NLWKN: Kein akuter Handlungsbedarf

Dem Wasser Platz geben im Sulinger Land ist wichtig

Ein Bach zwischen zwei Wiesen.
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Wenig bedrohlich wirkt die Sule westlich von Bocksgründen.

Sulingen – Die Bilder von der Hochwasserkatastrophe Mitte Juli in Teilen von Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen haben viele Menschen nachdenklich gemacht: Könnten derartige Ereignisse auch im Sulinger Land auftreten?

Claudia Schmidt-Schweden kennt diese Sorge: Sie leitet den Aufgabenbereich „Oberirdische Gewässer“ der Betriebsstelle Sulingen des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) und befasst sich seit 2004 hier mit dem Hochwasserschutz. „Wir haben schon viele Anfragen dazu von Bürgern bekommen.“ Gänzlich unbegründet scheinen diese Fragen nicht, sind doch auf einer auf der Internetseite des NLWKN bereitgestellten Karte im Sulinger Land neben der Großen Aue auch die Sule und die Siede als Gewässer markiert, die bei einem Hochwasser besonders große Schäden anrichten könnten. „Da müssen wir differenzieren“, schränkt die Expertin ein. Es seien dafür die „HQ100“-Ereignisse ermittelt worden, also Hochwasserereignisse, wie sie statistisch alle 100 Jahre einmal auftreten könnten – „wir haben geguckt, ob es dort überhaupt zu Überschwemmungen kommen kann.“ Dabei habe man auch Gelegenheit gehabt, auf preußische Unterlagen zu früheren Überschwemmungen zurückzugreifen. Die betroffenen Flächen seien dann vor Ort überprüft und mit der Topografie abgeglichen worden, und der Landkreis Diepholz habe daraus die Überschwemmungsgebiete festgelegt. Lediglich bei der Großen Aue komme als weiterer Punkt auch die europäische Hochwassermanagementrichtlinie zum Tragen. Danach seien auch „HQextrem“, also Ereignisse, die statistisch nur alle 200 Jahre oder seltener auftreten, sowie häufigere Ereignisse, genauer „HQ20“ bis „HQ25“, berücksichtigt worden, beispielsweise das Hochwasser von 1998. Daraus habe der NLWKN die Gefahrengebiete berechnet, erläutert Claudia Schmidt-Schweden.

Allerdings müsse unterschieden werden zwischen Hochwassern, die sich entwickeln, und Starkregenereignissen, die an einem Punkt auftreten. Um ein solches handelte es sich im Juli: Stellenweise fielen, etwa im Raum Köln-Bonn, nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes innerhalb von 24 Stunden mehr als 150 Liter Regen pro Quadratmeter. Schon bei wesentlich geringeren Mengen sei es aber auch in unserer Region beispielsweise dazu gekommen, dass Bahnunterführungen überflutet wurden oder die Kanalisation die Wassermengen nicht mehr aufnehmen konnte, weiß Claudia Schmidt-Schweden.

Hochwasserschutz ist Sache der Kommunen

Zuständig für den Hochwasserschutz seien hier die Kommunen. Sulingen habe glücklicherweise schon viele Regenrückhaltebecken angelegt, führt sie als Beispiel an.

Grundsätzlich sei es aber so, dass dem Wasser Platz in der Fläche gegeben werden muss. Schwierig werde es, wenn die Besiedlung bis an ein Gewässer heranreicht, aber „der Vorteil der ländlichen Region ist, dass wir Platz in der Fläche haben.“ Das Wasser werde sich immer seinen Weg suchen. Aber eine empfehlenswerte Maßnahme sei etwa, dass kleine Auen als Überflutungsflächen angelegt werden.

Kein akuter Handlungsbedarf für den Hochwasserfall

Der Unterhaltungs- und Landschaftspflegeverband Große Aue sei da sehr rege: „Eine gesetzliche Aufgabe der Unterhaltungsverbände ist es, den ordnungsgemäßen Wasserabfluss zu gewährleisten. Hier sind ökologische Belange seit Jahren verstärkt zu berücksichtigen“, erläutert Claudia Schmidt-Schweden.

Akuten Handlungsbedarf für den Hochwasserfall sieht die Expertin nicht an den Gewässern im Sulinger Land. „Es kann immer mal passieren, dass ein Keller vollläuft oder Wasser stehen bleibt.“ Wichtig sei vor allem, dass nicht zu viel Boden versiegelt wird, damit das Wasser auch versickern kann, solange das Erdreich noch nicht gesättigt ist.

Der NLWKN bietet auf seiner Internetseite verschiedene weitere Informationen zum Thema Hochwasserschutz. Zum Download steht dort auch eine ausführliche Broschüre mit Wissenswertem bereit. Online lassen sich ebenso die aktuellen Pegelstände verschiedener Gewässer in Niedersachsen einsehen.

Planen die Kommunen aktuell präventive Maßnahmen?

Stadt Sulingen: Im Rahmen der Bauleitplanung frage die Stadtverwaltung die Umweltkarten ab, aber „mit der Sule sind wir in einer relativ komfortablen Lage“, sagt Wiebke Blohm, Leiterin des Teams Bauplanung und Bauordnung der Stadtverwaltung. Aktuell seien keine Maßnahmen angedacht, zumal es an der Nordsule bereits Kompensationsflächen gebe. Für das Stadtgebiet erstelle man gerade einen Generalentwässerungsplan, um zu ermitteln, ob Regenrückhaltebecken für Starkregenereignisse angepasst werden müssen.

Samtgemeinde Kirchdorf: „Das Thema Extremwasserereignis hat Auswirkungen auf unsere Bauleitplanung und wird darin berücksichtigt. Gleichwohl sollen für langfristige Planungen Handlungsoptionen mit den Fachbehörden erarbeitet werden“, erklärt Kirchdorfs Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher.

Samtgemeinde Schwaförden: Der Hochwasserschutz müsse bei der Bauleitplanung berücksichtigt werden, erklärt Samtgemeindebürgermeister Helmut Denker. Ansonsten sei aktuell nichts geplant, „weil wir auf einer relativ sicheren Scholle leben.“

Samtgemeinde Siedenburg: „Wir haben hier konkret nichts“, sagt Michael Schubert, Leiter des Teams Bauen und Soziales der Samtgemeindeverwaltung, zu möglichen Planungen für Hochwasserschutzmaßnahmen. Alle in der Samtgemeinde festgesetzten Gefahrengebiete seien so abgegrenzt, dass derzeit nichts weiter geschehen müsse.

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