Zimmerpatenschaften und Ehrenamtliche

Dem Hospiz „Zugvogel“ in Sulingen helfen von nah und fern

Zwei Frauen sitzen auf einem Sofa in einem Hospizzimmer.
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Um Patenschaften für die Bewohnerzimmer und ehrenamtliche Mitarbeit im Hospiz „Zugvogel“ werben Leiterin Petra Brackmann (links) und Ehrenamtskoordinatorin Ina Seliger.

Sulingen – Das stationäre Hospiz „Zugvogel“ in Sulingen geht neue Wege beim Werben um Unterstützung: Ab sofort können Freiwillige Patenschaften für Bewohnerzimmer übernehmen.

Schon seit der Eröffnung der Einrichtung im Mai 2018 sieht das Konzept vor, dass 95 Prozent der Betriebskosten, also Ausgaben für das Gebäude, das Personal, die Versorgung der Bewohner und ähnliches, von den Kranken- und Pflegekassen erstattet werden. Die übrigen fünf Prozent müssen aus Spenden aufgebracht werden. „Bis Corona kam, hat das gut geklappt“, sagt Hospizleiterin Petra Brackmann. Seither seien aber starke Einschnitte zu merken, weil die Besuche von Angehörigen zeitweise gar nicht oder nur eingeschränkt möglich waren, weil Veranstaltungen im Hospiz ausfallen mussten und nicht bei Vorträgen über die Arbeit der Einrichtung informiert werden konnte. „Das alles hat sich stark in den Spenden niedergeschlagen.“

Konkret geht es dabei bei einer Belegung der Zimmer von 80 Prozent um einen Unterstützungsbedarf von „180 Euro pro Tag, 5 400 Euro im Monat oder jährlich rund 70 000 Euro“, rechnet Brackmann vor. Diese Summe sei nötig, um für die Bewohner das ganze Angebot an Pflege- und Therapiekräften vorhalten zu können. Der verpflichtende Anteil der Finanzierung durch Spenden sei vom Gesetzgeber so gewollt, um zu verdeutlichen, dass die Sorge für Menschen am Lebensende eine gesellschaftliche Aufgabe ist.

Transparenter machen, was mit Spenden geschieht

Dabei helfen sollen nun die Patenschaften. Auf die Idee sei sie bei den „Ricam“-Hospizen in Berlin gestoßen, berichtet Petra Brackmann. So könnten die Paten beispielsweise die Kosten eines Zimmers für einen Tag, ein Wochenende oder eine ganze Woche übernehmen, aber die Paten könnten den Betrag frei wählen und entscheiden, ob sie das Hospiz einmalig oder in einem bestimmten Rhythmus unterstützen wollen. Als Zahlungsweise sei derzeit noch die SEPA-Lastschrift vorgesehen, aber auch das Zahlen per Paypal sei in Kürze möglich. Nähere Informationen dazu finden sich auch auf der Internetseite des Hospizes. Weitere Informationen sollen hier folgen, so die Leiterin, es liefen Planungen für weitere Angebote für die Paten. „Mit den Patenschaften können wir auch transparenter machen, was genau mit den Spenden geschieht.“

Spenden in anderer Form, nämlich als Zeitspenden, wünscht sich das Team des Hospizes ebenfalls. Aktuell seien acht Ehrenamtliche im Hospiz tätig, sagt Ina Seliger, stellvertretende Pflegedienstleiterin und Ehrenamtskoordinatorin der Einrichtung. Ihre Aufgaben seien ganz vielfältig: Eine Ehrenamtliche biete Meditationen und Atemübungen, ein Künstler komme zwei Mal im Monat für Malnachmittage, bei denen die Teilnehmer entweder selbst malen oder einen Wunsch für ein Bild äußern können. „Das ist ganz wertvolle Zeit, die sie uns schenken.“ Daneben gebe es Ehrenamtliche, die für Veranstaltungen Kuchen backen und Dekorationen basteln oder auch warme Socken für die Bewohner stricken und „Handschmeichler“ fertigen. Nebenbei erhielten die im Hospiz tätigen Freiwilligen eine Schulung als Hospizbegleiter, „damit sie mehr Sicherheit in ihrem Tun bekommen.“ Die meisten brächten aus ihrem privaten Umfeld Erfahrungen mit dem Sterben mit, aber das sei etwas anderes als im Hospiz: „Wir gehen sorgsam mit ihnen um“, betont Ina Seliger.

Kapazität auf neun Betten ausgeweitet

Ihr Wunsch sei jemand, der Lust habe, tagsüber die Besucherorganisation zu übernehmen, verrät sie. Dabei gehe es darum, Besucher des Hospizes in Empfang zu nehmen und zu gucken, ob sie direkt zu ihren Angehörigen ins Zimmer gehen können oder ob noch etwas zu besprechen ist, beispielsweise auch Wünsche oder Bedarfe der Angehörigen. „Die Ehrenamtlichen trauen sich selten von selbst, sie kommen meist über ,Mund-zu-Mund-Propaganda‘ zu uns.“ Dabei müssten sie keine besonderen Fähigkeiten mitbringen, wichtig sei nur Verlässlichkeit. Die zeige etwa ein Helfer, der jeden Freitag komme, um abends für die Bewohner Bratkartoffeln zuzubereiten, und der deswegen von allen „Bratkartoffel-Jürgen“ genannt werde. Auf ihn freuen sich alle, berichtet Ina Seliger, denn „für die Bewohner ist wichtig, zu spüren, dass es Menschen gibt, die sich für sie interessieren.“

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Hilfreich könne schon sein, sich in der Abendbrotzeit einfach dazuzusetzen und so zu gewährleisten, dass niemand alleine ist, auch wenn keine Angehörigen vor Ort sind, ergänzt Petra Brackmann. Man habe auch schon Ehrenamtliche gehabt, die mit Bewohnern eine Skatrunde abgehalten hätten, und einen Bewohner habe seine Doppelkopfrunde regelmäßig zum Spielen in der Wohnküche besucht. „Wir merken aber zunehmend, dass nicht hinter jedem Bewohner eine intakte Familie oder ein Freundeskreis ist.“ Daher brauche das Hospiz auch Ehrenamtliche, die Lust haben, in Kontakt zu gehen für Gespräche oder zum Spielen – „das wird von unseren Bewohnern wie ein Besuch wahrgenommen.“

Die Zahl der Bewohner ist inzwischen auch angewachsen, denn zum 1. Oktober hat die Einrichtung die Kapazität von acht auf neun Betten erhöht. Der Bedarf sei da, so die Leiterin, daher sei das Angehörigenzimmer, das wegen Corona ohnehin nicht für Übernachtungen genutzt werden konnte, umgewandelt worden.

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