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Das Ziel von Michael Wendel in Sulingen: Die Menschen erreichen

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Von: Harald Bartels

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Ein Mann sitzt auf einer Treppe vor der Eingangstür zu einer Kirche.
Am 12. Juni wird der Einführungsgottesdienst für Michael Wendel als neuem Pastor in der Sankt-Nicolai-Kirche in Sulingen gefeiert. © Bartels

Der neue Sulinger Pastor Michael Wendel möchte unter anderem neue Gottesdienstformen etablieren. Offiziell in sein Amt berufen wird er am 12. Juni.

Sulingen – Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Sulingen hat einen neuen Pastor bekommen: Am 1. Juni trat Michael Wendel seinen Dienst im Pfarrbezirk Sulingen-West an; eingeführt in sein Amt wird er in einem Gottesdienst am Sonntag, 12. Juni, in der Sankt-Nicolai-Kirche.

Sulingen ist die erste Pastorenstelle für den 52-Jährigen, der nach 25 Jahren als Diakon nun einen neuen Weg innerhalb der Kirche einschlägt (wir berichteten). Sie sei, wie bei allen neuen Pastoren, eine Probedienststelle für drei Jahre. Sie würden in der Regel von der Landeskirche zugewiesen, aber eine Gemeinde könne eine vakante Stelle auch als Probedienststelle ausschreiben – das habe die Sulinger getan.

Musik als „große Leidenschaft“

Seine neue Wirkungsstätte ist dem gebürtigen Gelsenkirchener bereits aus seiner Ausbildung in Kirchdorf vertraut: „Ich kenne die Region und den Kirchenkreis schon, ich kenne alle Kollegen und habe hier schon gepredigt und Musik gemacht.“

Die Musik bezeichnet Michael Wendel als seine „große Leidenschaft“: „Ich habe in jeder Gemeinde, in der ich war, einen Gospelchor gegründet, weil das eine ganz tolle Möglichkeit ist, Menschen zu erreichen.“ Diese Idee gebe es für Sulingen auch, aber seine pastoralen Aufgaben seien der Schwerpunkt seiner Arbeit.

Zusätzliche Gottesdienstformen ab Juli

Generell sieht er es als Kernanliegen an, auch die „kirchenferneren“ Menschen zu erreichen. Zwar gebe es „hier ,auf dem Dorf‘ “ ein grundsätzliches Interesse an Kirche – „das finde ich klasse“. Aber durchschnittlich nähmen nur drei bis vier Prozent der Gemeindemitglieder die Kirchenangebote wahr. „Die 95 Prozent, die nicht kommen, haben ihre Gründe, und die sind primär hausgemacht“, ist sich der Pastor sicher: „Wir müssen kulturell wieder relevant werden.“

Ein Weg dabei sei ein zunächst auf sechs Monate befristetes Projekt in der Kirchengemeinde, das ab Juli neue Gottesdienstformen etablieren soll. Weiterhin gebe es im Monat zwei Sonntagsgottesdienste in gewohnter Form. Hinzu kämen monatlich ein Familiengottesdienst sowie ein moderner Gottesdienst „mit lockerer Moderation, zu lebensrelevanten Themen und ohne, dass die Orgel durch die Kirche wabert“. Traditionen seien wichtig, betont Michael Wendel, aber es gebe verschiedene Verständnisse von Tradition. „Luther wollte immer am Puls der Zeit sein“, beruft er sich auf den Reformator, „aber vieles wirkt wie festgefroren.“

Der „Abstimmung mit den Füßen“ entgegenwirken

Besonders im Blick hat er dabei die „Lücke zwischen dem ,J-Day‘ und den normalen Gottesdiensten, da stimmen die Leute seit 50 Jahren mit den Füßen ab.“ Schon als Diakon habe er sich immer fortgebildet für neue Gottesdienst- und Gemeindeformen, und eine Erkenntnis laute: „Wenn die Musik im Gottesdienst stimmt, ist das die halbe Miete.“ Dazu wolle er betragen und so die Menschen berühren: „Das Ziel ist, dass sie anders nach Hause gehen als sie gekommen sind.“ Als Chance empfindet Michael Wendel dabei die Kasualgottesdienste, also Trauungen, Taufen oder Konfirmationen: „Da kommen auch die 95 Prozent, und da kann man sie überraschen.“

Im Blick hat er als Pastor nicht nur die Gottesdienste: „Ich möchte auch raus, zu den Vereinen, zu den Feuerwehren, das kulturelle Leben in Sulingen kennenlernen.“ Wichtig sei ihm ebenso die Beziehungsarbeit – „miteinander ins Gespräch kommen, Anteil nehmen.“ Begleiten möchte Michael Wendel die bestehenden Hauskreise und eventuell einen eigenen gründen. Ganz praktisch steht aber zuvor an, alle Mitglieder des Kirchenvorstandes persönlich kennenzulernen. Für seine Aufgaben in Sulingen ist er zuversichtlich: „Ich habe ein sehr gutes Gefühl, hier ist eine tolle Atmosphäre.“

Ordinationsgottesdienst am 12. Juni

In einem Gottesdienst am Sonntag, 12. Juni, ab 15 Uhr in der Sankt Nicolai-Kirche in Sulingen, wird Michael Wendel feierlich in sein Amt als Pastor für Sulingen berufen. Seine Assistenten bei der Ordination sind sein Mentor Pastor Joachim Bachhofer (Kirchdorf), seine künftige Kollegin, Pastorin Juliane Worbs, und Pastor Martin Steinke aus Osnabrück. Der Segensspruch ist Michael Wendels Konfirmationsspruch, den der damalige Pastor für ihn ausgewählt hatte. Heute spreche er ihm aus der Seele, sagt Michael Wendel: „Sei getreu bis an den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben“ (Off., 2,10). „An dem Wort ‚Treue‘ bleibe ich hängen: Treue zu meinem Gott, zur Kirche und zu den Menschen.“

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