Ausverkaufter Auftritt: „Nichts für schwache Nerven, aber authentisch“

Danke, Torsten Sträter

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Kabarettist Torsten Sträter servierte seinem Sulinger Publikum statt Kaffee-Bananen-Diät ein turbulentes dreistündiges Programm ohne Längen.

Sulingen - Von Martina Kurth-Schumacher. „Ich muss erst mal gucken, wer überhaupt hier ist“, sagt Torsten Sträter und macht einige „verhaltensauffällige Zuschauer“ im Publikum aus. Und ein paar freie Stühle in den ersten Reihen: „Will noch jemand nach vorn?“

Die ersten „VIP-Plätze“ sind vergeben, da kommen die Nachzügler. „Wir haben Fehldrucke mit falscher Uhrzeit“, erklärt Kulturchefin Ariane Hanselmann – eine Steilvorlage für Sträter, der jeden Zuspätkommer unter dem Gejohle des Publikums mit einem passenden Spruch begrüßt: „Was stand bei Ihnen drauf? Viertel vor acht?“

Eine Besucherin in der ersten Reihe wartet vergeblich auf ihre Freundin. „Ja, mit dem Problem schlage ich mich auch immer rum“, sagt Sträter und setzt den Sulinger „Deichgraf“ an ihre Seite: „Ach, Sie machen Kommunalpolitik? Wenn der Bürgermeister keinen Bock hat, sich verarschen zu lassen, schickt er den Stellvertreter...“ Das Publikum tobt.

Mit den Zuschauern ist Sträter schnell auf „Du und Du“. Er plaudert aus dem Nähkästchen: Die Schweiz sei ein schwieriges Pflaster. Eine emotionale oder wenigstens eine persönliche Ebene mit dem Publikum aufzubauen, sei dort unmöglich. Außerdem: „Eine Übernachtung kostet mehr als Wohneigentum in Castrop-Rauxel, ein Snickers ist so teuer wie bei uns vier Kilo Parmaschinken und einen Gebrauchtwagen zu kaufen und ihn danach anzuzünden, ist billiger als eine Taxifahrt.“

Sträter hat Gespür fürs Publikum und den richtigen Gag im richtigen Moment. Er hat Angst vorm Blutabnehmen, vor Haien und vorm Fliegen im Flugzeug. Er zahlt Kirchensteuer, obwohl ihm der Pastor noch nie die Hecke geschnitten hat, die A 31 ist die beste aller Autobahnen und das einzige Manko der Kaffee-Bananen-Diät ist, dass Bananen ohne Remoulade zu sehr nach Obst schmecken. Es macht nichts, dass kein roter Faden erkennbar ist.

Nach der Pause liegen Schokoriegel, Kuscheltier und Zettel mit Fragen auf der Bühne. Ja, seine Mütze setzt er ab, aber er gibt sie nicht her. Und sein Sessel, der in Fernseh-Comedy-Shows zu ihm gehört wie seine „gerockte Auftrittsmütze“, hat er nicht mitgebracht: „Er wiegt vier Tonnen und er gehört mir nicht!“ „Torsten, willst du ein Kind von mir? Ich habe vier, kannst dir eins aussuchen!“ Sträter will nicht. Er liest Geschichten: „Abgelehntes Material. Nichts für schwache Nerven, aber authentisch.“

Sträter liefert ein turbulentes dreistündiges Programm ohne Längen. Seine zentralen Botschaften: „Augen auf beim Eierkauf“, „Gib 100 Prozent außer beim Blutspenden“ und „Nimm dir Zeit zum Nachdenken. Oder wenigsten dafür, so zu tun, als ob.“

Bevor er das Publikum „in die Bettwäsche“ schickt, bedankt er sich beim „Local Buch-Dealer“ für den Büchertisch.

Und bei Prince, Lemmy Kilmister, Roger Cicero und seiner Oma („Alle tot, alle viel zu früh“).

Und nicht zuletzt beim Veranstalter und dem Publikum: „Was hier passiert ist, wäre in einer großen Halle undenkbar.“ Ein Standardprogramm habe er nicht, verrät er seine Strategie „mit Restrisiko“. In Sulingen geht sein Plan auf. Danke, Sträter. Die Fans werden vor Lachen nicht in den Schlaf kommen.

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