Flurbereinigungsverfahren schafft Grundlage für Wiedervernässung

Das Sulinger Moor lebt auf

Umweltminister Olaf Lies (l.) und Nabu-Landeschef Holger Buschmann informieren sich im Moor.
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Umweltminister Olaf Lies (l.) und Nabu-Landeschef Holger Buschmann informieren sich im Moor.

Sulingen – Zwischen Binsen, Birken und Heide stehen Schautafeln, ein weißes Zelt bietet Schutz vor der sengenden Mittagssonne. Aber Umweltminister Olaf Lies und Dr. Holger Buschmann, Vorsitzender des Nabu-Landesverbands, begutachten nach einem kleinen Spaziergang erst einmal die einzigartige Landschaft, die noch ursprünglicher werden soll: In einem Flurbereinigungsverfahren von 918 Hektar insgesamt sollen Moorschutzflächen von 380 Hektar wieder naturnah gestaltet werden. Davon sollen in einem ersten Schritt 82 Hektar sobald wie möglich wiedervernässt werden.

Großer Hochmoorkomplex

Das Sulinger Moor ist ein größerer zusammenhängender Hochmoorkomplex im Landkreis Diepholz und Teil des Landschaftsschutzgebietes „Sulinger Moor und Maasener Moor“. Wie viele andere Moore auch, wurde es vor vielen Jahren entwässert, um es unter anderem zur Brenntorfgewinnung zu nutzen. „Nach der Nutzungsaufgabe der bäuerlichen Handtorfstiche blieben die vorhandenen Entwässerungsgräben jedoch aktiv. Die Folge war ein weiterhin entwässertes Moor, das seine Funktion als Lebensraum für viele bedrohte Tier- und Pflanzenarten nicht erfüllen kann. Darüber hinaus emittiert der durchlüftete Torfkörper enorme Mengen klimaschädlicher Treibhausgase“, so der Nabu.

„Die Dürre der vergangenen Sommer war voraussichtlich nur ein kleiner Vorgeschmack dessen, was im schlimmsten Fall zur Normalität werden könnte. Wir brauchen daher im moorreichen Niedersachsen mehr naturnahe Moore und dafür das gemeinsame Wirken aller gesellschaftlicher Gruppen wie wir es nun exemplarisch im Sulinger Moor sehen können“, fordert Dr. Holger Buschmann.

Wie funktioniert die Renaturierung ganz praktisch? „Es werden Wälle gebaut, die das Regenwasser auffangen“, erläutert Thomas Baalmann, beim Amt für Regionale Landesentwicklung zuständig für das Verfahren, am Rande des Ortstermins. Das Verfahren habe bereits begonnen, fügt Olaf Stührmann als Leiter des Dezernats Flurbereinigung und Landmanagement im Amt für Regionale Landesentwicklung hinzu. „Wir sind zurzeit bei der Wertermittlung der Grundstücke.“

Davon gibt es viele, weiß Felix Grützmacher als Referent für Moorschutz beim Nabu-Bundesverband. Denn auf kleinen, nur bis zu zwei Hektar großen Flächen haben die Bürger aus dem Sulinger Raum einst Torf gestochen. Damals, als das Brennmaterial für den Ofen noch aus dem Moor kam. Geblieben sind Gräben und eine Grasnarbe. Dieses Bild wird sich wandeln, wenn das Sulinger Moor in einen ursprünglichen Zustand zurückversetzt ist.

Einen Teil der Flächen hat der Nabu bereits erworben – mithilfe den Volkswagen Financial Services und der Volkswagen Leasing, die dafür Geld zur Verfügung gestellt haben. Die Renaturierung des Sulinger Moors ist ein zentraler Bestandteil des Elektromobilitätsprogramms „Blaue Flotte“ der Volkswagen Financial Services, welche die Projektumsetzung fördert. „Der Schutz von Mooren ist für uns schon seit vielen Jahren eine Herzensangelegenheit. Hier zeigt sich, dass jeder ausgegebene Euro doppelt gut angelegt ist, da nicht nur das Klima geschützt, sondern auch die Biodiversität gefördert wird“, sagt Knut Krösche, Geschäftsführer der Volkswagen Leasing GmbH.

„Blaue Flotte“ mit E-Fahrzeugen

Zusammen mit dem Nabu haben die Volkswagen Financial Services das Elektromobilitätsprogramm „Blaue Flotte“ initiiert. Das Ziel ist ein positiver Saldo von CO2-Emissionen während der ersten Leasingvertragslaufzeit von E-Fahrzeugen im eigenen Portfolio. Die Volkswagen Financial Services investieren demnach im gleichen Maße, wie die Fahrzeuge im Leasing-Portfolio genutzt werden, in konkrete Klimaschutzprojekte des Nabu. Eines der Kernprojekte ist die Renaturierung des Sulinger Moors.

Sehr zur Freude von Konrad Wolf vom Nabu Sulingen, der sich seit Jahren für das Projekt stark macht. Er hat einen Arbeitskreis auf den Weg gebracht und damit ein wichtiges Fundament gelegt.

Das Flurbereinigungsverfahren kostet rund 1,2 Millionen Euro, davon zahlt die Stadt Sulingen 300 000 Euro. Der Löwenanteil kommt vom Land.

Olaf Lies: Brückenschlag in die Wirtschaft

Dass der Naturraum im Sulinger Bruch als Lebensraum wieder aufleben soll, das betonte Umweltminister Olaf Lies in seiner Ansprache ganz besonders. In der Bevölkerung sei das Bewusstsein für den Naturschutz in den vergangenen Jahren weiter gewachsen. Mit Blick auf die Sponsoren sprach Lies von einem „Brückenschlag in die Wirtschaft“. Der Umweltminister betonte: „Alle sind gut beraten, nachhaltig in den Naturschutz zu investieren, damit sie auch in Zukunft wirtschaften können.“

Auch dem Landkreis Diepholz sei es wichtig, Naturflächen langfristig zu erhalten, war die Botschaft von Landrat Cord Bockhop – auch, um gemeinsam mit den Menschen vor Ort weiterhin Moorschutz betreiben zu können. Sulingens Bürgermeister Dirk Rauschkolb sprach von einem wichtigen Projekt – auch aus Sicht des Klimaschutzes. „Bei uns gehen die Lichter nicht aus, wir haben tolle Projekte“, erklärte er.

Erich Schlamann, Ortsbürgermeister im Sulinger Ortsteil Lindern, überreichte dem Umweltminister die Sulinger Chronik.

Von Anke Seidel

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