Betriebe kritisieren Entscheidung

Corona-Pause für Gastronomen im Landkreis Diepholz: „Das ist eine ganz traurige Zeit“

Die neuen Corona-Maßnahmen des Bundes stoßen auf Kritik. Gastronomen im Landkreis Diepholz empfinden die neuen Regeln als ungerecht - nicht nur für die eigene Branche.

  • Bund und Länder haben eine Betriebspause für Gastronomen und andere Branchen beschlossen.
  • Gastonomen im Landkreis Diepholz empfinden die neuen Regeln als ungerecht.
  • Auch Unternehmen anderer Branchen hinterfragen die neuen Corona-Regeln.

Landkreis Diepholz – In den vergangenen Tagen hat die Zahl der Gäste im Gasthaus Nordloh in Sulingen schon nachgelassen. Die steigenden Inzidenzwerte und die damit einhergehenden Sorgen der Bürgerinnen und Bürger hätten sich da bereits gezeigt, berichtet Wilhelm Nordloh, Dehoga-Kreisverbandsvorsitzender im Verband Diepholz-Sulingen und Betreiber des Landhauses Nordloh. Im November werden die Restaurantgäste nicht weniger. Es wird sie nach neuen Regeln des Bundes gar nicht geben.

Landkreis Diepholz
Fläche1.987 km²
Bevölkerung216.886
KreisstadtDiepholz

Vor dem erwünschten besinnlichen Weihnachtsfest im Kreise der Familie, welches Bund und Länder sich wünschen, liegt also eine erneut schwierige Zeit. Restaurants, Fitnessstudios, sie alle mussten schon einmal schließen. Wie geht es ihnen mit Blick auf den November?

Dehoga-Kreisverbandsvorsitzender: Für die Branche eine Katastrophe

„Das ist für unsere Branche eine Katastrophe“, macht Andree Meyer, Dehoga-Kreisverbandsvorsitzender im Verband Grafschaft Hoya und Betreiber des Gasthauses Zur Post in Neubruchhausen, deutlich. Er habe überhaupt kein Verständnis, warum es Gastronomiebetriebe treffe. Es würden Kontaktdaten erhoben, Hygienekonzepte vorgelegt, Plätze desinfiziert und die Mitarbeiter tragen Maske. Es gebe kaum Fälle, warum also einen sicheren Betrieb schließen? „Ich hätte es verstanden bei Feierlichkeiten, aber im Restaurantbetrieb?“, drückt Meyer seine Skepsis über die angekündigten Maßnahmen aus.

Die Plätze der Gastronomen bleiben im November wohl vorerst leer.

Lichtblicke? Die sind selten. Die wenigen Tage Vorlauf und der Feiertag würden helfen, Bestände abzubauen: „Unsere Fässer am Hahn können sie nach vier Wochen vergessen.“ Und sollte sich die Lage wie erhofft bis Weihnachten entspannen, bleibe vielleicht noch ein weiterer guter Tag in diesem Jahr. Oder vielleicht kein guter, aber ein besserer als man es aus diesem Jahr gewohnt ist.

Wilhelm Nordloh teilt diese Hoffnung nicht. „Das Weihnachtsgeschäft wird nicht eintreten“, glaubt er. Vorerst gelten die neuen Regeln im November, doch ob der Dezember tatsächlich anders aussehen werde? Nordloh ist nicht überzeugt: „Das ist eine ganz traurige Zeit.“ Komplett einer Meinung ist er mit Meyer bei der Frage der Angemessenheit. Die Leute würden sich primär zu Hause anstecken, nicht in den Restaurants, die so strikte Regeln verfolgen.

Fitnesstudio Geschäftführer: „Sulingen ist nicht Berlin-Neukölln“

Diese strikten Regeln, die teils sogar übererfüllt werden, lassen auch Jannis Rochner, einer der Geschäftsführer des Fitnessstudios Studio 5 in Sulingen, hinterfragen, ob die Herangehensweise optimal sei: „Sulingen ist nicht Berlin-Neukölln, ein Betrieb mit sehr strengem Hygienekonzept ist keine grundsätzliche Gefahr für Menschen.“ Mit der Wiedereröffnung – derzeit denkbar für den Dezember – glaubt er an eine schnelle Rückkehr der Kundinnen und Kunden. „Die Pandemie ist nun keine ganz neue Situation mehr, viele sehnen sich nach Bewegung und fühlen sich im Fitnessstudio sicher, außerdem erleben sie dort sehr positive Momente, da bei der körperlichen Betätigung Glückshormone ausgeschüttet werden“, so Rochner.

Es gibt also Gründe, warum Betriebe, da blickt er über seine Branche weit hinaus, weiter offen bleiben sollten, aber letztlich vertraue er den Maßnahmen, denn die Wissenschaft könne die Notwendigkeit besser beurteilen und feststehe, dass sie einen guten Zweck verfolgen: „Ich denke, wir müssen die Schwachen, die Anfälligen, die Risikopatienten schützen. Die Zahlen müssen zurückgehen.“ Für den Moment tun sie das keineswegs, wie aus den Statistiken des Landkreises Diepholz hervorgeht. 59 Corona-Tests haben am Mittwoch ein positives Ergebnis gezeigt. Ein Test der vergangenen Tage habe sich als falsch positiv herausgestellt.

Testergebnisse aus Weyher Seniorenheim noch offen

Die für Mittwoch erhofften Testergebnisse aus einem Weyher Seniorenheim liegen noch nicht vor, erklärt die Kreisverwaltung in einer Pressemitteilung, das Labor sei so stark ausgelastet, dass die Proben noch nicht analysiert werden konnten. Vorliegen tun die Ergebnisse hingegen für das Restaurant Mezzomar in Lembruch. Dort sei anfangs von zwei Betroffenen ausgegangen worden, mittlerweile liegen in Zusammenhang mit dem Betrieb neun positive Tests vor.

Weitere Tests folgen, so der Kreis, in einem Seniorenheim in der Samtgemeinde Altes Amt Lemförde, wo ein „funktionierendes Hygienekonzept“ verfolgt werde, aber ein Corona-Fall bestätigt wurde. Außerdem müsse in der Samtgemeinde eine Kindergartengruppe nach dem Auftreten des Virus bei einer Mitarbeiterin in Quarantäne und in Kürze abgestrichen werden.  ml

Coronavirus im Landkreis Diepholz

In den Landkreis-Kliniken werden derzeit fünf Patienten behandelt - davon zwei Intensivpatienten. Aktuell gibt es 182 Coronafälle, 906 Personen sind in Quarantäne. Insgesamt gab es im Landkreis Diepholz 1045 positive Corona-Tests (Stand Mittwoch) seit Ausbruch der Pandemie. 807 davon sind wieder genesen, 30 Personen sind an dem Virus gestorben. Der Inzidenzwert liegt bei 84,45.

Die aktuellen Corona-Infektionen teilen sich derzeit folgendermaßen auf die Gemeinden und Städte auf: SG Altes Amt Lemförde: 14, SG Barnstorf: 27, Bassum: 12, SG Bruchhausen-Vilsen: 5, Diepholz: 11, SG Rehden: 5, Stuhr 27, Sulingen 13, Syke: 14, Twistringen: 6, Wagenfeld: 17, Weyhe: 24. In den die Samtgemeinden Kirchdorf, Siedenburg und Schwaförden gibt es jeweils weniger als fünf Fälle.

Rubriklistenbild: © dpa/Sebastian Gollnow

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