Strecke zwischen Sulingen und Borstel im Blick

Bundesstraße 214: Dank „Blitzer“ wieder Tempo 70

Das verhüllte Gehäuse des neuen „Blitzers“ steht bereits an der Abfahrt Sulingen-Ost, in Betrieb genommen wird er nach Auskunft seitens des Landkreises voraussichtlich in den nächsten Tagen.
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Das verhüllte Gehäuse des neuen „Blitzers“ steht bereits an der Abfahrt Sulingen-Ost, in Betrieb genommen wird er nach Auskunft seitens des Landkreises voraussichtlich in den nächsten Tagen.

Sulingen/Maasen – Schneller fahren dürfen dank eines „Blitzers“? Das klingt ungewöhnlich, ist aber die Realität, denn wenn die stationäre Geschwindigkeitsmessanlage endgültig von Maasen an die Abfahrt Sulingen-Ost der Bundesstraße 214 verlegt ist, soll die zulässige Höchstgeschwindigkeit dort wieder auf 70 Kilometer pro Stunde angehoben werden.

Bereits aufgestellt ist das Gehäuse der neuen Messanlage. Voraussichtlich werde die Inbetriebnahme in den nächsten Tagen erfolgen, heißt es auf Anfrage unserer Zeitung vom Fachdienst 31 Straßenverkehrswesen des Landkreises Diepholz. Das gilt laut Fachbereichsleiterin Saskia Vullriede auch für die beiden Anlagen in Barver und Wetschen, die zeitgleich saniert werden. Geblitzt wird in Maasen jedoch weiterhin: „Die Messtechnik wird am Standort verbleiben und nach Ende der Nutzungszeit zurückgebaut.“ Während der alte „Starenkasten“ in Maasen den Verkehr in Fahrtrichtung Nienburg überwacht, hat der neue Messtower in Sulingen die Fahrzeuge Richtung Diepholz im Visier. Die technischen Voraussetzungen seien jedoch gegeben, bei Bedarf auch in der Gegenrichtung zu messen, präzisiert die Fachdienstleiterin. Wie alle Anlagen im Landkreis seien sie künftig immer einsatzfähig.

Begründet hatte der Landkreis die Veränderung damit, dass sich der Unfallschwerpunkt von Maasen nach Sulingen verlagert habe (wir berichteten). Was ein Unfallschwerpunkt ist, definiert der Erlass über die Unfallkommissionsarbeit, erläutert Wolfgang Rehling, Sachbearbeiter Verkehr der Polizeiinspektion Diepholz und zugleich Geschäftsführer der Verkehrswacht Grafschaft Diepholz. Demnach wird unterschieden zwischen zwei Arten von Schwerpunkten: Von einer Unfallhäufungsstelle sprechen die Fachleute, wenn sich innerhalb eines Jahres fünf gleichartige Unfälle ereignen. Eine Unfallhäufungsstrecke liegt dagegen vor, wenn auf einem Abschnitt von maximal einem Kilometer Länge innerhalb eines Jahres wenigstens drei Unfälle mit „schwerem Personenschaden“ geschehen, also: ein Unfallbeteiligter verstirbt oder für mehr als 24 Stunden stationär in einem Krankenhaus untergebracht werden muss.

Hohe Geschwindigkeit ist Wurzel des Übels

Die B 214 sei von der Ortsumgehung Sulingen bis Borstel von der Unfallkommission durchgehend als Unfallhäufungsstrecke zu begutachten, und zusätzlich sei in der Vergangenheit häufig an der Kreuzung zwischen der Bundesstraße und der Kreisstraße 14 die Vorfahrt missachtet worden. „Sehr oft haben solche Unfälle aber auch mit der Geschwindigkeit auf der vorfahrtberechtigten Straße zu tun“, so Rehling. Das sei sehr deutlich geworden, als an der Ortsumgehung Bassum die erste ortsfeste Messanlage aufgestellt wurde und sich dort die Unfälle schlagartig reduziert hätten. Die Unfallkommission habe daher seinerzeit entschieden, mit der Anlage in Maasen die Unfallhäufungen zu bekämpfen, da Sulingen-Ost zu diesem Zeitpunkt noch nicht auffällig gewesen sei.

Das hat sich inzwischen aber deutlich geändert: In Maasen habe es seit 2011 noch 26 Verkehrsunfälle gegeben einem Schwerverletzten 2018 und zwei Schwerverletzten 2012. Anders dagegen in Sulingen: Hier verzeichnete die Polizei im selben Zeitraum 52 Unfälle mit drei Todesopfern, acht Schwerverletzten und 26 Leichtverletzten; bei den fünf Unfällen im Vorjahr und dem einzigen Unfall im ersten Halbjahr 2020 gab es glücklicherweise keine Verletzten.

Weniger Unfälle in Maasen

Sulingen sei mehr in den Fokus gerückt, weil es immer mehr Unfälle mit schwerem Personenschaden gegeben habe, so Rehling. Vorrangig beobachtete die Polizei dabei zwei Arten von Unfällen: Linksabbieger aus Richtung Diepholz, die die Vorfahrt des Gegenverkehrs missachteten, und Fahrzeuge aus Richtung der Stadt, die auf die Bundesstraße fahren wollten und den dortigen Verkehr nicht beachteten.

Baulich sei alles Machbare umgesetzt worden, führt der Experte aus: „Wir haben Sichtprobleme aus der Nienburger Straße heraus nach links bemerkt und Verkehrszeichen versetzt, Büsche zurückgeschnitten, Gras gemäht und bei der letzten Deckensanierung der Fahrbahn die Rechtsabbiegespur aus Richtung Nienburg so weit wie möglich über die neue Markierung aus dem Sichtbereich gedrückt. Mehr war leider nicht möglich.“

Alle baulichen Lösungen ausgeschöpft

Gegen die eigene Überzeugung habe sich die Kommission zuletzt dazu entschlossen, die erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 70 auf 50 Kilometer pro Stunde zu senken. „Die Absicht, damit die gefahrenen Geschwindigkeiten von den vorher durchschnittlich 85 bei erlaubten 70 km/h auf unter 70 bei erlaubten 50 km/h abzusenken, ist rechtlich absolut nicht zulässig.“ Es sei eine vorübergehende Maßnahme gewesen, geplant sei, „mit der Installation der stationären und damit dauerhaften Geschwindigkeitsüberwachung auch die zulässige Höchstgeschwindigkeit wieder auf vernünftige 70 km/h festzulegen.“

Dennoch sei aus den Unfallzahlen erkennbar, dass die rigorose Absenkung der Höchstgeschwindigkeit bei gleichzeitiger Überwachung durch die Polizei mittels Lasermessung von den nahegelegenen Brücken aus nicht unbedingt die Zahl der Unfälle, in jedem Fall aber die Schwere der Folgen reduziert habe. Allerdings sei aus Sicht der Polizei diese sehr personalintensive Geschwindigkeitsüberwachung – durch jeweils mindestens vier Beamte gleichzeitig – nicht auf Dauer durchzuhalten. Zugleich sei aufgefallen, dass in anderen Bereichen, wo die Überwachung reduziert werden musste, die Unfallzahlen wieder anstiegen.

„Langfristig können wir die Strecke nur beruhigen, wenn wir ganzheitlich denken“, ist sich Wolfgang Rehling sicher. Stationäre Anlagen wirkten auf einem begrenzten Abschnitt von circa 500 Metern, und damit könnten auffällige Kreuzungen und Einmündungen beruhigt werden. Für die gesamte Strecke bedürfe es anderer Maßnahmen. Die Beunruhigung der Bürger in Maasen und Borstel könne er verstehen, aber: „Ich kann auch versichern, dass an dem Standort dieser einen Messstelle nicht die Überwachung der Strecke hängt. Die lösen wir anders.“

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