Pflegekräfte in Quarantäne

Corona im Seniorenheim: 5 von 35 Bewohnern infiziert – Landkreis reagiert auf Kritik an Gesundheitsamt

Sulingen - Fünf der aktuell 35 Bewohner der Senioreneinrichtung Landhaus Barrien in der Sulinger Ortschaft Groß Lessen haben sich am Wochenende mit dem Coronavirus infiziert. Das bestätigte am Sonntagnachmittag Einrichtungsleiterin Heike Brand auf Anfrage. Nach Kritik am zuständigen Gesundheitsamt nimmt der Landkreis nun Stellung.

  • Coronavirus erreicht Seniorenheim Landhaus Barrien in Sulingen-Groß Lessen
  • Covid-19: 5 von 35 Bewohnern nachweislich mit Erreger Sars-CoV-2 infiziert
  • Leiterin von Seniorenheim kritisiert Gesundheitsamt im Landkreis Diepholz - der Landkreis reagiert

Update vom 31. März: Über ausgebliebene Hilfe und fehlende Wertschätzung hatte Heike Brand, Einrichtungsleiterin der Senioreneinrichtung Landhaus Barrien in der Sulinger Ortschaft Groß Lessen, am Wochenende nach positiven Corona-Tests in ihrer Einrichtung gesprochen. Die Heimleitung hätte die Testergebnisse nicht schnell genug gemeldet, hieß es. 

Das Seniorenheim berichtete daraufhin, dass eine Ärztin seit Freitagmorgen versucht habe, die Ergebnisse mitzuteilen, ohne aber einen Corona-Ansprechpartner beim Landkreis zu erhalten. Diesbezüglich kommentiert die Kreisverwaltung am Montag in einem Statement: „Da insbesondere im Pflegebereich bei der Kontaktpersonenermittlung eine hohe Dringlichkeit geboten ist, ist es besonders bedauerlich, dass das Gesundheitsamt bei dem Anruf am Freitag nicht direkt erreichbar war.“

Gesundheitsamt ab Samstag an Aufarbeitung der Corona-Situation beteiligt

Das Gesundheitsamt Diepholz habe am Samstag nach der dann gelungenen Meldung unverzüglich die Strukturen und Prozesse in dem Sulinger Seniorenheim gemeinsam mit der Einrichtung aufgearbeitet. Es wurden alle betroffenen Bewohnerinnen und Bewohner ärztlich auf das Coronavirus untersucht und darauf basierend konkrete Anordnungen formuliert. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die als Kontaktpersonen mit erhöhtem Infektionsrisiko eingestuft wurden, hat das Gesundheitsamt unter Quarantäne gestellt. Darüber hinaus sei das Heim mit einem zusätzlichen Kontingent an Schutzausrüstung ausgestattet worden.

Der Landkreis Diepholz erklärt in seiner Mitteilung jedoch auch, dass das Gesundheitsamt derzeit stark belastet sei, und dass eine ständige telefonische Erreichbarkeit nicht immer gewährleistet werden könne. Daher könne es in manchen Fällen erforderlich sein, sich gegebenenfalls auch mehrfach telefonisch und ergänzend per E-Mail oder Fax an das Gesundheitsamt zu wenden. „Unabhängig davon, ist in solch sensiblen Situationen auch die Eigenverantwortung aller Akteure gefragt“, schließt der Landkreis seine Einschätzung der Situation während der aktuellen Corona-Krise.

Das Landhaus Barrien in der Sulinger Ortschaft Groß Lessen: Fünf Bewohner sind mit dem Corona-Virus infiziert.

Originalartikel vom 29. März: Die Bewohner der Senioreneinrichtung Landhaus Barrien, darunter auch Demenzkranke, habe man schon am Donnerstag, nach dem Erkennen ersten Anzeichen einer möglichen Erkrankung mit Covid-19, isoliert. Zehn der insgesamt 40 Mitarbeitern der Einrichtung, die im direkten Kontakt mit den erkrankten Bewohnern standen, befinden sich demnach aktuell in Quarantäne. Wer wann das Coronavirus in die Senioreneinrichtung getragen hat, sei laut Heike Brand noch nicht geklärt. Die Recherchen dauern demnach noch an.

Schon am 12. März habe man das Landhaus Barrien komplett von der Außenwelt abgeriegelt. „Vor der vom Landkreis Diepholz erlassenen Allgemeinverfügung“, erklärt die Einrichtungsleiterin, „um uns und unsere Bewohner zu schützen.“ Brand gehe davon aus, dass sich der Erreger Sars-CoV-2 zu diesem Zeitpunkt bereits in dem Haus befunden hatte.

Corona? Sechs Bewohner mit erhöhter Körpertemperatur

Nachdem die Mitarbeiter der Senioreneinrichtung am Donnerstag vergangener Woche zunächst bei sechs Bewohnern erhöhte Körpertemperatur ausgemacht hatten, habe man sofort eine Ärztin informiert. „Sie nahm Abstriche.“ Freitagmorgen habe das Ergebnis der Untersuchungen vorgelegen und die Ärztin das Gesundheitsamt informiert.

Erst am Samstag erfolgte laut Heike Brand dann ein Rückruf durch einen Mitarbeiter vom Landkreis Diepholz. „Wir haben auf Hilfe gehofft, wurden mit Vorwürfen überschüttet, warum wir die Fälle nicht gemeldet hätten“, erklärt Heike Brand, „obwohl die Ärztin vor Ort war und das Ergebnis der Untersuchung weitergegeben hat. Wertschätzung der Arbeit in der Pflege geht anders.“

Von der Heimaufsicht auferlegte Hygienebestimmungen habe man ständig zu 100 Prozent erfüllt, versichert Heike Brand – und spricht im gleichen Atemzug von „fehlender Unterstützung“ durch das Gesundheitsamt im Landkreis Diepholz. „Man wird mit Unterlagen beschossen, erhält Aufforderungen und Verweise auf Anordnungen, aber keinen Hinweis auf ein Notfall-Telefon.“

„Auch die Bestände an Schutzausrüstung schmelzen dahin“

Die Einrichtungsleiterin wisse um die Leistungen, die die Mitarbeiter des Landhauses Barrien, wie die in anderen Senioreneinrichtungen auch, täglich zeigen. „Dass zehn unserer Mitarbeiter jetzt in Quarantäne sind, trifft uns besonders hart.“ Doch nicht nur an Personal fehle es. „Auch die Bestände an Schutzausrüstung schmelzen dahin. Wir brauchen Hilfe und Unterstützung, keine Beschimpfungen.“

Kraft gegeben habe ihr, den Mitarbeitern und den Bewohnern am Wochenende eine Aktion von zwei Kindern aus der Ortschaft Groß Lessen. Sie hatten Bilder gemalt – und diese vor der Tür der Einrichtung abgelegt. „Ein Lichtblick.“

Rubriklistenbild: © Carsten Schlotmann

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