: „Das Haus war nie fertig, wir haben immer viel gearbeitet.“ Ohne den Hammer sei er auch bei seinem Hobby nicht ausgekommen, denn er habe weiter gerne geschmiedet und Fenstergitter, Treppengeländer oder Dekorationen aus Eisen gefertigt. Für seine Frau waren Handarbeiten eine beliebte Beschäftigung, ob Stickbilder, Strickwaren oder anderes: „In jeder freien Minute eine Masche“, fasst sie zusammen.

Solide sein für eine lange Ehe

Ansonsten hätten beide viel mit ihren Söhnen gesungen und gespielt, und der Großvater habe ihnen das Kartenspielen beigebracht. Später ging es dann auch als Familie in den Urlaub, zumeist an die Nordsee oder nach Helgoland, „weil die Kinder da so gerne hinwollten.“

Für das Gelingen ihrer Beziehung hat Ruth Henke eine einfache Erklärung: „Man muss ganz solide sein, damit die Ehe so lange hält.“ So verbringen sie auch ihren Jubeltag, denn bereits am Sonntag sei ein Teil der Familie zu Besuch gekommen und habe sie zum Essen ausgeführt. Eine Überraschung bereiteten ihnen am Ehrentag die Mitarbeiter des „Hauses am Suletal“, in dem das Paar seit gut fünf Jahren lebt: Sie fertigten ein großes Herz mit einer „75“ in der Mitte als Schmuck.

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