Die Demut des gebrannten Kindes

FC Sulingen: selbstbewusst, aber mit Ehrfurcht in die Bezirksliga

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FC Sulingens Trainer Stefan Rosenthal (hinten rechts) und Co-Trainer Markus Norrenbrock (hinten links) freuen sich auf die Zusammenarbeit mit ihren Neuzugängen (hinten von links) Jonas Finke und Bennet Lüdecke sowie (vorn von links) Joshua Lehmkuhl, Kenneth Schnaible und Magnus Wiegmann.

Sulingen - Von Arne Flügge. Als die schwarz-rote Fahne vor gut einem Jahr auf halbmast gesetzt wurde, saß der Schock bei Mannschaft und Club doch ziemlich tief. Der FC Sulingen, eigentlich gefühlter Dauergast in der Fußball-Bezirksliga, war überraschend in die Kreisliga abgestiegen. Doch der Zustand der tiefen Enttäuschung hielt nicht lange an. „Wir haben uns sehr schnell und früh wieder aufgerappelt“, berichtet FC-Trainer Stefan Rosenthal.

Ein Verdienst vom Teammanager und 2. Vorsitzenden Patrick Sarre. „Als der Abstieg damals feststand, hat uns ,Paddy‘ noch auf dem Platz aufgemuntert. Er hat uns gesagt, wir sollen jetzt nicht ins Grübeln kommen, sondern sofort wieder aufstehen und den Wiederaufstieg anpacken“, ergänzt der Coach. Mit Erfolg: Der Betriebsunfall wurde behoben, der FC Sulingen kehrte als souveräner Kreisliga-Meister nach nur einem Jahr in sein eigentliches Wohnzimmer zurück.

19-jähriges Sturm-Talent Finke macht Druck auf die Etablierten

„Wir haben es ,Paddy‘ zu verdanken, dass wir heute wieder Bezirksliga spielen“, sagt Rosenthal, „er hat uns gleich Mut gemacht, ein Ziel gegeben, auf das wir uns von Beginn an wieder fokussieren konnten.“ So blieb der Kader bis auf einige Ausnahmen zusammen, neue Spieler, wie das Innenverteidiger-Duo Sören und Julian Hartkamp, wurden geholt. „Wir hatten die Qualität, gleich wieder aufzusteigen“, so Rosenthal. Das ist nicht übertrieben. Mit nur zwei Saisonniederlagen rauschte der FC Sulingen zurück in die Bezirksliga.

Jetzt hat der Club seine Mannschaft etwas verjüngt. „Unser Durchschnittsalter war doch schon ziemlich hoch gewesen“, weiß der Trainer, „aber es ist uns gut gelungen“. Im 19-jährigen Stürmer-Talent Jonas Finke kam ein Spieler vom TV Neuenkirchen, der „für sein Alter schon klar und ehrgeizig ist und unbedingt in die Mannschaft will. Er macht bereits Druck auf die Etablierten.“ Joshua Lehmkuhl (18) spielte zuletzt in der Offensive beim TSV Schwaförden in der 2. Kreisklasse. Rosenthal testete den Youngster aber als Linksverteidiger. „Er hat dort einen richtig guten Eindruck hinterlassen. Aber der Junge braucht noch Zeit. In der Bezirksliga warten richtige Kaliber auf die Abwehrspieler. Er darf nicht zu viel von sich verlangen und wir dürfen es auch noch nicht von ihm.“

Überraschungsmoment fehlt - „Fast jeder kennt uns noch“

In Kenneth Schnaible kam ein 19-jähriger Offensivmann vom Landesliga-Absteiger TSV Wetschen nach Sulingen. Doch wegen einer Krankheit durfte er bislang nicht trainieren und kann von Rosenthal denmach auch noch gar nicht eingeschätzt werden. Ganz anders ist die Situation bei Bennet Lüdecke. Der 23-jährige offensive Mittelfeldspieler wechselte vom TuS Barenburg (1. Kreisklasse) zum FC Sulingen – und hat von Anhieb voll eingeschlagen. „Ich möchte ihn eigentlich nicht zu hoch loben, aber Bennet hinterlässt bisher einen richtig starken Eindruck. Er ist von unseren fünf Neuen definitiv derjenige, der am meisten in die erste Elf drängt“, lobt Coach Rosenthal seinen Neuzugang: „Ich hoffe nur, dass er diese Frühform auch bestätigen kann.“ Letzter im Bunde ist Rückkehrer Magnus Wiegmann (27/zuletzt BSV Rehden II), der im Mittelfeld flexibel einsetzbar ist. „Er kam dort wenig zum Einsatz. Ihm fehlt die Spielpraxis, und daher braucht Magnus noch Zeit“, erklärt Rosenthal.

Trotz des Verjüngungsprozesses geht der FC Sulingen die neue Saison mit viel Optimismus, aber auch mit einer gewissen Portion Ehrfurcht an. Schließlich scheut das gebrannte Kind das Feuer. „Wir freuen uns riesig, wollen einen guten Start hinlegen und trauen uns auch einiges zu“, sagt der Trainer. Er meint aber auch: „Wir haben selbst erlebt, was passieren kann. Deswegen müssen wir mit dem nötigen Respekt und auch der notwendigen Demut an die Sache herangehen.“ 

Bewusst ist Rosenthal, dass seiner Mannschaft der Überraschungseffekt als Aufsteiger fehlen wird. „Wir waren doch nur ein Jahr weg und sind gleich wieder da. Fast jeder kennt uns noch.“ Mitaufsteiger Estorf/Lesering beispielsweise „kennt keiner in der Liga. Das macht es für sie vielleicht etwas leichter.“ Wichtiger aber als eine gewisse Berechenbarkeit werde für sein Team sein, wie sich die im vergangenen Jahr doch erfolgsverwöhnte Mannschaft nun nach Niederlagen verhält.

Rosenthal: „Die Jungs müssen das Verlieren wieder lernen und dann auch fest zusammenzustehen, wenn es mal nicht so laufen sollte.“

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