INTERVIEW Hans-Rudolf Kalus zieht sich nach acht Jahren vom Kirchenvorstandsvorsitz zurück

Dauerbaustelle vielfältiges Gemeindeleben

Den Vorsitz hat Hans-Rudolf Kalus abgegeben, dem Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Sulingen gehört er weiterhin an. 
Archivfoto: Bartels
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Den Vorsitz hat Hans-Rudolf Kalus abgegeben, dem Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Sulingen gehört er weiterhin an. Archivfoto: Bartels

Sulingen – Hans-Rudolf Kalus gehört seit 2006 dem Kirchenvorstand der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Sulingen an, fungierte seit 2012 als dessen Vorsitzender – dieses Amt legte der 70-Jährige, seit 2007 auch Mitglied und Vorsitzender der Kirchenkreissynode, Ende November vorzeitig nieder. Als seine Nachfolgerin wurde Pastorin Juliane Worbs, als deren Stellvertreterin Vera Riekmann gewählt. Im Interview spricht Kalus über die Gründe für seine Entscheidung und die Entwicklung der Kirchengemeinde.

Turnusgemäß wäre im Juni gewählt worden. Warum haben sie beschlossen, sich jetzt vom Vorsitz zurückzuziehen?

„In der Septembersitzung des Kirchenvorstandes hatte ich gebeten, dass wir die Wahl auf November vorziehen. Ich musste für mich erkennen, dass ich durch meine COPD-Erkankung ein so wichtiges Amt nicht mehr voll durchziehen kann. Ich bin froh, dass wir mit Juliane Worbs und Vera Riekmann ein tolles Duo als Nachfolge bekommen haben.“

Was hat sie 2006 motiviert, für den Kirchenvorstand zu kandidieren – und später, sich für den Vorsitz zur Verfügung zu stellen?

„Günter Landau hatte mich angesprochen, ob ich mir die Mitarbeit vorstellen kann. Da ich ja aus einer christlich-diakonisch geprägten Familie komme, habe ich mir gesagt: Du könntest dich eigentlich mal wieder stärker in der Kirche engagieren. 2012 habe ich mit dem damaligen Vorsitzenden, Jörg Schafmeyer, darüber gesprochen, ob Ehrenamtliche von den hauptamtlichen Mitarbeitern in bestimmten Bereichen, wo sie sich einbringen können, Verantwortung übernehmen sollten. Da war er ganz froh – und hat mich als neuen Vorsitzenden vorgeschlagen. Wenn Hauptamtliche beide Funktionen haben, Pfarramt und Kirchenvorstandsvorsitz, kann es manchmal sehr anstrengend werden.

Juliane Worbs hat jetzt beide Funktionen...

Ja – sie ist ja auch noch jung (lacht). Sie hat Elan und Ideenkraft.

Worin haben sie ihre Hauptaufgaben gesehen?

Als Vorsitzender ist man ja eigentlich Erster unter Gleichen. Für mich war es wichtig, Ideen, die in der Gemeinde entstanden sind, mit in den Kirchenvorstand zu transportieren, die Sitzungen so zu leiten, dass alle zufrieden sind. Das war natürlich nicht immer einfach, vor allem, wenn wir in der Diskussion die Zeiten überschritten haben, die wir uns selbst gesetzt hatten. Wichtig war für mich auch, in der Gemeinde außerhalb des Kirchvorstandes mitzuarbeiten. Etwa wenn es galt, Anträge an das Kirchenamt zu stellen oder Verträge zu gestalten, das sind so Dinge, die ich aufgrund meiner beruflichen Tätigkeit (Anmerkung der Redaktion: bis zum Antritt seines Ruhestandes am 1. Januar 2016 bei der Sulinger Stadtverwaltung, zuletzt als Leiter des Fachbereiches Bürgerservice und Soziales) mit eingebracht habe.

Was waren aus ihrer Sicht die wichtigsten Entwicklungen in der Kirchengemeinde in den vergangenen acht Jahren?

Die Wiederbesetzung der Pfarrstelle von Pastor Joachim Musiolik durch Juliane Worbs und die von Pastor Jörg Schafmeyer durch Benjamin Fütterer – das sind natürlich herausragende Punkte, die man in so einem Gremium hat. Ganz zentral war auch das Orgelprojekt, was sehr viel Zeit in Anspruch genommen hat.

Zu den Plänen für einen Orgelneubau mit einem Kostenvolumen von fast einer Million Euro hat es auch kritische Stimmen gegeben.

Das war ein Entscheidungsprozess über einen Zeitraum von mindestens fünf Jahren. Da gab es kontroverse Ansichten und Diskussionen, manche sprachen auch von Spaltung. Kontroverse Diskussionen sind keine Spaltung – weder im Kirchenvorstand, noch in der Gemeinde. Wenn wir jeden Meinungsunterschied als Spaltung betrachten, kommen wir nicht weit. Der Vorstand hat in mindestens zwei Gemeindeversammlungen versucht, dieses Projekt zu erläutern. Auch da gab es natürlich unterschiedliche Meinungen. Aber damit muss man leben in einer Demokratie.

Wo steht das Orgelprojekt, wie geht es weiter?

Es ruht coronabedingt. Es hat sich ja ein Orgelbauverein gegründet, der sich im Wesentlichen um die Finanzierung kümmern will und es sicherlich auch wird. Ich bin der großen Hoffnung, dass es in diesem Jahr vielleicht weitergeht.

Wie nehmen sie das Gemeindeleben in der Corona-Krise wahr? Wird etwas aus dieser Zeit zurückbleiben?

Die Vorgaben der Landesregung zum Thema Gottesdienste haben uns natürlich sehr eingeschränkt, auch belastet. Auf der anderen Seite hat die Situation auch Ideen entstehen lassen, wie man die Gemeinde in dieser Zeit weiter mit Gottes Wort und Unterstützung betreuen kann – angefangen mit dem ,Gottesdienst in der Tüte‘. Ich hoffe, dass wir Ideen wie die Konfirmation im großen Zelt oder die Weihnachtsgottesdienste in der Reithalle auch weiter haben, Gottesdienste nicht nur in der Kirche feiern.

Was sind in der Kirchengemeinde die dringlichsten „Baustellen“?

Wir haben ein unheimlich vielfältiges Gemeindeleben – das ist eine Dauerbaustelle, die wir immer wieder bearbeiten müssen, damit alle in der Kirchengemeinde sich aufgenommen fühlen.

Was kann „Kirche“ vor Ort tun, um sinkenden Mitgliederzahlen entgegenzuwirken?

Corona hat gezeigt, dass wir präsenter sind in der Kirchengemeinde, vielleicht können wir auch weiter präsenter sein, etwa mit neuen Gottesdienstideen wie der ,Neusehland‘-Reihe Menschen ansprechen, die kirchenferner sind. Man muss sich bemühen. Wir haben zum Beispiel auch mal darüber gesprochen, einen Kreis zu bilden, der Neubürger begrüßt.

Werden sie sich bei den Kirchenvorstandswahlen 2024 erneut zur Verfügung stellen?

Die Frage wage ich im Moment noch nicht zu beantworten.

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